Neue Wege für gute Geschichten: Die Süddeutsche Zeitung in 360-Grad

Mit 360-Grad-Videos revolutioniert die Süddeutsche Zeitung (SZ) ihr Storytelling. Lutz Knappmann, stellvertretender Chefredakteur der Onlineredaktion der SZ und Leiter des Digital-Ressorts, erklärt bei dem Special VR_NOW des MedienNetzwerk Bayern auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN, was genau geplant ist.

Lutz Knappman erzählt von der Virtual-Reality-App der Süddeutschen Zeitung. Foto: afk. Redaktion.

“Es ist die DNA der Süddeutschen Zeitung, gute und spannende Geschichten zu erzählen”, sagt Lutz Knappmann. Mit 360-Grad-Videos und Virtual Reality eröffne sich nun ein ganz neues Feld des Storytellings auch für die Süddeutsche Zeitung.

Ihr erstes 360-Grad-Video drehte die SZ auf der “bauma”, der Baumaschinen Messe in München, und stellte bald fest: Das kann was werden. Die Entscheidung für ein sehr viel größeres Projekt wurde getroffen. Im Vorfeld der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro konnten die Nutzer sechs Menschen aus den Favelas treffen und deren Geschichten als 360-Grad-Video miterleben.

Virtual Reality aus Rio

Lutz Knappmann begleitet das VR-Projekt bei der SZ und sieht neue Möglichkeiten Geschichten zu erzählen. Foto: afk. Redaktion.

“Unsere Erwartung war, dass am ersten Tag viele Menschen auf die Videos zugreifen. Einfach nur, um zu sehen wie so ein Video aussieht”, sagt Knappmann. Die Realität sah aber ganz anders aus: Statt einer starken Nutzung am ersten Tag und einer Abflachung  an den folgenden Tagen, stiegen die Nutzerzahlen kontinuierlich an. Die meisten Zugriffe hatte am Schluss das Video, das die stärkste Geschichte erzählte. Ein klares Zeichen für Knappmann: “Hier zeigt sich, dass das klassische Muster im Journalismus wie auch im VR funktioniert.”

Um die VR-Videos aus Rio bestmöglich an den Nutzer zu bringen, holte sich die Süddeutsche Zeitung das Münchner Start-Up RE’FLEKT mit ins Boot. Seitdem lassen sich die Geschichten ganz verschieden erleben: Mit einer VR-Brille, aber auch auf dem Smartphone oder klassisch am PC. Die Nutzer bewegen sich aktiv durch die Schauplätze der Handlung, treffen Protagonisten und sind immer ganz nah am Geschehen.

“Bei jedem Video lernen wir dazu, was man journalistisch aus dieser Technik machen kann”

Für Knappmann ist wichtig, dass die 360-Grad-Videos einen Mehrwert für den Nutzer bieten: “Das Video muss bildstark sein aber auch die Geschichte an sich muss überzeugen.” Er betont außerdem, dass das Ganze für die Süddeutsche Zeitung ein Experiment sei. “Bei jedem Video lernen wir dazu, was man journalistisch aus dieser Technik machen kann”, sagt er.

Interaktives 360°-Video: Die größten Maschinen auf der größten Messe der Welt

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Trotzdem seien alle Geschichten ein Balanceakt. “Wie kann man eine Geschichte erzählen ohne Bilder zu zeigen, die den Nutzer überfordern, ohne dem Protagonisten zu nahe zu kommen und ohne den Journalisten einem zu großen Risiko auszusetzen? Das sind die Fragen, die wir uns jedesmal wieder stellen”, sagt Knappmann.

Derzeit arbeitet die Süddeutsche Zeitung daran, kleinere Geschichten mit VR zu erzählen. Die Videos sollen in den redaktionellen Alltag integriert werden und auch außerhalb der Großprojekte auftauchen. Für die nahe Zukunft will die Zeitung das lineare Erzählen in der virtuellen Realität in Frage stellen. Die Nutzer sollen selbst entscheiden können, wie die Geschichte erzählt wird oder welche Perspektive sie als nächstes einnehmen wollen.

Von Stephanie Probst