Social TV Summit Logo. Quelle: BLM

Live, nicht perfekt – Schlagworte des 5. Social TV Summit

Wie gut sind deutsche Fernsehsender in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Snapchat aufgestellt? Noch nicht so gut, meint der Video-Experte Bertram Gugel auf dem 5. Social TV Summit. Dennoch gibt es Positivbeispiele. Und die zeigen, es muss bei weitem nicht immer alles perfekt sein, was für hohe Reichweiten sorgt. Zeitintensiv ist es trotzdem.

Trotz der nicht gerade rosigen Diagnose von Gugel, gleich zu Beginn des Social TV Summits, präsentiert das Konferenzprogramm Gegenbeispiele. ProSiebenSat.1 etwa, kann sein Engagement durchaus sehen lassen. Laut Gugel ist der Sender unter den Top 100 Fernsehfacebook-Seiten in Deutschland. Und nach eigenen Angaben des Senders sogar der erfolgreichste deutsche TV-Sender auf Facebook und Twitter.

Carsta Maria Müller auf dem Social TV Summit 2016. Foto: Franziska Baur

Carsta Maria Müller auf dem Social TV Summit 2016. Foto: Franziska Baur

Und dass der Sender, mit Sitz in Unterföhring, nicht nur auf Facebook gut aufgestellt ist, das zeigte Carsta Maria Müller mit ihrem Vortrag. Die Senior Social Innovation Managerin bei ProSiebenSat.1 gab einen Einblick, wie der Sender Snapchat nutzt. 2015 gab es bereits erste Gehversuche bei einem Snapchat Innovations-Case während des “Got to Dance” Finales, der 15.000 Snap-Views erzielte. Etwa ein halbes Jahr später ging es mit einer ganzen “Snapchat Week” weiter. Unter dem Motto “ProSieben Inside” experimentierte der Sender sechs Tage lang, mit wechselnden Snappern aus sechs unterschiedlichen Abteilungen.

Unverzichtbar, meint Carsta Maria Müller, sei dabei das vorher erarbeitete Storyboard gewesen. “Es sieht vielleicht old-school aus”, sagt Müller, an das Publikum gerichtet, als sie in ihrer Präsentation das verwendete Storyboard zeigt. “Aber es hat sich ausgezahlt. Es hilft, einen roten Faden zu behalten”. Denn wenn man eine Geschichte erzählen möchte, die Nutzer auch wirklich ansprechen, begeistern oder fesseln will, dann kann man sich nicht auf den Zufall verlassen. Und seinen Laufweg vom Büro in die Kantine zu snappen, das funktioniere vielleicht einmal, sei aber kein Erfolgsrezept, so Müller. Live zu senden ist nur dann attraktiv, wenn etwas interessantes passiert.

“Es ist nicht gescripted was die Leute sagen. Aber, wir gehen auch nicht blind rein”, sagt Carsta Maria Müller.

Dass die Vorplanung enorm wichtig, aber auch zeitintensiv ist, bestätigt auch Felix Loesner, zuständig für den Bereich Social Media beim FC Bayern München. Der nicht nur auf dem Rasen, sondern auch mit seinen Social-Media-Aktivitäten erfolgreiche Fußballverein, arbeitet bei seinen Snapchat-Geschichten ebenso mit einem Storyboard. Um unterschiedliche Perspektiven abbilden zu können, nutzt er sogar fünf Account-Zugänge.

So, erläutert Loesner, könnte Bildmaterial aus der Fankurve ebenso einbezogen werden, wie das von Spielern oder Anhängern, die in einer Kneipe feiern. Ob diese unprofessionell oder verwackelt aufgenommen sind, spielt keine Rolle – gerade wenn es um Live-Inhalte geht.

Social-Media-Inhalte, das zeigten die Vorträge und Diskussionen der Konferenz, müssten oder sollten gar nicht den Anspruch haben hochglanz zu sein. Ganz im Gegenteil: “Die Aufnahme müsse nicht perfekt ausgeleuchtet sein”, sagt Carsta Maria Müller. Andere Referenten der Veranstaltung raten sogar zu einem wilden Look für Social-TV-Inhalte.

“Und es muss auch nicht immer teuer sein”, betont Bill Browning, Senior Vice President Sky Creative Services, Sky Deutschland. Es brauche kein High Definition und keine 5K-Auflösung. “Es geht nur um die Idee in Social Media”, sagt er, während er einige Clip-Beispiele zeigt, die er mit einem kleinen Team umgesetzt hat, um “Star Wars”, “Game of Thrones” oder “Captain America” im Programm des Pay-TV-Senders zu bewerben.

Carsta Maria Müllers Fazit zu Snapchat: Ein schönes Spielzeug, aber auch zeitaufwändig. Einfach mal nebenbei lasse sich die Plattform nicht sinnvoll einsetzen. “Es lohnt sich, Mitarbeiter zu schulen. Denn die wenigsten wissen tatsächlich, wie Snapchat funktioniert”, sagt Müller. Und man sollte mit seinem Ladegerät immer eine Steckdose in der Nähe haben. Denn: “Man muss locker zwei bis dreimal am Tag sein Handy aufladen, wenn man die ganze Zeit snappt”, sagt Müller lachend.