piqd-Logo-Banner. Quelle: piqd

piqd: Schätze aus dem Netz

„Piqd“ ist eine Plattform für alle Menschen, die das Bedürfnis haben, sich hintergründig und divers zu informieren. Der Name leitet sich vom englischen Verb „to pick“ ab, etwas heraus picken. Gepiqd werden dort aber nur handverlesene Artikel. Geschäftsführer Marcus von Jordan und Chefredakteur Frederik Fischer hatten die Idee für piqd aus der Not heraus: Beim Suchen nach spannenden Artikeln mussten sie viel zu lange im Netz herumklicken. Das will piqd ändern und spannende Inhalte auf dem Silbertablett servieren. 

Marcus von Jordan hat auch Torial erfunden. Foto: privat

Marcus von Jordan hat auch Torial erfunden. Foto: privat

Piqd ist Bio-Media – kein Fast Food“, sagt Marcus von Jordan, Erfinder und Geschäftsführer von piqd. Denn hier zählt die Qualität eines Textes und nicht die Masse von Artikeln. Die Plattform ist der Gegenentwurf zu den reichweitenoptimierten Algorithmen sozialer Netzwerke. Ausgewählte Experten aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen dort den Nutzern die besten Inhalte aus dem Netz.

„Ich halte piqd für eine der großen inhaltlichen Innovationen der letzten Jahre“, sagt Prof. Dr. Stephan Weichert, Journalistik Professor an der Hochschule Macromedia und Studiengangsleiter Digital Journalism an der Hamburg Media School. Von menschlicher Intelligenz ausgewählte, beurteilte und eingeordnete Inhalte im Netz würden immer wichtiger werden und einem großen Bedürfnis entsprechen.

Auf piqd empfehlen die Experten jeden Tag jeweils einen lesenswerten Artikel. Marcus von Jordan verrät den Grund: „Wir wollen vermeiden, dass piqd ‚noisy‘ wird.“ Die Piqer sollen genau überlegen, welcher Link es Wert ist, geteilt zu werden. Damit soll die Qualität der Auswahl gesichert werden. Das Highlight jedes Artikels ist ein Pitch-Text, der erklärt, warum der Nutzer seine knappe Zeit für das Lesen dieses Artikels verwenden soll. „Die Nutzer schätzen die Pitch-Texte sehr“, erklärt Marcus von Jordan. Wem der Pitch-Text gefällt, der klickt weiter und gelangt zum Artikel.

Außerdem können piqd-Nutzer verschiedene Themen-Kanäle abonnieren. Zu den derzeit 19 bestehenden Themen-Kanälen zählen unter anderem „Fundstücke“, „Literatenfund“ oder „Politik und Netz“. Meldet sich der Nutzer auf piqd an, erhält er zu seinen abonnierten Themen kuratierte Artikel. Somit ist die Webansicht bei jedem Nutzer individuell.

Dr. Claudia Brunner, Dozentin für Innovationsmanagement, betrachtet die Plattform eher kritisch: „Ich halte piqd für eher weniger innovativ, man könnte es als inkrementell bezeichnen.” Unter einer inkrementellen Innovation versteht man geringfügige Verbesserungen gegenüber Bestehendem.Verglichen mit Newsfeeds und anderen Plattformen wie beispielsweise Flipboard sieht Brunner keine wesentliche Neuerung. Dort könne man auch einstellen, welche Nachrichten man erhalten möchte. So liege der Vorteil von piqd lediglich in der Reduktion der Menge und dem Kurzkommentar, also dem Pitch-Text. Demgegenüber stünden dann allerdings Eingrenzung und gegebenenfalls Einseitigkeit, gibt Brunner zu bedenken.

Mehr als hundert Kuratoren

Prof. Dr. Stephan Weichert lehrt an der Macromedia

Prof. Dr. Stephan Weichert lehrt an der Macromedia Hochschule. Foto: privat

Seit November 2015 gibt es die Plattform nun schon. Jovana Reisinger, Filmemacherin und Autorin, ist Piqerin der ersten Stunde und ihr Spezialgebiet ist das „Münchner Stadtleben“. Wenn Jovana Reisinger piqd, dann mit System: „Ich versuche nicht nur einen Artikel zu empfehlen, sondern eine ordentliche Packung zu bieten: Querverbindungen, Verweise und im besten Fall dazu auch noch Gegenargumente. Wenn ich das mit einem Artikel machen kann, dann teile ich ihn.“

Mittlerweile empfehlen gut 100 Kuratoren ihre Schätze aus dem Netz. „Die Kuratoren werden von uns genau ausgesucht, sie müssen spannende Sachen aus dem Netz filtern können“, sagt von Jordan. Außerdem sollten die Kuratoren sich schon alleine wegen ihres Jobs, ständig über ihr Themengebiet, über das sie zusätzlich auf piqd aufmerksam machen, informieren.

Jovana Reisinger ist von piqd begeistert: „Jeden Tag stoße ich jetzt auf Artikel, auf die ich ohne piqd nie gekommen wäre. Facebook hätte sie mir nicht in meine Timeline gespült. Ich habe neue Webseiten entdeckt, die jetzt zu meiner täglichen Recherche gehören, ich habe Autoren gefunden, von denen ich zuvor noch nie gehört habe, die aber super diskussionsfähig sind.“

Trolle abschrecken

Medien-Investor und piqd-Gründer Konrad Schwingenstein finanziert die Plattform. „Konrad Schwingenstein und ich betreiben zusammen die August-Schwingenstein-Stiftung“, erklärt von Jordan. Als Marcus von Jordan dann die Idee für piqd hatte, musste er Schwingenstein nur noch überzeugen: „Ich habe ihm so lange, begeistert, von piqd berichtet, bis er überzeugt war.“ Bis jetzt wird mit piqd jedoch noch kein großer Gewinn erwirtschaftet. „Erst einmal versuchen wir uns mit piqd in Richtung schwarzer Null zu bewegen“, erklärt Marcus von Jordan. Weitere Einnahmequellen könnten sein: Sponsoring, die Vergabe von Werbeplätzen im Newsletter oder auf der Plattform.

Piqd-Logo.

Piqd-Logo.

Nutzen kann piqd jeder. Wer jedoch drei Euro im Monat bezahlt, wird Premium-Mitglied und kann kommentieren, bewerten und Teil der Community werden. „Damit wollen wir effektiv Trolle heraushalten. Die wollen wir nicht“, sagt Marcus von Jordan. Das große Ziel immer vor Augen: „Piqd soll ein fest etabliertes, zentrales, nachhaltiges Pressemagazin im deutschsprachigen Raum werden.“

„Piqd hat einen ganz tollen Look, ist eine sehr aufwendig programmierte Seite und hat einen sehr ansprechenden Newsletter – kurz: piqd hat ein stimmiges Gesamtkonzept“, findet Prof. Dr. Stephan Weichert und sieht piqd als nützliche Plattform an: „Gerade viele junge Nutzer haben keine Zeit, viel quer und frei zu lesen. Sie freuen sich über jegliche Art der Entlastung.“

Aber nicht für jeden ist piqd die richtige Plattform. „Ich entscheide gerne selbst, was ich lese. Wenn ich das Netz durchforste, stolpere ich oft zufällig über interessante Sachen“, erklärt Dr. Claudia Brunner. Marcus von Jordan ist von seinem Konzept überzeugt: „Zwar haben wir thematisch noch ein paar Lücken, aber das Feedback der Nutzer gibt uns Recht. Wir können behaupten, dass die Leute, die piqd ausprobieren, dabei bleiben und Spaß haben.“