„Waking the sleeping beauty of Data“ – was Datenanalyse möglich macht

Wie lange brauchen Sie eigentlich, um ein Buch zu lesen? Was haben Sie heute gegessen, wie viel haben Sie sich sich bewegt? Und zahlen Sie im Supermarkt mit Karte oder in bar? Wo früher Anonymität herrschte, werden heute fleißig Daten gesammelt. E-Book-Reader messen unser Leseverhalten, Mobiltelefone orten, wie wir uns bewegen, Sensoren in Läden, was wir kaufen. Doch nicht die Sammlung großer Datenmengen, sondern ihre Nutzung steht im Mittelpunkt von Big Data.

Jörg Blumtritt, der Leiter des Unternehmens Datarella © privat

Jörg Blumtritt, der Leiter von Datarella. Foto:privat

Big Data – die böse Krake, die sammelt und sammelt, den Menschen gläsern macht und ihm durch das Wissen um seine Daten schaden kann, ist nur eine Perspektive. Doch es gibt auch eine andere: Die kundenfreundliche Analyse von Daten kann helfen, nutzerorientierte Produkte zu gestalten und dadurch Kunden das Leben zu erleichtern – und das in vielen Bereichen. „Daten helfen überall dort, wo es bisher schwierig war, menschliches Verhalten zu verstehen“, erklärt Jörg Blumtritt, CEO des Münchner Big-Data-Unternehmens Datarella, das Kunden beim Aufbau einer Big Data Infrastruktur und der Entwicklung datengetriebener Produkte unterstützt.

„Wir verarbeiten dafür alle möglichen Daten, die das Verhalten von Menschen beschreiben – Protokolldateien von Webservern, Sensor-Messwerte aus Smartphones oder auch Open Data, also Daten, die frei im Netz verfügbar sind“, so Blumtritt.

Die Schwierigkeit, Daten zu analysieren

Universität Passau © Universität Passau

Universität Passau. Foto: Universität Passau

Für viele Unternehmen ist es schwierig, sich in dem riesigen Datenberg, der zur Verfügung steht, zu orientieren und relevante Daten für sich herauszuziehen. Das weiß auch Professor Dr. Michael Granitzer, der an der Universität Passau gemeinsam mit Prof. Dr. Harald Kosch das Projekt Big and Open Data Analytics für den Mittelstand (BODA) im Internetkompetenzzentrum Ostbayern leitet.Den Datenberg gibt es, weil man meist das Verständnis über die Daten und deren Zusammenhänge erst entwickelt, während man die Daten analysiert.“ Gesucht werde oft mithilfe einer unpräzisen Hypothese, nicht mit einer konkreten Fragestellung.

Gerade mittelständischen Unternehmen fällt es schwer, Daten zu analysieren und zu nutzen. „Um große Datenmengen für sein Unternehmen sinnvoll auszuwerten, benötigt man ein hohes technisches Know-how“, erklärt Granitzer. „In kleinen und mittleren Unternehmen fehlen sowohl die finanziellen Mittel als auch die Humanressourcen, um diese Voraussetzungen zu schaffen.“

Gemeinsam mit dem IT-Unternehmen ONE LOGIC aus Passau entwickeln Granitzer und Kosch deshalb automatisierte Methoden, die die Auswertung von Big Data und Open Data webbasiert möglich machen – „vom Aufwand her vergleichbar mit der Entwicklung IT-gestützter Geschäftsprozesse“. So sollen auch mittelständische Unternehmen in Bayern die Möglichkeit bekommen, Daten als Wirtschafts- und Erfolgsfaktor für sich zu nutzen.

Daten helfen, Kunden zu verstehen

Mit Datarella möchte Blumtritt Unternehmen beibringen, Daten gezielt einzusetzen, um mehr über das Verhalten ihrer Kunden zu erfahren und darauf zugeschnittene Produkte zu entwickeln. „Waking the sleeping beauty of Data“, beschreibt er die Aufgabe seines Unternehmens und zeigt auf, wie gerade in der Medizin, der Wissenschaft und innerhalb der sozialen Medien die Analyse und Auswertung von Daten eine große Bereicherung sein kann.

Man könne zum Beispiel den Blutzuckerspiegel durch Wearables nun permanent und nicht nur an bestimmten Zeitpunkten des Tages messen. Dadurch können Erkenntnisse gewonnen werden, wie der Stoffwechsel auf unterschiedliche Lebenssituationen reagiere.

Daten als neue Dimension

Logo Datarella

Logo Datarella. Quelle: Datarella

Doch das ist laut Blumtritt nur eines von zahlreichen Beispielen: „Im Internet of Things wird die Infrastruktur durch Daten vernetzt und kann sich flexibel auf veränderte Situationen einstellen. Durch vernetzte Stromzähler etwa können präzise Vorhersagen des Energiebedarfs den Energieverbrauch senken. Navigationssysteme helfen Staus zu vermeiden, Fahrassistenzsysteme machen die Straßen sicherer.“

Die Produktentwicklung, so Blumtritt, werde in Zukunft immer stärker über Daten geschehen. Denn gerade durch Wearables, Connected Cars oder andere vernetzte Geräte, die ständig um uns sind, werde es immer leichter, das Verhalten der Menschen zu messen: „Die Daten wirken wie zusätzliche Dimensionen, die uns ständig umgeben, so wie die Luft oder wie die Mikroben auf unserer Haut, die wir schließlich auch nicht mit bloßem Auge sehen können.“

Wie genau datengetriebene Inhalte kreativ umgesetzt werden können und warum Daten über Nutzung und Nutzer gerade bei Medienangeboten eine wichtige Rolle spielen, erklärt Jörg Blumtritt auf dem Transmedia Day im Rahmen des i4c Symposiums am 8. März 2016 in der Hochschule für Fernsehen und Film in München.