Die Begabung, ein Bild zu lesen – Benedikt Meisenberger im Portrait

Eigentlich wusste Benedikt Meisenberger nie so richtig, was er mal machen möchte – nur ein Bürojob sollte es nicht sein. Während seines Zivildienstes erkannte er, dass seine Berufung hinter der Kamera liegt und entschied sich für ein Studium an der Bayerischen Akademie für Fernsehen (BAF). Jetzt hat er mit dem Film „40 years BMW 3 series“ den „Cannes Corporate Media & TV Award“ für das beste Corporate-Video gewonnen.

„Das war total unglaublich!“, erzählt Benedikt Meisenberger über die Preisverleihung in Cannes. „Ich war mit der Regisseurin des Films Kathrina von Langen vor Ort und habe mir die Preisverleihung angeschaut. Als der Film gewonnen hat – das werde ich nie vergessen. Es fühlt sich total losgelöst an, weil man so viel Arbeit hineingesteckt hat – körperlich und mental.“ Das Video zum 40-jährigen Jubiläum der BMW 3er-Serie war von der BMW Group in Auftrag gegeben und von der Bavaria Film Interactive produziert worden. Meisenberger war als Kameramann mit von der Partie und filmte BMW-Fans auf der ganzen Welt, die ihre Geschichte zum heißgeliebten Exemplar der 3er-Serie berichten.

This film is in dedication to all BMW 3 Series Fans. 4 decades, 6 generations.

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Vom Zivildienst hinter die Kamera

Dass jemand die Entscheidung für einen Beruf in der Medienbranche fällt, während er seinen Zivildienst ableistet, ist vielleicht nicht unbedingt üblich. Genauso war es aber bei Benedikt Meisenberger. Das lag daran, dass er bei einer Fernsehproduktionsfirma gelandet war, die mit Behinderten zusammenarbeitete. „Ich hab viel mitbekommen vom Drehalltag und habe viel mitgearbeitet“, erinnert sich der freie Kameramann. „Da habe ich gemerkt, dass das unglaublich viel Spaß macht. Und Fotografie habe ich ohnehin immer gemocht.“

Auf den Blick fürs Detail kommt es beim Filmen an. Foto: Benedikt Meisenberger

Auf den Blick fürs Detail kommt es beim Filmen an. Foto: Benedikt Meisenberger

Was er an der Oberfläche bereits mitbekommen hatte, wollte Benedikt Meisenberger nun richtig lernen. Deshalb bewarb er sich an der BAF – und wurde angenommen. „Schon beim Bewerbungsgespräch war seine stark ausgeprägte Teamfähigkeit abzusehen“, erzählt Thomas Repp, der Direktor der BAF. „Er machte einen sehr lebendigen und aufgeweckten Eindruck.“ Dass der Bewerber noch keine Erfahrung hinter der Kamera vorweisen konnte, trübte diesen Eindruck nicht. „Uns ist vor allem wichtig, dass ein Bewerber das notwendige Engagement mitbringt, und die Begabung, ein Bild zu lesen“, so Repp.

Der Blick fürs Detail

Zehn Monate intensives Studium in Theorie und Praxis folgten. Auf diese Mischung mit Schwerpunkt auf der Praxis wird in der Akademie viel Wert gelegt. Mithilfe von Dozenten aus der Branche probieren sich die Studenten am Ernstfall einer Filmproduktion aus: von der Redaktion bis zur Umsetzung. An etwa 20 Produktionen wirken sie während ihrer Ausbildung mit.

An der Bayerischen Akademie für Fernsehen werden zukünftige Fernsehjournlisten ausgebildet. Foto: BAF

An der Bayerischen Akademie für Fernsehen werden zukünftige Fernsehjournlisten ausgebildet. Foto: BAF

„Die BAF war der Grundstein. Hier hat sich immer weiter rauskristallisiert, dass ich Filmen geil finde und machen will“, resümiert Meisenberger. Nach seinem Abschluss 2006 arbeitete er deshalb zunächst in einer Festanstellung bei Maximus Film, drehte für Servus TV und Galileo. Dass er aber eigentlich in die Selbstständigkeit wollte, wusste er immer: „Ich glaube, dass du als Kameramann am besten arbeiten kannst, wenn du selbstständig bist. Allein, mir aussuchen zu können, was ich machen möchte, ist ja schon großartig. Aber auch die flexible Zeiteinteilung und die Möglichkeit, umfangreiche Projekte anzunehmen, sind ein Riesenvorteil.“

Eines dieser Projekte war der BMW-Spot. Für Benedikt Meisenberger ein ganz besonderes Erlebnis. Um die ganze Welt ist er mit dem Team gereist. „Es gibt vier Teile, für die wir vier Leute getroffen haben, die alle eine Geschichte zu erzählen hatten“, sagt er mit leuchtenden Augen. „Einmal Graz und Madrid. Und dann eine Reise von München über Jakarta nach Las Vegas und wieder nach München.“ Der Dreh selbst, erinnert er sich, war eine Herausforderung. Denn auch wenn man wisse, was gedreht wird und wie die Geschichte umgesetzt werden soll – letzten Endes entscheide sich immer vor Ort, mit welchen Bildern man arbeitet. „Das sind Dinge, die ganz spontan entstehen. Zum Beispiel in Madrid, ein Zeitraffer des Sonnenuntergangs. Das Auto stand vor der Stadt und dann funkelte noch einmal kurz die Sonne durch das Fenster. Ein wunderschönes Bild, das man erkennen und einfangen muss.“ Dieser Blick für das Situative wurde im Oktober 2015 mit dem „Cannes Corporate Media & TV Award“ belohnt. Auch Thomas Repp ist stolz auf die Leistung des BAF-Absolventen. „Die Auszeichnung freut uns außerordentlich für Benedikt. Man sieht daran, dass Theorie und Noten nicht alles sind, sondern vor allem die praktische Umsetzung. Und dass das Konzept der BAF, beide Bereiche zu berücksichtigen, sich bewährt.“

Schulwege in der Mongolei und filmische Sahnestücke

Die Drehs im Ausland findet Meisenberger am spannendsten. Foto: Benedikt Meisenberger

Die Drehs im Ausland findet Meisenberger am spannendsten. Foto: Benedikt Meisenberger

Wenn Benedikt Meisenberger über seine Arbeit spricht, merkt man, dass er liebt, was er tut. Gerade Auslanddrehs reizen ihn – „da gibt es so viele spannende Geschichten und fremde Kulturen zu entdecken.“ Doch nicht nur auf diese Abenteuer kommt es ihm an. „Ich arbeite insgesamt gerne mit Menschen zusammen, oder ich mach was mit Autos. Allein die Form von einem Auto ist ein großer Spielplatz, um sich gestalterisch auszutoben.“

Auf ein bestimmtes Genre möchte sich Meisenberger nicht festlegen: Imagefilme, Reportagen, Dokus – das sind seine Bereiche. Er arbeitet viel für BMW und für Galileo, 2015 auch für Arte. Für die Reihe „Schulwege“ des Senders durfte er eine 45-minütige Sendung in der Mongolei drehen. Neben BMW das größte Projekt 2015 – und für den Filmer ein echtes Sahnestück: „Wir haben die Kinder auf ihren schwierigen Schulwegen begleitet und waren echt nah dran. Das eine Kind hat in seiner Jurte gewohnt und wurde bei Minus 30 Grad mit dem Motorrad zur Schule gebracht. Ein anderer Junge ist mit dem Pferd geritten.“ Gerade die Nähe zu den Menschen fasziniert und beeindruckt den Kameramann: „Wie nah man die Menschen da kennenlernt, das ist total einzigartig – im Urlaub kann so etwas gar nicht passieren.“

Was seine Zukunft angeht, ist der frischgebackene Familienvater entspannt. Hochgreifende Ziele gibt es nicht: „Ich tue jetzt genau das, was ich immer machen wollte und hoffe, dass das so weitergeht.“ Nur mit den zahlreichen Auslandsreisen will er ein wenig kürzer getreten, um genug Zeit für seine kleine Familie zu haben.