„Wegweisend für den neuen deutschen Film“ – Molly von Fürstenberg

Mit der Olga Film GmbH hat sie Filme produziert, die das deutsche Kino nachhaltig prägten: etwa Doris Dörries „Männer“ oder Sönke Wortmanns „Der bewegte Mann“. Nun erhält die Münchner Produzentin Molly von Fürstenberg den Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises 2016 für ihr Lebenswerk. Die Entscheidung begründet Ministerpräsident Horst Seehofer: „Molly von Fürstenberg ist es gelungen, künstlerischen Anspruch mit Popularität zu vereinen. Sie war wegweisend für den neuen deutschen Film und wegbereitend für zahlreiche große Schauspielerinnen und Schauspieler.“ Für das MedienNetzwerk Bayern wirft die 1942 geborene Produzentin einen Blick zurück auf ihre bewegte Laufbahn.

 

Frau von Fürstenberg, wie hat Ihre Karriere begonnen?

Molly von Fürstenberg: Meine Karriere habe ich in den Filmen Rainer Werner Fassbinders begonnen. Wir sind zusammen zur Schauspielschule gegangen.

 

Inwiefern war das ausschlaggebend für Ihr weiteres Schaffen?

von Fürstenberg: Der erste Fassbinder-Film, bei dem ich mitwirkte, war „Rio das Mortes“. Bei mehreren seiner Filme habe ich als Skript gearbeitet. Mein damaliger Freund Michael Fengler arbeitete schon länger mit Fassbinder zusammen. Später gründete er zusammen mit anderen Filmemachern den Filmverlag der Autoren, bei dem ich auch tätig wurde. Dort lernte ich Denyse Noever kennen und alsbald auch Elvira Senft – die beiden kannten sich schon aus der Schulzeit. Mit ihnen gründete ich die Olga Film GmbH.

 

Warum die Entscheidung von vor der Kamera hinter die Kamera zu wechseln?

von Fürstenberg: Eine Karriere als Schauspielerin gab es bei mir ohnehin nicht. Ganz selten habe ich kleine Rollen gespielt und manchmal war ich Komparsin. Während meiner Zeit auf der Schauspielschule habe ich begriffen, dass ich nicht dazu geeignet bin. Ein gewisser Exhibitionismus fehlte mir.

 

Welche Ziele verfolgt Olga Film?

von Fürstenberg: Olga Film wollte von vornherein Qualität mit Publikumswirksamkeit verbinden. Obwohl ich als Gesellschafterin und Geschäftsführerin aus der Olga Film ausgestiegen bin, bin ich nach wie vor als freie Produzentin dort tätig und weiß deshalb, dass es immer noch so ist.

 

„Kirschblüten Hanami“, „Der bewegte Mann“, „Napola“ – die Liste der bekannten und populären Filme, die Sie produziert haben, ist lang. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche Filme Sie produzieren?

von Fürstenberg: Alle Filme in der Olga Film waren Gemeinschaftsarbeiten. Wir haben Gott sei Dank immer den gleichen Anspruch und Geschmack gehabt. Wir konnten nur das produzieren, wohinter wir stehen und was wir gern im Kino erzählen wollten.

 

Für viele Schauspieler waren Ihre Produktionen ein Karrieresprung. Gibt es Beispiele?

von Fürstenberg: Es waren in den 41 Jahren der Olga Film sehr viele Schauspieler, mit denen wir zusammen gearbeitet haben. Durch unsere Produktionen wurden so einige erst bekannt – darunter Heiner Lauterbach, Uwe Ochsenknecht, Jürgen Vogel, Til Schweiger, Meret Becker, Karoline Herfurt und Florian David Fitz. Aktuell hoffe ich, dass Rosalie Thomass durch „Grüsse aus Fukushima“ von Doris Dörrie richtig groß wird. Die Zusammenarbeit mit allen Schauspielern war immer ein großes Vergnügen.

 

Wie finden Sie es, dass Sie mit dem Ehrenpreis des bayerischen Filmpreises ausgezeichnet werden?

von Fürstenberg: Ich bin von den Socken.

 

In der Begründung von Ministerpräsident Horst Seehofer heißt es „Sie war wegweisend für den neuen deutschen Film“ – was sagen Sie dazu?

von Fürstenberg: Das ist sehr schmeichelhaft. Als wir die Olga Film gründeten, gab es kaum Frauen in der Produktionslandschaft, insofern haben wir vielleicht andere Frauen ermutigt, sich auch in das Filmgeschäft zu stürzen.

 

Welche Pläne haben Sie nun? Welche Projekte sind zu erwarten?

von Fürstenberg: Seit einigen Jahren ziehe ich mich langsam zurück. Mehr verrate ich nicht.

 

Der Bayerische Filmpreis wird jährlich in den Kategorien Darstellerische Leistung, Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt, Filmmusik und Ausstattung vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie verliehen. Zudem vergibt der Bayerische Ministerpräsident einen Ehrenpreis. Preisträger der letzten Jahre waren unter anderem Hannelore Elsner, Wim Wenders und Armin Mueller-Stahl.

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