Fachkräfte gesucht – vbw-Panel auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN

Die Digitalisierung verändert Medieninhalte, aber auch Berufsbilder. Geeignete Fachkräfte zu finden stellt Arbeitgeber vor große Herausforderungen – auch wenn es so viele Absolventen gibt wie nie. Wie kann man dem entgegenwirken und welche Qualifikationen sind wichtig für die Medienindustrie? Fragen, die auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN diskutiert werden.

Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und eine andauernde Lernbereitschaft: Das sind zentrale Qualifikationen, die die Diskussionsteilnehmer auf dem Panel der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft aus dem Verlags-, Rundfunk -und Gamesbereich von Absolventen erwarten. Denn dies sind zentrale Voraussetzungen dafür, sich auf die ständig wandelnden Anforderungen in der Medienwelt einzustellen. „Aufgaben werden auf eine Person vereint“, sagt Monika Rapp, Leiterin der Personalabteilung im Bayerischen Rundfunk. Deswegen spielen die Soft Skills der Fachkräfte eine große Rolle. „Wir brauchen Leute, die von Anfang an anpassungsfähig sind, die wissen, dass sie ihr Leben lang lernen werden“, sagt Hendrik Lesser, Managing Director von remote control productions.

Fachkräftemangel ist für die ganze Medienbranche ein Thema. Foto: Franziska Baur

Fachkräftemangel ist für die ganze Medienbranche ein Thema. Foto: Franziska Baur

Um die guten Köpfe zu bekommen, müssen aber auch die Unternehmen selbst daran arbeiten, attraktiv zu sein. Viele Arbeitnehmer legten heute großen Wert darauf, sich selbst mit dem Produkt des Arbeitgebers identifizieren zu könnten, so Christoph Diebenbusch, Personaldirektor, Hubert Burda Media. Markus Kaiser, Geschäftsstellenleiter des MedienCampus Bayern pflichtet dem bei. Gerade im Medienbereich sei die Identifizierung mit den Inhalten und Produkten immens wichtig und schon immer gewesen. „Ohne: „Ich leb dafür!“, geht’s nicht“, ist Kaiser überzeugt.

Das bedeutet für einige Arbeitgeber, dass sie an ihrem Image arbeiten müssen. „Wir versuchen den Namen Hubert Burda Media aus der klassischen Verlagswelt herauszuholen“, sagt Diebenbusch. Viele qualifizierte Absolventen, wüssten nicht, welche Möglichkeiten sich in den einzelnen Unternehmen bieten. Wenn das nicht bekannt sei, gingen die qualifizierten Kräfte verloren, ist Diebenbusch überzeugt.

Intransparente Studieninhalte

Da die Fülle der Studiengänge mit einzigartigen und sehr speziellen Schwerpunkten und Titeln in den letzten Jahren deutlich zugenommen habe, sei es für Arbeitgeber oft schwer herauszufinden, ob die Bewerber die relevanten Qualifikationen mitbringen. Dr. Peter Thelen von der vbw sieht die Gründe darin: „Das Angebot ist über die Jahre relativ unkoordiniert gewachsen und zudem sehr kleinteilig“. Inhalte seien teils intransparent. Zudem stellt sich die Frage, ob die, an den Hochschulen vermittelten Inhalten auch zielgerichtet auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorbereiten.

Die Fachkräfte der Zukunft: Studierende beim vbw-Panel der MEDIENTAGE MÜNCHEN. Fot: Franziska Baur

Die Fachkräfte der Zukunft: Studierende beim vbw-Panel der MEDIENTAGE MÜNCHEN. Foto: Franziska Baur

An die Hochschullandschaft gerichtet appelliert Markus Kaiser, sie sollte mehr „in die Branche rein hören, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Fachkräfte die Wirtschaft wirklich braucht“. Sonst würde man am Markt vorbei ausbilden, Absolventen fänden schwerer einen Arbeitsplatz und Arbeitgeber sind mit der Situation des Fachkräftemangels konfrontiert. Zudem gelte es, Fachbereiche an den Hochschulen zusammenzubringen, so Kaiser. Neue Studiengänge in Bayern machen das schon. Denn auch das sei eine zielgerichtete Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt, in dem viele Bereiche immer vernetzter werden und die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Berufsbildern und Disziplinen enger wird. Diebenbusch geht einen Schritt weiter: „Wir müssen mehr Einfluss auf die Ausbildungsinhalte nehmen. Wir müssen vermitteln, dass Journalisten heute nicht mehr nur schreiben, sondern sich auch digital auskennen müssen“. Es müssen nicht alle zu IT-Experten werden, aber auch Journalisten sollten ein Verständnis für das Digitale mitbringen.