Medienpolitisches Gespräch auf dem Filmfest München 2015. Foto: Franziska Baur

Koproduktionen als Schlüssel der Filmfinanzierung

Fesselnde Dialoge, mitreißend gespielte Emotionen und eine Dramaturgie, die den Zuschauer bis zum Schluss in den Bann zieht. Qualitativ hochwertige Filme sollen genau dies leisten. Ob beim Dreh ein Meisterwerk entsteht oder eine mittelmäßige Schmonzette, hängt aber nicht nur vom Herzblut, Können und Engagement der Mitwirkenden ab. Gerade die finanzielle Ausstattung einer Filmproduktion trägt zu einem nicht unerheblichen Maße zum Gelingen bei.

Aufwändige Produktionen sind nur mit einem entsprechenden Budget realisierbar. Die auftraggebenden Sender müssen oftmals konservativ haushalten. Vor diesem Spannungsfeld gilt es Lösungsansätze zu suchen, die die einfache, aber keineswegs triviale Frage beantworten, wie Filme solide finanziert werden können. Im Rahmen des Filmfest München lud die CSU-Landtagsfraktion zum Fachgespräch mit Branchenvertretern in den Gasteig ein. Die auf der Bühne vertretene Fachleute des Bayerischen Rundfunk, Sky, des FilmFernsehFonds Bayern und der Filmproduktion waren sich darüber einig, dass die Finanzierungsmodelle und -strukturen zukünftig anders aussehen müssen.

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Markus Blume, Bettina Reitz, Wolfram Winter (v.l.n.r.). Foto: Franziska Baur

Denn die aktuelle Situation für Filmproduzenten und Mit- wirkende sei problematisch. „Zwar haben wir erfolgreiche Produktionen, was zeigt, dass die Branche zukunftsfähig ist. Aber die Produzenten haben am Erfolg nicht teil”, klagt Film- produzent Max Wiedemann. Produzenten müssten oftmals die Vorgaben der Aufraggeber hinnehmen, auch wenn die Konditionen unrealistisch kalkuliert seien. Verhandlungen seien kaum möglich. Das stellt Filmproduzenten vor die Entscheidung: Entweder sie akzeptieren oder die Zusammenarbeit komme nicht zustande. Wenn die Vorgaben dann noch eine Starbesetzung der Schauspieler vorsehen, macht das die finanzielle Situation noch angespannter. Produktionskosten können unter Umständen sprunghaft ansteigen. Nicht selten bringen Filme gerade einmal so viel Geld ein, dass Produzenten keine Verluste schreiben. Gewinne einzufahren sei oft undenkbar, meint Wiedemann. „Wenn man als Filmemacher den Anspruch erhebt, Gewinn mit seinen Produktionen machen zu wollen, wird das fast schon als dreist gewertet”. Kurz gesagt: Es fehlt das Geld. Zwar haben nicht zuletzt auch auf dem deutschen Filmfest Low-Budget-Produktionen bewiesen, wie mit wenig Mitteln beeindruckende Filme entstehen können. Allerdings kann daraus kein Standard abgeleitet werden, wenn es der Anspruch ist, ein breites Publikum mit unterschiedlichen Ansprüchen zu erreichen.

„Die Leute, die hochwertige Produktionen auf die Beine stellen können, haben wir. Die sind da”, sagt Prof. Wolfram Winter, Executive Vice President Communications and Public Affairs von Sky Deutschland.

Filmproduzent Max Weidemann geht davon aus, dass zukünftig „sicherlich weniger Projekte hergestellt werden, die dafür aber richtig“. Bettina Reitz, Fernsehdirektorin des Bayerischen Rundfunk, pflichtet ihm im Fachgespräch bei. Für aufwändigere Produktionen können Mittel etwa durch Ko-Produktionen aufgebracht werden. „Durch die Zusammenarbeit kommen Summen zusammen, die sonst nicht möglich wären”, sagt Winter. Aktuell läuft ein solches Modell bei der Produktion der Crime-Serie “Babylon Berlin” von Starregisseur Tom Tykwer. Die ARD und der Bezahlsender Sky arbeiten bei diesem Projekt zusammen. Medienberichten zufolge soll das Budget bei 25 Millionen Euro liegen. Die an die Zusammenarbeit gekoppelte Vereinbarung  lautet: Die Serie wird erst im Pay-TV und anschließend im Free-TV bei der ARD gezeigt. Bei Kino-Koproduktionen habe es bereits individuelle Modelle dieser Art mit Sky gegeben, so Bettina Reitz vom Bayerischen Rundfunk. „Im besten Fall wird das ein Standard “, sagt Winter über die Zusammenarbeit. In anderen Ländern, wie etwas Großbritannien, werden derartige Modell der Zusammenarbeit bereits umgesetzt.

Neben der finanziellen Bündelung der Kapazitäten kann dieses Modell einen weiteren Vorteil bringen, wenn es darum geht, hochwertige Filme zu produzieren. Mit gebündelter Kraft können sich deutsche Produktionen gegenüber der internationalen Konkurrenz aufstellen. Und das ist auch nötig: Durch den kontinuierlichen Ausbau des On-demand-Bereichs müssen Filmproduktionen zunehmend mit dem Internationalen konkurrieren und mithalten können. Der Zuschauer hat über das Internet freie Auswahl an hochwertig produzierten Angeboten. „Jeder der stehen bleibt, wird überholt werden – egal ob von inländischen oder ausländischen Produktionen”, sagt Winter.

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Prof. Dr. Klaus Schaefer (FFF) und Produzent Max Wiedmann. Foto: MedienNetzwerk Bayern/Franziska Baur

Aber auch die Politik könne Anreize und Unterstützung schaffen. „Deutschland hat keine steuerlichen Anreize, wie etwa Großbritannien”, sagt Schäfer vom FilmFernsehFonds Bayern. Steueranreize oder -vergünstigungen könnten die Filmproduktionen jedoch unterstützen. Gleichzeitig kann es dazu beitragen, die derzeitige Situation zu entspannen, in der der viel von den Finanzmitteln der Aufraggeber abhängt. Darüber hinaus, so Schäfer weiter, könne es ein wichtiger Hebel sein, um Deutschland als Medienstandort attraktiver zu machen.