Von Dulackn und Lothar Matthäus – hinter den Kulissen einer fränkischen Kochsendung

Einen Blick hinter die Kulissen gewährt der fränkische TV-Koch Rainer Mörtel. Mit seiner Kochsendung „Das schnelle Gericht“ präsentiert er wöchentlich im Franken Fernsehen auf seine ganz eigene Art in nur knapp 15 Minuten verschiedenste kulinarische Kreationen zum Nachkochen.

Fernsehkoch Rainer Mörtel bei der Arbeit Foto: Matthias Schäffner

Fernsehkoch Rainer Mörtel in Aktion  Foto: Matthias Schäffner

Angefangen hat alles mit einem Ochsenschwanz. Genauer gesagt mit einem geschmorten Ochsenschwanz. Auf der Speisekarte der ersten Sendung stand nämlich genau dieses Gericht, nicht gerade für seine schnelle Zubereitung bekannt. Dazu kann Rainer Mörtel rückblickend nur noch den Kopf schütteln: „Der braucht zweieinhalb Stunden im Ofen. Ich glaube, da haben wir uns überhaupt nichts dabei gedacht und sind alle komplett blauäugig an die Sache rangegangen.“ Das gesamte TV-Team musste sehr geduldig sein, da für die Aufzeichnung der Sendung letztlich nur wenige Minuten benötigt wurden. Dennoch gab es von Anfang an eine positive Resonanz der Zuschauer.

Das Lothar-Matthäus Syndrom

Seitdem hat sich die Sendung und vor allem die Auswahl der Gerichte entscheidend geändert. Aus anfänglichen fünf Minuten ist die Sendezeit auf 15 Minuten angewachsen. Auch wurden jegliche Schmorgerichte aus dem Speiseplan verbannt. Das besondere Konzept des „Schnellen Gerichts“ liege laut TV-Koch zum einen darin, dass in seiner Sendung – im Gegensatz zu manch anderen Kochsendungen – noch richtig gekocht würde. Andererseits habe er manchmal fast den Eindruck, seine Kochsendung sei eine Art Comedy-Show. „Die Zuschauer wissen oft nicht mehr, was ich gekocht habe sondern nur noch, welche Fehler ich gemacht habe, wenn zum Beispiel etwas angebrannt ist.“ Auch besondere fränkische Ausdrücke gehören zum lustigen und unterhaltsamen Teil der Show. Rainer Mörtels persönliches Highlight ist dabei das Babberdegglbecherla (kleiner Pappbecher). „Als ich das gesagt habe, hat es mich in der Sendung vor Lachen fast zerrissen.“

Als waschechter Franke möchte er natürlich kein Blatt vor den Mund nehmen, gerade was seinen Dialekt betrifft. Ohne das Fränkische ginge es gar nicht. Er könne den Dialekt eben nicht abstellen und außerdem lebe die Sendung davon. Auf keinen Fall wolle er sich anhören wie Lothar Matthäus in TV-Interviews. Rainer Mörtel nennt das Lothar-Matthäus-Syndrom: „Wenn der im Fernsehen gesprochen hat, habe ich immer gedacht, nein, so will ich mich nicht anhören. Entweder fränkisch oder nicht fränkisch.“ Als Franke könne man seinen Dialekt nicht verheimlichen und „deswegen bin ich so wie ich bin und das scheint dem Publikum zu gefallen“.

Nepalesisches Hühnchen mit kulinarischem Bezug

Dem Publikum schmeckt es vor allem auch. Für die heutige Aufzeichnung bereitet Rainer Mörtel als Vorspeise Rote Beete mit Ziegenkäse zu. Von Anfang an verbreitet der Fernsehkoch gute Stimmung im gesamten Team. So darf sich der Kameramann über eine kurze Tanzeinlage des Kochs freuen, während in der blitzeblank geputzten Showküche die Vorbereitungen für den Dreh laufen. Als es an die Zubereitung des Gerichts geht, wird die langjährige Erfahrung des Küchenchefs und Fernsehkochs deutlich. Souverän führt er sein Messer durch die Rote-Beete-Knollen während er gleichzeitig den Zuschauern sein Vorgehen anschaulich erläutert. Als er Saft aus einer Zitrone für die Ziegenkäsemasse presst, erklärt er den Zuschauern, dass es nicht schlimm sei, wenn diese kleine „Dulackn“ hätten. Sofort notiert sich auch die Regisseurin den fränkischen Ausdruck, um beim Zusammenschnitt der Sendung eine Übersetzungshilfe des Begriffs einblenden zu können, der im Übrigen Dellen bedeutet. Schließlich landen die Rote-Beete-Scheiben, bestrichen mit einer Masse aus Ziegenkäse, im vorgeheizten Backofen und werden anschließend mit spitzen Fingern vom Chefkoch kunstvoll auf einem Teller angerichtet. Für die zweite Aufzeichnung des Tages hat Rainer Mörtel den Vorstand eines Vereins für Nepalhilfe eingeladen. Für den Koch ist es wichtig, sich auch karitativen Themen in seiner Sendung anzunehmen. Natürlich darf der kulinarische Bezug nicht fehlen: Es gibt Nepalesisches Huhn. Gemeinsam mit seinem Gast bereitet Rainer Mörtel das Fleisch zu, während er ihn zu den einzelnen Hilfsprojekten befragt.

Rainer Mörtel präsentiert stolz das Ergebnis Foto: Matthias Schäffner

Rainer Mörtel präsentiert stolz das leckere Ergebnis Foto: Matthias Schäffner

Wer Rainer Mörtel bei der Aufnahme des Schnellen Gerichts beobachtet, kann sich nur schwer vorstellen, dass er sich seine eigenen Sendungen anfänglich gar nicht ansehen wollte. Er habe immer wieder auf Pause gedrückt und sich fremdgeschämt. Mittlerweile schaut er sich seine Sendungen aber gerne an und denkt: „So schlecht war ich ja gar nicht“. Vermutlich liegt dies daran, dass er inzwischen die wichtigsten Eigenschaften eines TV-Kochs besitzt: Er ist Kochprofi und Showprofi in einem. Seine Vorbereitung auf die einzelnen Drehs fällt eher knapp aus. Da ist es von großem Vorteil, dass ein Großteil der Gerichte aus der Speisekarte seines eigenen Restaurants stammt. „Wenn wir am Montag eine Aufnahme haben, setze ich mich am Sonntagabend hin und mache mir einen Kopf.“ Gedanken über das, was er sagen möchte, mache er sich vorher nicht. „Wenn ich das täte, würde ich zum Stottern und Überlegen anfangen. Lieber wiederholen wir das Ganze noch einmal.“

 

Von Matthias Schäffner