Pack ma’s – Startups in Bayern: Gemeinsam erfolgreich gründen

Pack ma´s: Bayern ist das Bundesland für Gründer. Von Würzburg bis München treffen Losleger auf optimale Rahmenbedingungen zum Aufbau eines eigenen Startup-Unternehmens.

Den Traum von der eigenen Firma in die Tat umsetzen: Das ist heute einfacher als je zuvor. Internet und Digitalisierung haben den Gründungsprozess demokratisiert. Informationen, Kontakte und Geldgeber scheinen nur einen Mausklick entfernt. Der Zeitgeist spiegelt die Vereinfachung der Unternehmens-Erschaffung wieder. In der Medienberichterstattung, speziell in der Wirtschaftspresse häuft sich das Vorkommen an neudeutschen Schlagworten wie Startup und Entrepreneur. Doch das Bild, das dadurch vermittelt wird, das ist ein schiefes.

Das Märchen vom Startupboom

Tatsächlich ist die Zahl der Unternehmungsgeburten in Deutschland rückläufig. In anderen Staaten, beispielsweise in den USA, Niederlanden und Singapur lassen sich im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mehr Menschen auf das Wagnis Gründung ein als hierzulande. In der Gründerbranche ist das ein offenes Geheimnis. Der im November 2013 veröffentlichte Expertenbericht “Startups in Bayern” der Bayerischen Staatskanzlei belegt auf 53 Seiten die hierzulande vergleichsweise gering ausgeprägte Schöpfungslust. Ein Zahlenbeispiel: Während die Wirtschaftsleistung der USA lediglich das 4,7-Fache der deutschen beträgt, fließt in den Staaten fast 40-mal mehr Risikokapital in Startups als bei uns. Außer in Berlin, gehen Neugründungen bundesweit seit 1997 zurück.

In Bayern wirken dem vielfältige Initiativen entgegen. Mit welchem Erfolg, das schildert ein Bericht des Wall Street Journal vom 3. Juli 2014: “Es wird immer so getan, als ob sich die New Economy nur in Berlin abspielt – das ist natürlich Quatsch”, sagt Unternehmensberater Sascha Pfeiffer vom Beratungsunternehmen Altium. “Es gibt tausende Softwareunternehmen in Deutschland, sehr viele davon in Süddeutschland”. München nimmt laut dem Bericht beim Existenzgründersaldo eine Spitzenposition ein – in Bayern überleben einfach mehr Unternehmen als anderswo.

Erste Schritte eines Gründers

Zwanglos in Kontakt kommen: Beim Gründerfrühstück Bits & Pretzels treffen sich regelmäßig viele hundert Gründungswillige, Unternehmer und Investoren. Foto: Wilfried Feder

Zwanglos in Kontakt kommen: Beim Gründerfrühstück Bits & Pretzels treffen sich regelmäßig viele hundert Gründungswillige, Unternehmer und Investoren.
Foto: Wilfried Feder

Überall in Bayern entstehen Strukturen und Initiativen, die mutige Losleger zur Umsetzung ihrer Geschäftsidee motivieren und bei der Durchführung des Firmenaufbaus anleiten.

Beim Gründerfrühstück Bits & Pretzels beispielsweise können Gründungsinteressierte erste Kontakte knüpfen – und im Gespräch mit der IHK anhand einer Erstberatung die eigene unternehmerische Kompetenz abklopfen: Wie sieht ein Businessplan aus, mit welchen Argumenten kann ich Geschäftspartner überzeugen, welche rechtlichen Konsequenzen muss ich kennen? Die IHK kann außerdem Coaches benennen, die einem mit praxisorientierten Tipps und Ratschlägen zur Seite stehen.

Ein denkbarer nächster Schritt wäre die Kontaktaufnahme mit einem der vielen Startupkatalysatoren in Bayern. In Würzburg zum Beispiel entsteht auf Betreiben des Innovations- und Gründerzentrums IGZ und unter Zutun nordbayerischer Unternehmen die Initiative gründen@Würzburg. “Wir wollen einen Trichter schaffen. Gründer werfen oben ihre Geschäftsidee rein. Die Idee wird von einem Gremium sortiert und verteilt und landet schließlich beim richtigen Ansprechpartner und Förderer. Der unterstützt den Gründer bei seinem Vorhaben, egal ob es um Businesspläne, Firmenstrukturen oder Finanzierung geht”, umschreibt Dr. Gunther Schunk vom Vogel-Business-Media-Verlag die Idee hinter gründen@Würzburg.

Inkubatoren, Acceleratoren, Selbstverwirklichung

Die verlagseigene Initiative “Vogel Campus” unterstützt das Vorhaben durch Mentoring und Coaching. Sie übernimmt den Part eines sogenannten Accelerators. Vogel Campus stellt Räumlichkeiten, Coaches und Kontakte zu Fachredaktionen im Nachbargebäude zur Verfügung. So sollen die jungen Unternehmens-Pflanzen wachsen und nachhaltig gedeihen. Ähnliche Einrichtungen existieren bayernweit.

Dr. Gunther Schunk zum Vogel Campus und dem Gründerstandort Würzburg

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Das Münchner Pendant “ProSiebenSat.1 Accelerator” beispielsweise stellt Gründern, die sich dem Bewerbungsverfahren stellen und erfolgreich daraus hervorgehen, 25.000 Euro als Startkapital zur Verfügung. Plus Büroräume, Coaching und Verknüpfung mit den hauseigenen Fernsehsendern. Als Gegenleistung erwartet ProSiebenSat.1 branchenübliches: Zwar kein Mitspracherecht bei strategischen und operativen Entscheidungen, aber fünf Prozent Unternehmensanteil. Ins Profil des Gastgebers passen muss ein Startup freilich schon, wenn es die Annehmlichkeiten eines Inkubators oder Accelerators nutzen mag.

Wenn den Firmengründer der Wunsch nach völliger Selbstverwirklichung umtreibt, passen eventuell andere Modelle besser. Vielleicht die Einmietung in ein unabhängiges Gründerzentrum, zum Beispiel das WERK1 München “Der Gründer muss nur Schreibtisch und Rechner mitbringen. Wir stellen Raum und inspirierende Umgebung. So kann er seine Geschäftsidee umsetzen”, schildert WERK1-Initiator Franz Glatz. Das Umfeld im WERK1: zielstrebige Menschen, junge Startups, mitreißende Wirkung. “Viele Gründer sind anfangs verunsichert, weil sie im Internet auf so viele Kontakte und Anlaufstellen stoßen. Sie fragen sich, was ist das Richtige für mich? Im Gespräch mit anderen Gründern und durch Teilnahme an einer der vielen Netzwerk- und Community-Veranstaltungen im Haus tun sich Chancen und Möglichkeiten auf.”

Investoren suchen und finden

Geldquelle gesucht? Abklappern von Dutzenden Investoren ist nicht notwendig. Die Initiative BayStartUP vernetzt Gründer, Business Angels und Risikokapitalgeber entsprechend den gegenseitigen Interessen. Foto: Richard Löwenstein

Geldquelle gesucht? Abklappern von Dutzenden Investoren ist nicht notwendig. Die Initiative BayStartUP vernetzt Gründer, Business Angels und Risikokapitalgeber entsprechend den gegenseitigen Interessen.
Foto: Richard Löwenstein

Und was wenn das Startup wächst und den Punkt erreicht, an dem die drei “F” (Family, Friends, Fools) als Geldquelle nicht mehr ausreichen? Dr. Carsten Rudolph vom bayerischen Finanzierungsnetzwerk BayStartUP hat einen Tipp: “Ein wichtiger Punkt ist der persönliche Kontakt und das Networking: Damit Gründer und Startups nützliche Kontakte knüpfen und Geldquellen auftun können, oder einfach um den Austausch zu fördern, veranstaltet BayStartUP mehrmals im Jahr größere Networking-Events. Gründer treffen Unternehmer die schon weiter sind, außerdem Juroren, Investoren und Unterstützer der bayerischen Startupszene. Nehmen wir zum Beispiel die Prämierung unserer Businessplan-Wettbewerbe, die haben sich als echter Treffpunkt in der Gründerszene etabliert”.

Nicht zu vergessen die Startup-Demo-Nights, die BayStartUP mehrmals im Jahr in Kooperation mit dem WERK1 München organisiert. Auch da kommt man leicht mit anderen Gründern in Kontakt und kann sich über Themen austauschen, die im Gespräch mit Coaches oder einem Investor eventuell zu kurz kommen: Die menschlichen Facetten des Gründerdaseins beispielsweise, also wie man Geschäftspartner motiviert, sich Führungsqualitäten aneignet und ein insgesamt motivierendes Arbeitsumfeld schafft. Weil sich wahrer Erfolg nämlich nicht in Euro zählen lässt, sondern in Glücksmomenten.

Mehr zum Thema in der Übersicht “Kontakte und Anlaufstellen” mit neun konkreten Tipps, wo Gründer sich hinwenden können.

Beitrag des BR aus der Sendung Geld und Leben: Endlich selbständig -Wenn aus guten Ideen ertragreiche Geschäfte werden