Ideenreichtum aus der Region – Bayern wird zur preisgekrönten Entwicklerlandschaft

In kaum einem anderen Bundesland ist die Entwicklerlandschaft so vielseitig geprägt wie in Bayern. Start-ups, genauso wie erfahrene Entwicklerstudios aus den verschiedensten Bereichen, haben sich bewusst für ihren Standort im Freistaat entschieden. Erfolge und Auszeichnungen sprechen dabei für sich und Bayern ist nach wie vor einer der beliebtesten Standorte für Entwickler.

Die deutsche Spielebranche kürte am 18.Dezember 2014 beim Deutschen Entwicklerpreis die besten Games und Studios 2014. Mehrere bayerische Entwicklerschmieden, wie Mimimi Productions und HandyGames waren nominiert und konnten auch die begehrten Preise in verschiedenen Kategorien mit nach Hause nehmen. Bereits im vorangegangenen Summit wurde erneut den Vortragenden und Zuhörern aus der Branche, bewusst, wie gut die deutsche und speziell die bayerische Entwicklerszene aufgestellt ist. Christopher Kassulke, CEO von HandyGames, trifft es dabei mit dem Titel seines Vortrags auf den Punkt: „HandyGames – Wir verstecken uns nicht mehr! Positionierung eines Spieleentwicklers in der Gesellschaft“. Dabei lässt sich die Thematik von Mobile Gaming auch auf alle anderen Entwicklerplattformen übertragen. Verstecken muss sich niemand mehr. Innovation, Ideenreichtum, sowie Nähe zum Kunden und zur Region, zeichnen die bayerischen Entwickler aus. Dadurch wächst ihr Selbstbewusstsein weiter: Sei es durch die Zufriedenheit mit dem eigenen Produkt, das positive Feedback von Kunden, oder durch Preisverleihungen wie dem Deutschen Entwicklerpreis. Ein gewisser Stolz auf seine Region schwebt bei Kassulke immer mit. „Es ist uns wichtig, in unserer Region präsent zu sein und sie auch in anderen Bereichen zu stärken, fernab von Gaming. Wir möchten etwas an die Menschen zurückgeben“, sagt Christopher Kassulke während seines Vortrags.

Liebe zur Region zahlt sich aus

HandyGames ist der beste Beweis dafür, dass ein erfolgreiches Unternehmen mit mehr als 60 Mitarbeitern und über 150 veröffentlichten Spielen für mobile Plattformen, auch außerhalb einer Großstadt funktionieren kann. Im beschaulichen Giebelstadt, nahe Würzburg entwickelte sich HandyGames nicht nur zu einer Institution der deutschen Entwicklerlandschaft, sondern verwurzelte sich mit verschiedenen Aktionen immer fester in der Region.

Christopher Kassulke, Gründer und CEO von HandyGames, zeigt auf, was sein Unternehmen so erfolgreich am Markt positioniert hat. Foto: Sarah Schindler

Christopher Kassulke, Gründer und CEO von HandyGames, zeigt auf, was sein Unternehmen so erfolgreich am Markt positioniert hat. Foto: Sarah Schindler

Christopher Kassulke, CEO und Gründer von HandyGames, hat es sich seit den Anfängen der Firma im Jahr 2000, zur Aufgabe gemacht, regional und überregional bekannt und geschätzt zu werden. „Der Kontakt zu Vereinen, Verbänden und Institutionen außerhalb der Gamesbranche war uns immer wichtig. Wenn man etwas erreichen will, muss man über den Tellerrand schauen.“ Sei es als offizieller Sponsor des Handballteams DJK Rimpar Wölfe, der Zusammenarbeit mit Lokalpolitikern oder karitative Events, wie dem von HandyGames ins Leben gerufene Charity Day – das Entwicklerstudio ist stark verwurzelt mit den Menschen der Region. Dass sich Kreativitiät, Fleiß und eine gute Vernetzung auszahlt, beweisen zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch der gestern verliehene Innovationspreis für Aces of the Luftwaffe. Besonders feiern werden Christopher Kassulke und sein Team den Preis aber nicht: „Preise und Auszeichnungen sind toll und machen uns natürlich auch stolz. Wichtiger ist uns aber die Zufriedenheit unserer Nutzer und unsere eigene.“

Entwicklerstandort Bayern

Beim erstmals stattfindenden Summit des Deutschen Entwicklerpreises sprechen führende Mitglieder der Computerspielbranche über Themen, die die Entwicklerriege bewegt. Christian Kluckner, Geschäftsführer von Chimera Entertainment analysiert in seinem Vortrag „Wir bleiben hier! Über die Zukunft des Spielestandorts Deutschland – Ein interaktiver Beitrag zum Thema ‚Standort Deutschland‘“ nicht nur die gesamtdeutsche Situation, sondern hebt vor allem hervor, dass Berlin und Hamburg zwar internationaleres Flair verbreiten, 2012 aber Bayern mehr als 50 Prozent des Umsatzes beigesteuert hat.

Christian Kluckner, Geschäftsführer von Chimera Entertainment, analysiert die deutsche Entwicklerlandschaft und beleuchtet die mögliche Zukunft. Foto: Sarah Schindler

Christian Kluckner, Geschäftsführer von Chimera Entertainment, analysiert die deutsche Entwicklerlandschaft und beleuchtet die mögliche Zukunft. Foto: Sarah Schindler

Was sich Christian Kluckner trotzdem für die Zukunft wünscht, ist eine bessere Vernetzung der Entwickler untereinander: „Man ist ein bisschen auf sich allein gestellt. Natürlich kann man sich mit dem WERK 1, dem Hub in München, zusammentun. Aber ich denke, dass vor allem Start-ups ein wenig der Austausch und Förderungsmöglichkeiten fehlen. Eine Vernetzung auch über die Grenzen Bayerns hinaus wäre sehr wünschenswert.“ Johannes Roth von Mimimi Productions sieht es ähnlich: „Insgesamt ist die Entwicklerlandschaft momentan ziemlich gut aufgestellt, trotzdem sind wir natürlich alle immer am Jammern und hätten gern mehr Förderbeträge und eine optimierte Vernetzung. Aber wir sind auf einem guten Weg.“

Positiver Blick in die Zukunft

Zu den Abräumern des Deutschen Entwicklerpreises gehört definitiv auch Mimimi-Productions mit ihrem Titel The Last Tinker: City of Colours. In den Kategorien Beste Story, Bestes Adventure und Bestes Jugendspiel erhielt das Team rund um die beiden Gründer Dominik Abé und Johannes Roth die begehrten Auszeichnungen. Johannes Roth bleibt dabei aber weiterhin bescheiden: „Wir hatten zwar schon immer das Gefühl, dass das Spiel viel Potential hat, fünf Nominierungen und drei Auszeichnungen hätten wir uns aber ehrlich nicht erträumen lassen. Wir müssen nun natürlich weiterhin schauen, was wir noch für Erfolge auf dem Markt erzielen können, sind aber sehr zuversichtlich!“

Auf die Frage, ob sie denn nun die Preise gebührend feiern werden, lächelt Johannes Roth verschmitzt und erklärt: „Ich freue mich, dass heute alle vom Team hier sind – somit ist das auch ein bisschen Weihnachtsfeier für uns. Der Preis ändert allerdings nichts am Alltag. Feiern werden wir aber natürlich trotzdem!“

Das Team von Mimimi-Productions ist sichtlich stolz auf die drei Auszeichnungen in den Kategorien Beste Story, Bestes Adventure und Bestes Jugendspiel. Foto: Sarah Schindler

Das Team von Mimimi-Productions ist sichtlich stolz auf die drei Auszeichnungen in den Kategorien Beste Story, Bestes Adventure und Bestes Jugendspiel. Foto: Sarah Schindler

Der Blick in die Zukunft stimmt durchaus positiv: Zum Beispiel ist Mimimi Productions gerade dabei, einen Verein zu gründen, der die Entwickler stärkt, emanzipiert und auch dabei auch als Sprachrohr gegenüber Politikern agieren wird. Und neben der Entwicklung von neuen Spielehighlights, liegt auch die Unterstützung von Start-ups allen erfahreneren Entwicklerstudios am Herzen.

Egal ob von Chimera Entertainment, HandyGames, Mimimi Productions und Co., wir können uns auf viele spannende Projekte aus Bayern freuen!

 

Sarah Schindler