Medientage-Panel: Microwellen und die Zukunft des Journalismus

“Bei Microwellen sind wir wiedervereinigt, bei Wäschetrocknern nicht.” Jochen Wegner, Chefredakteur von “Zeit online”, stellt sich den Journalismus in Zeiten des Netzes so vor, dass Daten Geschichten erzählen. “Auf einer Landkarte haben wir zum Beispiel gezeigt, dass der Vorname Ronny praktisch nur in den neuen Bundesländern vorkommt”, sagte er auf einer Diskussionsrunde der MEDIENTAGE MÜNCHEN.

Carolin Neumann wagte keine Prognose zur Zukunft des Journalismus (rechts Moderator Jo Schück). Foto: Markus Kaiser

Carolin Neumann wagte keine Prognose zur Zukunft des Journalismus (rechts Moderator Jo Schück). Foto: Markus Kaiser

Wie die Zukunft des Journalismus konkret aussehen wird, darüber wagten die meisten Diskutanten aber keine Aussage. “Alles wird anders”, meint Carolin Neumann, Leiterin von “Vocer” und des Innovation Medialab. “Wir können aber gar keine Prognosen machen.” Deshalb appellierte Neumann an Journalisten zu experimentieren: “Wir müssen einfach neue Dinge ausprobieren.”

Jochen Wegner sucht hier insbesondere neue Erzählformen für Smartphones. In einer App will er Geschichten anhand von Kartenstapeln erzählen, auf denen dann auch “kleine Filmchen” zu sehen sein können: “Das ist natürlich irgendwie verrückt, aber auch spannend.”

Robert Amlung, Leiter der Digitalen Strategie beim ZDF, sieht vor allem im Echtzeitjournalismus eine große Herausforderung: “Im Journalismus in Zeiten des Netzes muss man sich auch in Echtzeit die Zeit nehmen, mit den Zuschauern und Lesern zu kommunizieren.” Man müsse beginnen, seine Geschichte öffentlich zu erzählen, auch wenn sie noch nicht fertig recherchiert sei.

Print und Online bleiben bei der “Zeit” getrennt

“Zeit-online”-Chefredakteur Wegner sieht allerdings große Unterschiede zwischen Print und Online, weshalb für die Hamburger Wochenzeitung eine Zusammenlegung der beiden Redaktionen auch nicht in Frage komme: “Zeit print denkt in anderen Rhythmen als wir. Aber wir sprechen über Inszenierung.” Wenn Themen sowohl in der Zeitung als auch auf dem Internetauftritt gespielt werden, funktionierten diese Geschichten beim Leser besonders gut.

Nicht nur Video, Grafiken, Text und Fotos werden online gut wahrgenommen – auch Audio erlebt laut Christian Bollert, Geschäftsführer von BEBE Medien, einen Aufschwung: “Im Radio kann man längere Inhalte besser erzählen, weil man dazu immer eine authentischere Stimme hört.” In der Podcast-Szene sei Länge sogar ein Qualitätsmerkmal: “Es werden immer wieder Podcasts abgefeiert, die eine Länge von über vier Stunden haben. Die Leute hören sich das wirklich an, wenn es sie interessiert.”

Was sich letztlich durchsetzt, wollte “Vocer”-Leiterin Carolin Neumann aber nicht kommentieren: “Lassen Sie mich bitte nicht in die Kristallkugel blicken, denn die habe ich gerade nicht dabei.”

 

Das gesamte Panel “Der Journalismus in Zeiten des Netzes”:

Panel: Journalismus in Zeiten des Netzes

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