Gamescom weißblau

Wer die vielen glänzenden Augen und unzähligen neuen Videospiele sieht, die vom 13. bis 17. August auf der gamescom in Köln vorgestellt werden, könnte fast denken, Weihnachten wurde vorverlegt. Das ist der gamescom-Effekt. Bayerns Spieleindustrie trägt dazu bei.

 

Der spielaffine Teil der Bevölkerung markiert sich zwei Pflichttermine im Kalender. Den Mai, weil sich da die komplette PC- und Videospiele-Industrie in Los Angeles versammelt: Dort debütiert im Rahmen der Fachmesse Electronic Entertainment Expo, kurz E3, der Stoff von morgen. Die Industrie kündigt jene Games an, die ab Herbst auf den Markt kommen. Der zweite Termin ist die gamescom im August, Europas größte Spielemesse.

Der Messe-Mittwoch ist (theoretisch) für Fachpublikum reserviert. Von Donnerstag bis Sonntag strömen dann rund 300.000 Besucher auf das Messegelände. Foto: Richard Löwenstein

Der Messe-Mittwoch ist (theoretisch) für Fachpublikum reserviert. Von Donnerstag bis Sonntag strömen dann rund 300.000 Besucher auf das Messegelände. Foto: gamescom.

 

Gamesmesse für jedermann

Auf der E3 gibt die Industrie allerdings nur Pressemeldungen, Videotrailer und vorprogrammierte Gameplay-Häppchen an das Fachpublikum heraus. In den Sommermonaten aber geschieht Magisches. Denn auf der gamescom dürfen die Gamer endlich selbst die Spiele testen. Letztes Jahr pilgerten über 300.000 Gäste aus Deutschland, Europa und Übersee nach Köln. Und auch in diesem Jahr schieben sich die Menschenfluten zwischen mächtigen Messeständen und bunten Lichtinstallationen vorbei. Bunt leuchtende Bildschirmelenken die Blicke des Publikums wie die Erdpole die Nadel eines Kompasses.

 

Bayern spielt mit

Mittendrin der Computerspiel-Publisher Koch Media aus Planegg bei München. Vor seinem Stand stehen die Messebesucher Schlange. Einige wollen einen ersten Blick auf das aufwändig produzierte Rollenspiel „Lords of the Fallen“ erhaschen und sich in der virtuellen Welt des Fantasy-Games „Risen 3“ zum mutigen Abenteurer ausbilden lassen. Andere wollen sehen, was die aktuelle Konsolen- und PC-Technologie draufhat und spielen Highend-Shooter wie „Metro Redux“.

 

Die gamescom verführt mit bunten Pixeln, aber sie zeigt auch andere Facetten des Gaming. Denn abseits der großen Namen wie Sony, Blizzard, Microsoft, Nintendo und Ubisoft sind auch vielfältige, kleinere Angebote zu finden. So ist etwa eine ganze Markthalle bestückt mit Computerzubehör und Shirts. Daneben tauschen sich Cosplayer in einem eigenen Areal über aufwändige Manga-Verkleidungen aus, und im Retro-Areal gehen Besucher ihrer Leidenschaft für alte Heimcomputer nach. Und Indie-Entwickler demonstrieren die Ergebnisse ihrer oft jahrelangen Arbeit. Auch hier sind bayerische Einflüsse zu finden. Der Münchner Developer Mimimi zeigt die PlayStation-4-Fassung seines Actionabenteuers „The Last Tinker“. Der Developer Klonk Games, ebenso aus der Bayerischen Landeshauptstadt, präsentiert sein Taktik-Jump´n´Run Spiel „Mercury Shift 3D“. „Die gamescom ist eine spitzen Kontaktbörse. Wir haben hier supergute Leute kennengelernt“, sagt Robin Kocaurek von Klonk Games.

 

Viele kleinere Indiestudios bilden Kolonien. Die Münchner Teams Mimimi und Klonk zeigen im Rahmen der Indie Arena den PS4-Plattformer „The Last Tinker“ und das Koop-Jump´n´Run „Mercury Shift 3D“ starring Bismo und Plom. Foto: Richard Löwenstein

Kleinere Indiestudios bilden Kolonien. Die Münchner Teams Mimimi und Klonk zeigen „The Last Tinker“ und das Koop-Jump´n´Run „Mercury Shift 3D“. Foto: Richard Löwenstein

Messe der Netzwerker

Viel Entscheidendes tut sich hinter den Kulissen, in der Business Area für Fachbesucher oder noch etwas weiter abseits. Denn: Nahezu zeitgleich zur gamescom finden – in direkter Nachbarschaft – die beiden Entwickler-Zusammenkünfte Respawn und die Game Developers Conference statt. Sie locken mehrere tausend aufstrebende und etablierte Developer nach Köln. Weil hier zusammen kommt, was zusammen gehört: Entwickler und Publisher. Die einen suchen jemanden, der Games finanziert und unters Volk bringt. Die anderen suchen kreative Köpfe, deren Produkte sie vermarkten können. Und genau deswegen ist auch Wolfgang Emmer vom Münchner Developer Aesir Interactive nach Köln gekommen: „Wir streben die Zusammenarbeit mit einem Hersteller an, der unser Strategiespiel Submerge finanziert. Die Messe ist für diese Art der Vernetzung genau richtig, weil sich die gesamte Branche für ein paar Tage hier versammelt. Jeder ist interessiert an ergebnisorientierten Meetings“. Die gamescom ist wie ein Schaufenster. „Sie ist für uns der wichtigste Termin des Jahres und absolutes Pflichtprogramm, damit wir Partner aus Industrie, Handel und Presse treffen und über neue Produkte informieren“, sagt Marco Nier vom Münchener Vertriebsunternehmen f+f distribution.

 

Bayern zeigt Flagge: Am Gemeinschaftsstand bündeln zwölf bayerische Games-Unternehmen unter dem Motto Games / Bavaria ihre Kräfte. Foto: Richard Löwenstein

Bayern zeigt Flagge: Am Gemeinschaftsstand bündeln zwölf bayerische Games-Unternehmen unter dem Motto  Games / Bavaria ihre Kräfte. Foto: Richard Löwenstein

 

Bayerische Gemeinschaft

Und es gibt auch einen bayerischen Gemeinschaftsstand auf der gamescom, der mit über 200 Quadratmetern Fläche als Branchen-Treffpunkt dient. Er geht auf eine Initiative des Mediennetzwerks Bayern, des MedienCampus Bayern, des FilmFernsehFonds Bayern und des WERK1 München zurück. Das bayerische Wirtschaftsministerium leistet finanzielle Unterstützung. Unter dem Motto Games / Bavaria bündeln zwölf Unternehmen hier ihre Kräfte. Thomas Kreuter vom bayerischen Games-Anbieter UIG erklärt, warum sich sein Unternehmen ausgerechnet hier platziert: „Wir hatten jahrelang einen eigenen Messestand auf der gamescom. Diesmal haben wir uns für den Gemeinschaftsstand Games / Bavaria entschieden. Ich finde es genial. Hier sind interessante Mitaussteller und die richtigen Leute für unser Business. Die Kosten-Nutzenrechnung ist sensationell.“ Denn mit dem Gemeinschaftsstand haben auch kleinere Games-Unternehmen aus Bayern die Möglichkeit, sich auf der Messe zu präsentieren.