Oscarnominierte Visual Effects von Scanline – Interview mit Thomas Zauner

In dem US-Blockbuster „300: Rise of an Empire“ ist er für den Untergang der gesamten Persischen Flotte verantwortlich. In Ironman3 sprengt er die Villa der Hauptfigur Tony Stark und in Clint Eastwoods „Hereafter“ lässt er den Tsunami so realistisch über ein thailändisches Dorf hereinbrechen, dass das Time Magazine die Szene zur „the most exciting, expertly assembled flood scene in movie history“ ernannte . Thomas Zauner hat definitiv Lust an „Crash, Boom, Bang!“ – kein Wunder, wollte er als junger Mensch doch Pyrotechniker werden.

Seit 1989 betreibt er die international erfolgreiche Visual Effects Firma Scanline VFX mit Sitz in München, Vancouver und Los Angeles. Im Anschluss an das Animation Meeting 2014 spricht er über die Faszination VFX, die Entwicklung der Branche in Bayern und Deutschland – und warum er einen Umzug nach Hollywood kategorisch ausschließt.

Thomas Zauner auf dem Animation Meeting 2014 in München. Foto: Holger Kast

Thomas Zauner auf dem Animation Meeting 2014 in München. Foto: Holger Kast

Herr Zauner, wenn man Oscars hört, kommen vielen die Kategorien  „bester Schauspieler“, „bester Film“, oder „beste Regie“ in den Sinn, weniger die Kategorie “Best Achievements in Visual Effects“, für die Scanline bereits zweimal nominiert war, zuletzt in diesem Jahr für die Mitwirkung bei „Ironman3“. Ärgert Sie das?

Thomas Zauner: Dass wir für den Oscar nominiert waren ärgert uns natürlich nicht. Was uns höchstens ärgert ist, dass es diese Kategorie in Deutschland überhaupt nicht gibt. Weder beim Deutschen Filmpreis noch beim Bayerischen Filmpreis.

 

Weshalb ?

Zauner: Es gibt unterschiedliche Gründe. Beim Deutschen Filmpreis gibt es nur Kategorien, die auch in der Deutschen Filmakademie als Kategorie vertreten sind. Da gibt es seit ein paar Jahren auch die Visual Effects; diese Abteilung ist aber noch sehr klein und hat es deswegen noch nicht geschafft, sich ganz durchzusetzen. Aber das wird sicher irgendwann kommen.

 

Liegt es vielleicht auch daran, dass in Deutschland der Markt an Firmen, die visual effects produzieren kleiner ist als in den USA? Oder ist es eher die Philosophie des Deutschen Films, die weniger auf Visual Effects setzt als die amerikanischen Kollegen?

Zauner: Die Bedeutung der Visual Effects in der Deutschen Filmlandschaft ist zum Teil noch gar nicht bei uns angekommen. Viele Filmschaffende nutzen diese Technik zwar, aber dass die VFX (Visual Effects) wirklich als ein eigenständiger, kreativer Bereich angesehen werden müssten, wird häufig übergangen und zum Teil noch unter „Postproduktion“ subsumiert. Doch damit hat sie eigentlich überhaupt nichts mehr zu tun. Auch im Deutschen Film kommen mittlerweile ganze Szenen aus dem Computer.  Wir versuchen inzwischen, statt „Postproduktion“ den Begriff des „virtuellen Drehs“ einzuführen, sodass die Bedeutung der Visual Effects gleichwertig wird.

 

Scanline wurde 1989 gegründet. Was hat sich alles im Vergleich zu damals verändert?

Zauner: Noch bevor wir Scanline gegründet haben, habe ich für ein anderes Videostudio gearbeitet, im 3D -Animationsbereich. Da gab es Visual Effects als Begriff noch gar nicht. Wir haben damals Senderlogos geschaffen, wie zum Beispiel für das ZDF oder die ARD „1“, die sich drehen und bewegen konnte. Es war damals einfach schick, dreidimensionale Logos durch das Weltall fliegen zu lassen. Das war Anfang der 80er Jahre. Damals haben auch die Amerikaner in erster Linie animierte Werbeslogans oder Sportschau Jingles produziert.
Erst Ende der 80er ging es los, dass in Amerika solche Effekte auch für Kinoproduktionen genutzt wurden. Und das war dann auch die Zeit, in der wir uns von dem Videostudio abgespalten und eine eigene Firma gegründet haben. Damals war die Hardware noch extrem teuer, alles riesige Schränke, mit Klimaanlagen und so weiter, die heutzutage von jedem Handy in Grund und Boden gerechnet werden können. Heute ist die Hardware günstiger, die Rechner sind tausendmal schneller als damals.

 

Christine Lehner im Gespräch mit Thomas Zauner im Kinosaal nach dem Animation Meeting. (Foto: Holger Kast)

Christine Lehner im Gespräch mit Thomas Zauner im Kinosaal nach dem Animation Meeting. Foto: Holger Kast

Sie haben die wahrlich bombastische Seeschlacht in Zack Snyder’s Film „300: Rise of an Empire“ animiert. Wie lange dauert es, bis eine solche Szene mit allen Visual Effects fertiggestellt ist?

Zauner: Das kann Monate dauern. Natürlich sind da mehrere Teams am Werk, die parallel an diesen Szenen arbeiten. Wenn man sich bei so einem Film den Abspann anschaut, dann ist die Liste der Leute die die Effekte gemacht haben deutlich länger als die Liste der restlichen Crew. Scanline war in diesem Film für die komplette Schiff- und Wasseranimation verantwortlich, die einen sehr großen Anteil in diesem Film hatte. Bei Ironman3 haben wir dagegen „nur“ die Szene kreiert, in der die Villa von Tony Stark gesprengt, von Hubschraubern abgeschossen wird und dann zum Schluss ins Meer fällt.

 

Dass Sie von Hollywood meist für die Umsetzung visueller Wasser- und Feuereffekten beauftragt werden, liegt an „Flowline“, einer von Ihnen entwickelten, einzigartigen Software für die Visualisierung dieser Elemente, für die sie 2008 den „Scientific and Technical Achievement Academy Award“ erhielten. Wie muss ich mir so einen Auftrag vorstellen – ruft Producer Zack Snyder oder Clint Eastwood bei Ihnen in München an und sagt: „Hey Thomas, wir brauchen Flowline für unseren Film, schieb‘ mal rüber“?

Zauner: Nein, das alles läuft über die sogenannten „Visual Effect Supervisor“ und „Visual Effect Producer“, die bei so einer Filmproduktionen mit im Boot sind und sich die VFX Firmen aussuchen. Oft sind VFX-Firmen auf etwas spezialisiert; Die VFX Firma Rhythm and Hues etwa war auf die Animation von Tieren spezialisiert, bevor sie leider Pleite gemacht haben. Die haben zum Beispiel den Tiger in „the Life of Pi“ zum Leben erweckt. Solche Firmen werden dann angesprochen und kriegen dann Teile von einem Film.

 

Haben Sie deswegen an die Standorte Los Angeles und Vancouver expandiert, um Nähe zu den USA schaffen?

Zauner: Das ist einer der Gründe. Es gibt zwar schon eine relativ gut vernetzte Animation-Szene in Bayern, aber die tut sich natürlich sehr schwer, weil es eine internationale Branche ist. Die Filme werden international produziert und wir haben Probleme, mit Ländern wie Kanada oder England mitzuhalten. In diesen Ländern gibt es sehr gute Filmförderungssysteme, die spezifisch auf die Visual Effects abzielen. Gerade in Kanada bekommt man teilweise bis zu 40-50 % der Visual Effects Produktionskosten vom Staat zurück.

 

Wieso geben Sie Ihren Standort in Bayern dann nicht ganz auf und ziehen nach Hollywood?

Zauner: Zum einen, weil es mir hier in München wirklich sehr gut gefällt. Das Leben in Kalifornien finde ich doch relativ oberflächlich, da halte ich es nach ein, zwei Wochen Aufenthalt meistens schon gar nicht mehr aus. Zum anderen passiert animationstechnisch in L.A. nicht mehr viel. Da stehen hauptsächlich noch die ganzen Rendering-Maschinen rum, weil der Strom dort einfach billiger ist als anderswo und die Klimaanlagen dort kostenlos sind. Das Hauptgeschäft in Sachen Animation spielt sich jedoch in Kanada ab.

 

Was genau fasziniert Sie eigentlich persönlich an Visual Effects?

Thomas Zauner und Christine Lehner im Kinosaal des Royal am Goetheplatz in München.

Thomas Zauner und Christine Lehner im Kinosaal des Royal am Goetheplatz in München. Foto: Holger Kast

Zauner: Ich glaube mir macht es Spaß, aus dem Nichts ein Bild zu schaffen. Sich zu überlegen, wie könnte das jetzt ausschauen. Ich komme ja aus der Tüftler-Ecke. In der Anfangsphase habe ich ja die Software von Scanline selber geschrieben, mit der ich dann später an den visual effects gearbeitet hab. Sowas gab es damals ja nicht selbst zu kaufen, die musste man schon selber herstellen.

 

Haben Sie auch in die Richtung studiert?

Zauner: Ich habe eigentlich Chemie studiert. Ich bin Diplom-Chemiker.

 

Deswegen Ihr Interesse an Explosionen jeder Art.

Zauner: (lacht) Doch das stimmt. Ich wollte sogar während meines Studiums Pyrotechniker werden. Das ist auch etwas was mich fasziniert, Feuerwerk und solche Geschichten. Ich hab mir auch zu Sylvester eigene Raketen und eigene große Feuertöpfe gebaut.

 

Da haben aber Ihre Eltern Glück gehabt, dass das Haus noch steht.

Zauner: Schon, ja. Die haben wirklich ein großes Vertrauen gehabt; was im Nachhinein eigentlich eher nicht gerechtfertigt war.

 

Was würden Sie jungen VFX-lern empfehlen?

Zauner: Wichtig ist, dass es einem wirklich Spaß macht und man sich selbst darin engagiert, mit ganzem Herzen dabei ist. Der Job ist sehr anstrengend und wenn man selbst nicht wirklich dazu steht verliert man ganz schnell die Lust daran. Es ist eben kein Job, den man einfach so macht um Geld zu verdienen.

 

Was ist ihr Lieblingsfilm wenn Sie an Visual Effects denken?

Zauner: Damals in der Pionierzeit gab es Filme, die alle in der Branche staunen ließen. Jurassic Park zum Beispiel war ein Meilenstein, obwohl da noch viel mit Menschen in Gummianzügen gearbeitet wurde, da kam noch nicht alles aus dem Computer. Oder auch Terminator 2 mit dem aus Quecksilber bestehenden Typen. Heutzutage schüttelt man sowas aus dem Ärmel, aber damals war es das komplett neuartig. Von den Visual Effects her eine tolle Sache.

 

Werden wir in Zukunft überhaupt noch Schauspieler brauchen?

Zauner: Es stimmt, man könnte inzwischen Schauspieler komplett realistisch nur mit visual effects auf die Leinwand bringen. Das wäre kein Problem und wird auch gemacht. So typische Stunt-Geschichten zum Beispiel, in denen es früher Doubles brauchte, können heute komplett mit visuell effects gestaltet werden. Trotzdem ist der Schauspieler ein Mensch, der seine Affären hat und über den roten Teppich laufen kann; diese Rolle wird er erstmal behalten.