Book meets Film 2014: „Hier erprobt Lesestoff den Filmmarkt.“

Am 2. Juli 2014 fand zum achten Mal die Veranstaltung „Book meets Film“ im Rahmen des Filmfests München statt. Moritz Holfelder vom Bayerischen Rundfunk führte in der Filmfest-Lounge am Gasteig in München durch das Programm. 14 Verlage präsentierten in diesem Jahr wieder ihre Geschichten vor einem Publikum aus Produzenten, Drehbuchautoren, Regisseuren und Interessierten der Branchen.

In zwei Minuten müssen Story und Plot der Bücher möglichst schmackhaft erzählt werden. Ob filmreif oder nicht entscheidet sich meist in Einzelgesprächen im Anschluss. Nach dem Pitching positionieren sich die Verlage an kleinen runden Tischen, an denen sie die Filmbranche zum Austausch einladen, über die Bücher diskutieren und im besten Fall Optionsverträge abschließen. Veranstalter sind der Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern und der Cluster Druck- und Printmedien. Gefördert wird Book meets film vom MedienNetzwerk Bayern.

Teilnehmer und Veranstalter von Book meets Film 2014

Teilnehmer und Veranstalter von Book meets Film 2014. Foto: Aline-Florence Buttkereit

Lesestoff trifft Filmproduktion – Drei Interviews

Marcus Hamann (Caligari Film- und Fernsehproduktions GmbH), Nina Trachte (Rat Pack Filmproduktion GmbH) und Katharina Schöde (mem-film GmbH) beantworten fünf Fragen zur Verfilmung von Büchern.

 

Marcus Hamann Head of Development bei Caligari Film- und Fernsehproduktions GmbH.

Marcus Hamann Head of Development bei Caligari Film- und Fernsehproduktions GmbH. Foto: Aline-Florence Buttkereit

Marcus Hamann – Head of Development Caligari Film- und Fernsehproduktions GmbH.
1. Was muss ein Buch haben, damit es verfilmbar ist?

Marcus Hamann: Kommt darauf an, was ich suche. In jedem Fall muss es ein Thema mit Relevanz sein. Ein Buch über die Liebe zum Beispiel ist ein Buch über Beziehungen, aber nicht über ein Thema. Relevanzen tauchen in gesellschaftlichen Diskursen auf, im politischen Bereich oder bei Themen, die eine Verankerung im hier und jetzt besitzen.

2. Kann man in den wenigen Minuten überhaupt entscheiden, ob ein Buch als Film taugt oder nicht?

Hamann: Die Tauglichkeit besteht aus zwei Seiten, einer inhaltlichen und einer Marktseite. Hinzukommen einige Kriterien, die erfüllt werden müssen: die Zielgruppe und die Relevanz des Themas. Existiert dafür ein Markt? Dann spielen natürlich wichtige Faktoren mit hinein, wie die Programmplätze und Bedürfnisse der Sender und die Frage: Kriege ich das platziert? Manchmal finde ich einen Stoff schön, liebe das Thema selbst oder begeistere mich für eine Idee, und dann holt mich die nüchterne Erkenntnis ein, dass dieser Stoff aber nicht laufen wird, weil momentan nicht die Zeit dafür ist. Umso wichtiger ist diese Veranstaltung. Hier erprobt Lesestoff den Filmmarkt! Diese Kommunikation mit dem Markt ist für Autoren unglaublich wichtig und muss stattfinden. Die stecken ihren Schweiß, ihre Arbeit und Kreativität in die Geschichten, hier erfahren sie dann, wie sich ihre Stoffe eignen und ob ihre Richtung stimmt.

3. Wenn Sie die kurzen Beschreibungen der Geschichten hier hören, erwachen da bereits Ideen zur Umsetzung in Ihrem Kopf?

Hamann: Das läuft häufig ganz assoziativ ab. Tatsächlich fällt mir oft ein Regisseur für bestimmte Stoffe ein oder ich habe sofort einen Schauspieler vor Augen, den ich mir für eine Figur oder einen Charakter vorstelle.

4. Gibt es Themen, die besser gehen als andere?

Hamann: Ja, weil es Trends und Aktualitäten gibt. Da ist der zeitliche Faktor oft zu berücksichtigen. Manchmal muss etwas erzählt werden, weil andere die Relevanz dafür schaffen. Zum Beispiel, weil sich gerade viele Menschen mit einem Thema auseinandersetzen.

5. Wie kommen Sie sonst auf Filmideen?

Hamann: Ideen können einen aus ganz verschiedenen Bereichen überraschen. Bücher, Zeitungen, gerne lassen wir uns auch von Spielen inspirieren. Brettspiele, aber auch Computer- und Konsolenspiele halten schöne Geschichten bereit. Wichtig ist es, immer mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sie möglichst weit offen zu halten.

 

Nina Trachte Head of Development – Rat Pack Filmproduktion GmbH

Nina Trachte Head of Development bei Rat Pack Filmproduktion GmbH.

Nina Trachte Head of Development bei Rat Pack Filmproduktion GmbH. Foto: Aline-Florence Buttkereit

1. Was muss ein Buch haben, damit es verfilmbar ist?

Nina Trachte: Der Plot einer Handlung muss in drei Sätzen zu erzählen sein. Entweder fesselt es mich dann oder nicht. Es muss aus der Masse herausstechen.

2. Kann man in den wenigen Minuten überhaupt entscheiden, ob ein Buch als Film taugt oder nicht?

Trachte: Ja, zumindest erhalte ich einen ersten Eindruck, ob mich das Thema interessiert und wie es inhaltlich aufbereitet ist. Entscheide ich anschließend, ein Buch zu lesen und mich mit dem Stoff intensiver zu befassen, verstärkt sich manche vorausgegangene Einschätzung oder ändert sich ein Stück weit. Aber der erste Eindruck zählt tatsächlich sehr viel. Auch vor dem Hintergrund, was kann ich verkaufen und was nicht.

3. Wenn Sie die kurzen Beschreibungen der Geschichten hier hören, erwachen da bereits Ideen zur Umsetzung in Ihrem Kopf?

Trachte: Ich habe schnell ein erstes Gefühl für die Atmosphäre des Films und Bilder im Kopf, wie der Film ausschauen könnte. Sowohl wie er sich inhaltlich abspielen könnte, als auch was das Setting betrifft. Ein anderes Phänomen bei mir sind vergleichbare Filme, die mir einfallen, weil sie ein ähnliches Thema behandeln.

4. Gibt es Themen, die besser gehen als andere?

Trachte: Oft interessiert man sich, je nach Ausrichtung, für bestimmte Genres. Bei mir sind das zum Beispiel Komödien, Krimis gehen immer gut im Fernsehen und auch historische Themen sind tendenziell gut zu vermarkten.

5. Wie kommen Sie sonst auf Filmideen?

Trachte: Ich lese viele Bücher. Oder Autoren kommen auf uns zu und bieten uns Geschichten an. Bei uns kann jeder ein Skript einschicken, das wir dann auch lesen. Aber auch das aktuelle Zeitgeschehen kann Inspiration sein. Häufig kommen wir auch auf Ideen über Sender, Regisseure oder Autoren, mit denen wir bereits zusammenarbeiten.

 

Katharina Schöde Produzentin bei mem-film GmbH. Foto: Aline-Florence Buttkereit

Katharina Schöde Produzentin bei mem-film GmbH. Foto: Aline-Florence Buttkereit

Katharina Schöde Produzentin bei mem-film GmbH

1. Was muss ein Buch haben, damit es verfilmbar ist?

Katharina Schöde: Man muss es lesen und sich dabei einen Film wünschen. Es muss eine starke Hauptfigur haben und einen guten Plot. Die Atmosphäre muss spannend sein. Wenn die Hauptfigur gewaltig genug ist, kann das Drehbuch bei einem schwächeren Plot etwas nachhelfen und diesen verstärken.

2. Kann man in den wenigen Minuten überhaupt entscheiden, ob ein Buch als Film taugt oder nicht?

Schöde: Richtig entscheiden kann ich das nicht, aber inspirieren lasse ich mich hier sehr gerne. Was mich interessiert, lese ich dann auch und werde dabei oft überrascht, was die Dynamik mancher Geschichten betrifft. Einige Geschichten finde ich schön und sie berühren mich, aufgrund der Erfahrung weiß ich aber, was umsetzbar ist und was nicht. Jeder, der schon mal den Weg der Filmverwirklichung gegangen ist, hat auch immer die Realisierungswege im Kopf. Dazu gehört vor allem, das Thema Budget nicht zu vergessen.

3. Wenn Sie die kurzen Beschreibungen der Geschichten hier hören, erwachen da bereits Ideen zur Umsetzung in Ihrem Kopf?

Schöde: Ich glaube das hat jeder aus unserem Branche. Ich habe auf jeden Fall sofort Bilder im Kopf. Das ist ja auch das Tollste hier, diese kleine Reise in verschiedene Welten.

4. Gibt es Themen, die besser gehen als andere?

Schöde: Im ersten Moment ist man geneigt, das zu denken. Aber es kommt doch immer wieder auf die Umsetzung an. Der zweite und dritte Blick ist wichtig. Oft sind ja die absurden Geschichten, die besonderen.

5. Wie kommen Sie sonst auf Filmideen?

Schöde: Ich lese viele Bücher. Ich bin ein Fan von Romanverfilmungen und habe ja auch gerade erst eine gemacht (Rubinrot Fantasy-Roman von Kerstin Gier, im August folgt Saphirblau, Smaragdgrün ist in Vorbereitung). Außerdem natürlich auch Zeitungen, aber auch Adaptionen von Theaterstücken finde ich spannend. Inspirationen sind überall, man muss nur hinsehen.