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Interview

Netzwerken digital – Part 1

Gutes Networking braucht den physischen und den digitalen Austausch. Doch was, wenn das Treffen bei Veranstaltungen oder auch der spontane gemeinsame Kaffee wegfällt? Worauf es ankommt, wenn Netzwerken komplett digital wird und wie sich die Netzwerkpflege ändert, haben uns Vernetzungs-Profis aus der bayerischen Medien-, Tech- und Digitalbranche verraten. Den Anfang machen Christiane Wolff, Geschäftsführerin und Gründerin von Crafty, und Jürgen Enninger, Leiter des Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt München.

Welche Relevanz hat das Thema Netzwerken, wenn man auf soziale Distanz gehen muss?

Christiane Wolff

Christiane Wolff

Christiane Wolff: Ich finde Netzwerken in unserer „normalen“ Welt schon elementar, jetzt wird es geradezu lebenswichtig. Ob für die Nachbarschaftshilfe, um sich jetzt gegenseitig im Job zu unterstützen oder um Aktionen wie #wesaygracias in die Wege zu leiten. Ohne Netzwerk ist man gerade jetzt doch sehr auf sich gestellt und ich merke noch viel stärker, wie mein wunderbares Netzwerk mich trägt.

Jürgen Enninger: Das Thema Netzwerken ist für unsere Branche zentral, das bedeutet aber auch jetzt – und gerade jetzt – sollte man nicht aufhören in Netzwerken zu denken. Jetzt hat man zum Beispiel die Zeit, mal wieder einzelne Netzwerkkontakte anzurufen, nach dem Rechten zu sehen, Hilfe anzubieten, Kooperationsmöglichkeiten auszuleuchten oder Informationen auszutauschen. Damit bietet die gegenwärtige Phase die Chance, individuelle Kontakte zu vertiefen und zu konkretisieren.

Wie wird die aktuelle Situation das Thema Netzwerken künftig beeinflussen?

Christiane: Ich finde es entstehen trotz oder gerade wegen dieser unfassbaren Corona-Krise aktuell so viele inspirierende Ideen, um sich gegenseitig und besonders den vielen Menschen in Not zu unterstützen – das finde ich ganz wunderbar. Und kann nur hoffen, dass dieses Gefühl auch in der Zeit danach weiter existiert. Und das Netzwerken in erster Linie als ein Geben verstanden wird. 

Jürgen Enninger

Jürgen Enninger

Jürgen: Meiner Einschätzung nach wird gerade von allen Seiten an digitalen Alternativen gearbeitet, das heißt, wir werden in Zukunft viel schnellere und viel vielfältigere Möglichkeiten für Netzwerkarbeit zur Verfügung haben. Darüber hinaus wird sich auch die Qualität des Miteinanders verändern. Ich hoffe, dass insbesondere in unserer Branche der Kultur- und Kreativwirtschaft ein Solidaritätsschub entsteht.

 

Was ist momentan dein wichtigstes Tool zum Netzwerken?

Christiane: Da hat sich eigentlich nicht viel geändert. Außer dass ich wieder öfter telefoniere. Und mich jetzt schon riesig auf persönliche Treffen freue!

Jürgen: Die verschiedenen sozialen Netzwerke, WhatsApp-Gruppen, Skype, Zoom, mein Smartphone und überraschenderweise immer mehr mein Festnetztelefon.

Netzwerken von Zuhause aus: Was sollte man beachten?

Christiane: Da gelten dieselben Regeln wie überall: Erst geben, dann nehmen, gut zuhören, sein eigenes Netzwerkziel dabei auch formulieren und sich für einen Kontakt, einen Tipp immer bedanken. Und sich vornehmen, sich bald wieder real zu treffen!

Jürgen: Im ersten Schritt scheint es mir wichtig, sich so zu verhalten als wäre ein ganz normaler Arbeitstag: zeitgleich aufstehen und sich anziehen als wäre man im Büro, denn schließlich steht ja der eine oder andere Skype-Call mit Webcam an. Im nächsten Schritt würde ich die Kontakte und Netzwerke priorisieren, die ich schon immer mal ansprechen wollte. Ein Kriterium könnte etwa sein: Wem könnte meine Arbeit am ehesten weiterhelfen? Und dann mit viel Einfühlungsvermögen und vorbereiteten Fragen ran ans Werk: fragen, wie es geht, welche Hauptherausforderungen bevorstehen und wie man sie gemeinsam bewältigen kann. Dazu sollte man Notizen machen und für spätere Calls oder Termine parat halten. So nutzt man seine Netzwerkzeit effektiv und bereitet sich perfekt auf die Zeit nach Corona vor.

Die Tipps der Vernetzungs-Profis gibt es im Zwei-Tages-Rhythmus. Übermorgen bei „Netzwerken digital“: Magdalena Rogl, Head of Digital Channels bei Microsoft Germany, und Marco Eisenack, Journalist, Medienmacher, Moderator und Innovator.