Eyes & Ears 2019 (Foto: © EEOFE / Jan Knoff)
Eyes & Ears 2019

Die Eyes & Ears Conference 2019 in München

2019 fand die Eyes & Ears Conference bereits zum zweiten Mal in München statt. Am 18. November gaben europäische Sender und Kreativ-Agenturen Einblicke in ihre Projekte und sprachen im Haus der Bayerischen Wirtschaft über Trends und Herausforderungen im Bereich Design, Promotion und Marketing der audiovisuellen Medien. Im Anschluss an die Konferenz wurden bei den 21. Eyes & Ears Awards im Filmtheater am Sendlinger Tor die besten Markenkommunikationsmaßnahmen ausgezeichnet. Unter den Preisträgern sind zahlreiche in München ansässige Sender und Agenturen.

„Die Zeit war nie so spannend wie heute!“ begrüßte Zeljko Karajica, Präsident von Eyes & Ears of Europe und der CEO 7 Sports GmbH, die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Durch neue Technologien und Trends entstünden viele kreative Möglichkeiten. Gleichzeitig sei aber auch viel neues Wissen nötig. Als Beispiel nannte er den Boom im Bereich eSports und Games: Die unzähligen neuen Spiele müssen kreiert, designed und promoted werden. Dr. Christof Prechtl, Geschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V., sieht eSport sogar als Bildungsthema. Schweden ist für Prechtl ein Vorreiter – hier ist eSport bereits ein Wahlfach an Schulen.

Susanne Mitterer. Foto: © EEOFE / Jan Knoff

Dass München in Sachen Kreativität bereits ganz weit vorne stehe, betonte Susanne Mitterer, stellvertretende Leiterin des Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt München. Im Cultural and Creative Cities Monitor belegte München Platz zwei. Durch die Vielzahl an Selbstständigen und kleinen Agenturen, die neben den Big Playern auf dem Markt sind, sei eine Förderung der Branche dennoch nötig. Sie appellierte: „Machen Sie sich sichtbar und vernetzen Sie sich!“.

Senderidentität durch passendes Design

Am Vormittag stellten internationale Referentinnen und Referenten aktuelle Design-Projekte wie die Rebrands der Electronic Sports League oder 3Sat vor. Letztere standen vor der Herausforderung, vier Sender und drei Länder in einem Markendesign zu verbinden und trotz der vielen Fremdinhalte eine Identität zu entwickeln. Eine eigens gestaltete Schriftart und Marken wie „Thementag“ oder „Festival“ halfen dabei. Für das gelungene Rebrand wurde das Team bei den Eyes & Ears Awards am Abend ausgezeichnet.

Auch in den anderen Cases wurde klar: Sender müssen im immer größer werdenden Wettbewerb verstärkt auf Identifikation setzen. Im Fall von Nelonen Media aus Finnland bedeutete das den Weg von einem „House of Brands“ hin zu einem „Branded House“. Marco Paul de Jeu, Strategy Director bei CapeRock, sieht in einem passenden Design die Chance für Broadcaster, ihre Zuschauer auf dem Kanal willkommen zu heißen und sie einzuladen, die Inhalte zu konsumieren – eine Plattform-Brand wie Netflix könne das nicht leisten.

eSport als große Chance für Medienunternehmen

Auch am Nachmittag war eSport ein Thema. Stefan Zant, Managing Directorbei  ProSiebenSat.1 Sports, verglich die Reise des eSports mit der NFL-Übertragung: „eSport ist da, wo die NFL vor 5 Jahren war.“ eSport entwickele sich aber dynamischer. Die Chance für Medienunternehmen sieht Zant in deren Expertise bei Formatentwicklungen und der Erfahrung bei Aufmerksamkeitsgewinnung. Die reinen, teils stundenlangen Live-Streams passen nicht zur kurzen Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauer.  ProSiebenSat.1 setzt deshalb bei eSport auch auf Interviews, Highlights, Vor-Ort-Berichterstattung und Live-Events.

Eyes & Ears 2019 (Foto: © EEOFE / Jan Knoff)

Eyes & Ears 2019 (Foto: © EEOFE / Jan Knoff)

Kundengewinnung und -bindung im Streaming

Beatrice Eichbauer und André Wlodarczak stellten am Nachmittag den ersten RTL-Podcast vor. Dieser sollte die Marke „Das Sommerhaus der Stars“ digital aufladen und entstand zur selben Zeit wie die Audio Alliance im Haus – so konnte man sich gegenseitig unterstützen. Exklusiver Content, die Nutzung der TV-Reichweite sowie extra Werbedruck auf den Podcast innerhalb der Formatkampagne zahlte auf die Marke „Sommerhaus“ ein und erzielte sehr gute Ergebnisse für den Podcast: Platz vier in den Apple Charts und 70 Prozent durchschnittliche Hördauer. Auf TVNow konnte das Format darüber hinaus eine Steigerung der Abrufe um 280 Prozent erzielen.

Wie sich TVNow vor circa einem Jahr kundenzentriert neu ausrichtete, berichtete Sarah Liffers, Head of Channel Management bei TVNow. Die als Mediathek gestartete Plattform hat inzwischen einen Streamingdienst, der sich vor allem durch eine positive Kundenerfahrung gegen Mitbewerber abgrenzen will. „Kunden sind sehr leistungsorientiert auf dem hart umkämpften Markt“, betonte Liffers. Deshalb wurde ein interdisziplinäres Kundenstrategieprojekt aufgesetzt. Aus der Ausgangsfrage „Was verbindet unsere Kunden untereinander und mit TVNow?“ entstand schließlich das Subgenre „#guiltypleasure“ mit entsprechender Kampagne. Das heißt, die – oft heimliche – Passion der Zuschauer für die RTL-Formate wurde zur Identität des Streamingdienstes gemacht. Die Kundenbindung wurde durch Personalisierung und der Content mit originären Inhalten und Originals gestärkt.

Eine Bühne für junge Talente

Im Programmteil „Eyes & Ears New Talents“ konnten junge Talente ihre audiovisuellen Projekte präsentieren. Das Publikum wählte Nil Günes von der Zürcher Hochschule der Künste mit ihrem Instagram-Projekt „Du bisch nöd allein“ zur Gewinnerin. Sie porträtierte junge Erwachsene mit psychischen Erkrankungen.

Eyes & Ears 2019 (Foto: © EEOFE / Jan Knoff)

Eyes & Ears 2019 (Foto: © EEOFE / Jan Knoff)

Im Anschluss an die Konferenz fanden die 21. Internationalen Eyes & Ears Awards im Filmtheater am Sendlinger Tor statt, wo die herausragendsten Leistungen aus den Bereichen Design, Digital, Promotion, Specials & Cross-Media und Crafts gekürt wurden. Zahlreiche erste Preise gingen dabei auch an in München ansässige Sender und Agenturen, wie RTLZWEI, NBC Universal und A&E Networks.

Alle Gewinner finden Sie hier.