Green Filming

Grünes Drehen – CO2-arme Filme in Bayern

Bayern ist Filmland. Dafür sorgt unter anderem die Film Commission. Personell aufgestockt setzt sie nun auch auf Themen wie grünes Drehen und faires Produzieren einen Fokus.

Wenn an 3.626 von 365 Tagen im Jahr gedreht wird, will das etwas heißen. Nicht, dass die Macher der Statistik an Rechenschwäche leiden. Sondern, dass Bayern zu den beliebtesten Film-Schauplätzen Deutschlands gehört. In Bayern wird gedreht, täglich, mehrfach, tagein, tagaus. Die Filmteams profitieren von pittoresken Szenerien, die Drehorte vom positiven Imagetransfer – und dem Geld, das der Dreh vor Ort einspielt.

Bayerns Landschaften, Bauwerke, Parks und Räumlichkeiten prägen seit Jahrzehnten die Atmosphäre etlicher erfolgreicher Filme und Serien. Der Münchner Tatort, Hindafing, Sophie Scholl, die Eberhofer-Reihe oder Fuck Ju Göthe stehen exemplarisch für die Produktionen vor bayerischer Kulisse.

Drehfreundliche Infrastruktur

Als erste Informations- und Anlaufstelle für nationale und internationale Produktionen räumt die hiesige Film Commission Wege frei und schafft den Raum, der notwendig ist, damit sich die Ideen der Filmemacher entfalten können.

Ein paar Beispiele: Wer auf öffentlichen Straßen, Wegen, Plätzen und in städtischen und staatlichen Gebäuden drehen möchte, filmt nicht einfach drauf los, sondern holt erst einmal eine Genehmigung ein. Wer eine Verfolgungsjagd mit Explosionen will, hantiert nicht eigenhändig mit Sprengstoff, sondern vertraut auf einen zertifizierten Pyrotechniker. Und wer eine Rettungs-Szene mit Helikopter plant, ist froh um einen praxis-erprobten Piloten, der gelassen mit den Launen der Regie umgeht.

Verstärkung: Die Film Commission stockt auf

Die Film Commission Bayern hilft Produzentinnen und Produzenten bei der Kommunikation mit lokalen Betreibern, bei der Auswahl geeigneter Motive, aber auch bei der Akquise von Projekten, der Bewerbung eines Standortes oder der vorausschauenden Drehplanung, vorbei an Baustellen und Straßenfesten. Kurz: Sie schafft eine drehfreundliche Infrastruktur.

Die Bandbreite der Aufgaben wurde bis vor kurzem von zwei Personen bewerkstelligt; jetzt haben sie Verstärkung bekommen. Seit Juli 2019 unterstützt Kathrin Winter das Team, das bisher aus Anja Metzger und Lars Nitschke bestand.

Cameron und Spielberg drehen grün

Dass die Film Commission Verstärkung gut gebrauchen kann, liegt mitunter daran, dass immer neue Aufgabenfelder hinzukommen. FFF-Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein: „Die Film Commission unterstützt Dreharbeiten, behandelt aber mittlerweile auch Themen wie Grünes Drehen, Faires Produzieren und Fachkräftemangel.“

Gerade im Bereich Green Filming herrscht Nachholbedarf. Während Hollywood-Regisseure wie James Cameron oder Steven Spielberg ihre Produktionen längst Green Screenings unterziehen und entsprechend nach grünen Richtlinien produzieren, agieren Kreative und Produzenten hierzulande immer noch zurückhaltend – auch wenn auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen. Die komplette Eberhofer-Krimireihe der Constantin-Film zum Beispiel ist grün gedreht.

Umweltbewusst Kosten sparen

Philipp Gassmann

Damit das Thema umweltbewusstes Filmemachen bei den Kreativen und Produzenten ankommt, setzt die Film Commission auf Wissensvermittlung – und den Abbau von Vorurteilen. Gemeinsam mit Philip Gassmann, Regisseur und Green Film & TV Experte, bietet die Film Commission Workshops und Seminare an, in denen Filmschaffende lernen, dass CO2-armes Drehen mehr als grüne Daumen macht.

Die große Nachfrage nach Seminarplätzen bestätige den Nachholbedarf ebenso wie den Wissensdurst in der Szene, so Gassmann. „In meinen Workshops merke ich immer wieder, dass viele Filmschaffende nicht wissen, welche Vorteile das grüne Drehen mit sich bringt – und mit welch einfachen Mitteln CO2-Emissionen und Produktionskosten reduziert werden können.“

Nachhaltiges Setdesign setzt umsichtiges Planen voraus – und fordert eine Antwort auf die Frage, wie die Investitionen langfristig von Wert sein können. Und dass umweltfreundliche Materialien automatisch die teuersten sein müssen, lässt sich so auch nicht bestätigen.

Grünes Drehen schafft neue Business-Modelle

„Idealerweise“, sagt Gassmann, „sollten die Filmschaffenden bereits bei der Konzeption des Filmstoffs an die CO2-Emissionen denken.“ Dass das Umweltbewusstsein keine künstlerische Einschränkung bedeute, zeige die Praxis, so der Experte. „Man kann umweltbewusst produzieren, ohne dass das Produkt leidet. Oft ist es sogar das Gegenteil. Heute fahren zum Beispiel einige Kollegen mit weniger Licht-Equipment los, schleppen weniger, sind schneller und machen dabei auch noch schönere Bilder.“

Aber bedeutet die Reduktion von Equipment und Deko auch eine Reduktion der Filmcrew? Anders formuliert: Stellt grünes Drehen die Berechtigung von Dienstleistern, Zulieferern und Caterern in Frage?

Gassmann verneint: „Ich weiß, dass das Thema heikel ist. Die Erfahrung zeigt aber, dass die Gewerke anders und vor allen Dingen kreativer gefordert werden. Es geht um neue Technologien, neue Materialien, neue Workflows. Green-Tech ist sehr häufig High-Tech. Da entstehen teilweise ganz neue Berufsbilder und Produktionsmethoden. Gerade deshalb müssen alle an den runden Tisch: Kreative, Produzenten, Dienstleister, Regisseure, der FFF. Meiner Meinung nach eröffnet das grüne Drehen sogar viele neue Business-Modelle. Keiner muss Angst haben, dass er auf der Strecke bleibt. Im Gegenteil.“