Virtuelle innovationen

Virtual Worlds: Die neue VR-Schiene beim Filmfest München

Von der Fachkonferenz zum Filmfestival: Was vor einigen Jahren als Vortragsprogramm i4c des Bayerischen Filmzentrums begann, ist jetzt zum internationalem Wettbewerb für narrative VR gewachsen. Mit Virtual Worlds holt sich das Filmfest München eine neue Reihe ins Programm, die sich ganz den künstlerischen Aspekten der virtuellen Realität widmet.

Man kann das als Beleg dafür sehen, dass sich VR allmählich von der rein technischen Attraktion emanzipiert und zunehmend als Medium für tiefe Erfahrungen und Geschichten ernst genommen wird. Beim angeschlossenen B2B-Market und Professional Day kann die Fachwelt einen Blick auf die Zukunft dieses Mediums werfen.

“Bauhaus in Bayern VR”, Schwarzbild

Astrid Kahmke ist Creative Director des Bayerischen Filmzentrums. Sie hat in den letzten Jahren i4c und nun auch Virtual Worlds kuratiert. Ihre Auswahl von zehn 360-Grad-Filmen und elf Roomscale-Experiences präsentiert sie vom 2. bis 4. Juli im Münchner Isarforum. Neben dem Wettbewerb gibt es eine Retrospektive des erst fünf Jahre jungen aber künstlerisch ambitionierten Studios Felix&Paul aus Québec zu sehen.

Diese erste VR-Retrospektive der Welt enthält weitere 14 Experiences. Das Gastland Frankreich stellt sieben neue Produktionen vor. Unter anderem zeigt „The Man behind Notre Dame“ die Pariser Kathedrale in ihrer intakten Form vor dem Brand. Mit „Bauhaus in Bayern VR“ über Walter Gropius’ Schaffen in Amberg und Selb feiert eine Experience der Münchner Firma Schwarzbild auf dem Filmfest Deutschlandpremiere. In „Blautopf VR“ lädt die ebenfalls in München ansässige Produktionsfirma Tellux Next dazu ein, das Höhlensystem unter der Schwäbischen Alb zu erkunden. Um auf die jeweils relativ kurzen Experiences nicht lange warten zu müssen, können Interessierte online Termine buchen.

Netzwerken mit internationalen Künstlern und Decision Makern

Für die Fachwelt bietet Virtual Worlds eine Plattform zum Austausch. „Die Vernetzung ist wahnsinnig wichtig, weil man VR tatsächlich nicht alleine herstellen kann“, sagt Astrid Kahmke: „Der Workflow ist kompliziert, die technischen Skills sind unter Umständen sehr speziell, die Distribution entwickelt sich erst und die Finanzierung ist ein Riesenthema.“ Für den B2B-Market am 3. Juni in der Gasteig Lounge hat sie aus zahlreichen Bewerbungen zwölf verheißungsvolle Projekte ausgewählt, die sich in Entwicklung befinden. Diese präsentieren sich vor geladenen Entscheidern. Neugierige Professionals können sich auf der Virtual Worlds-Website registrieren.

“Blautopf VR”, Tellux Next

Auf der Gästeliste findet sich ein breites, internationales Spektrum. „Wir haben etwa Elie Levasseur hier, der unter anderem den neuen XR-Markt in Cannes gestaltet hat“, berichtet Kahmke: „Wir haben aber auch Amy Seidenwurm hier, von Oculus VR for Good Creators Lab. Dort bringt sie Künstler mit NGOs zusammen.“ Aus der näheren Umgebung sind unter anderem Matthias Leitner vom Bayerischen Rundfunk und Andrea Geipel vom VR Lab des Deutschen Museums neben internationalen Größen der VR-Szene als Gäste angekündigt. Zur Vertiefung der Netzwerkerei wird es am Mittwoch und Donnerstag zwei Industry Breakfasts geben.

Die VR-Szene auf dem Podium

Der Professional Day lockt auch mit einem interessanten Vortragsprogramm. So konnte Virtual Worlds unter anderem Colum Slevin als Keynote-Referenten gewinnen. Der Head of Media für AR/VR Experiences bei Facebook wird außerdem eine Podiumsdiskussion mit den Köpfen hinter dem preisgekrönten kanadischen Studio Felix&Paul, Félix Lajeunesse und Martin Enault, sowie Myriam Achard vom Phi Center Montréal moderieren. Mit Balthazar Auxietre wird ein renommierter französischer VR-Künstler referieren, das Jury-Mitglied und Gründerin des VR-Studios Lucid Realities Chloé Jarry wird ebenso sprechen wie die Kuratorin Julie Walsh aus Chicago.