Media Date

“Das Publikum erwartet, in die Geschichte eingebunden zu sein”

Neue Techniken eröffnen neue Möglichkeiten, zu erzählen. Vor allem aber ermöglichen sie eine nie dagewesene Immersion. Diesem Thema widmete sich das Media Date “Pure Immersion: Die Zukunft des Storytelling?” in Kooperation mit Plot an der HFF München. 

“Wo früher ein Monolog von Autor zu Publikum stattfand, erwartet das Publikum zunehmend, in die Erzählung eingebunden zu werden”, so Gerhard Maier. Der Gründer und Programmdirektor des Konferenzformats Seriencamp gab einen Überblick über aktuelle Erzähl-Trends und außergewöhnliche Storytelling-Formate.

Gerhard Maier. Foto: Katrin Baumer

Erzählungen können berühren, interaktiv sein, das Publikum in ihre Welt ziehen. Dass solche Storytelling-Formen Anwendung in vielen medialen und künstlerischen Bereichen finden, zeigt Maier anhand eindrucksvoller Beispiele. Die 2004 gestartete Serie Lost etwa hat es geschafft, ein Universum für die Fans zu gestalten, das weit über die einzelnen Folgen hinausgeht. So kreierte der Sender ABC fiktive Websites zu den aus der Serie bekannten Firmen. Bücher einzelner Figuren aus der Serie standen tatsächlich zum Verkauf. Und in sogenannten Alternate Reality Games konnten die Fans noch tiefer in das Lost-Universum eintauchen. Auch als PC-Spiel gibt es Lost, und im Lostpedia können alle Informationen und Details zur Serie nachgelesen werden.

Die Grenzen zwischen analoger und virtueller Welt verschwimmen

War die Vermarkung hier recht virtuell, zeigen andere Beispiele, dass sich auch die analoge Welt nutzen lässt, um die immersive Erfahrung zu steigern. Projekte wie das “Secret Cinema”  bauen Kulissen nach und nehmen so die Zuschauer bereits Stunden vor dem eigentlichen Filmerlebnis in die visuelle und atmosphärische Welt des Films mit. Ähnlich wurde Westworld auf der SXSW 2018 in Austin, Texas vermarktet. Das Setting der Serie rund um einen Western-Themenpark voller Roboter, in dem Besucher ihre Gelüste ausleben können, wurde in Teilen nachgebaut und als eine Art Escape Room  inszeniert.

Von links: Martin Nothelfer, Evelyn Hriberšek und Daniel Ernst. Foto: Katrin Baumer

Auch Museen, Theater und Kunstschaffende entdecken die Kunst des immersiven Storytellings immer mehr für sich – durch interaktive, teils virtuelle Szenerien. Das zeigten im anschließenden Panel Evelyn Hriberšek, die mit den Virtual-Reality-Stücken EURYDIKE & O.R.PHEUS verschiedene Welten zusammenbringt: Gerüche, Geräusche und die Komposition rund um die Geschichte – all das soll die Menschen tief berühren und “Scratches in their minds” hinterlassen. Das sei die Aufgabe von guter Kunst, betonte Hriberšek.

Der Interactive Illustrator Daniel Ernst will mit seinen Projekten ebenfalls Immersion erschaffen, die real und virtuell verbinden. Er betonte: Damit sich alles möglich echt anfühlt müssen in der virtuellen Realität die Geräusche stimmen. Es sei wichtig, auch die Stille in einem leeren Raum, “the white noise”, authentisch darzustellen. Martin Nothelfer, Creative Director und Designer, kam in New York mit immersivem Storytelling in Berührung – durch die Theater Performance “Sleep no more”. Davon inspiriert beschloss er, selbst interaktive Experiences zu gestalten. Zum Beispiel die Swing Sound Machine, die eine reale Schaukelbewegung in die virtuelle Welt übersetzt.

Dass sich die VR-Technologie immer weiter entwickelt, öffnet unzählige neue Möglichkeiten der immer extremeren Immersionen, so Ernst. Künftig könne man zum Beispiel ohne Einschränkungen sehr viel größere Settings designen als bisher, in denen sich die Nutzer bewegen.

Das Media Date in Bildern

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