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Der neue "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt ist leidenschaftlicher Club-Fan. Foto: 1. FC Nürnberg

Ein Nürnberger erobert „Die Welt“: Ulf Poschardt ist neuer Chefredakteur

Seit die Meldung verbreitet wurde, dass Ulf Poschardt neuer Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“ aus dem Axel-Springer-Verlag in Berlin ist, kann er sich vor Glückwünschen kaum retten. Vor allem aus seiner Heimatstadt Nürnberg erreichen den 49-Jährigen Einladungen, sich doch mal wieder blicken zu lassen. Der bisherige Stellvertreter Poschardt folgte auf Stefan Aust, der weiterhin Herausgeber von WeltN24 bleibt. Wir sprachen mit Poschardt über seine Zeit in Bayern und darüber, was ihn noch heute mit Nürnberg verbindet.

 

Wie lange haben Sie schon davon geträumt, eines Tages als Chefredakteur „Die Welt“ zu leiten?

Ulf Poschardt: Wenn ich als Vierjähriger gefragt worden wäre, ob ich Chef der „Welt“ werden möchte, hätte ich sicher gesagt: „Ja, klar!“ Aber im Ernst: Meine bisherigen beruflichen Stationen haben mir alle viel Freude gemacht. Ich bin ja schon sehr lange bei Axel Springer und der „Welt“-Gruppe. In den Jahren als stellvertretender Chefredakteur hatte ich sehr viel operative Verantwortung übernommen. Ein konkretes berufliches Traumziel hatte ich aber nie.

 

Seit wann war für Sie klar, dass Sie eines Tages Journalist werden?

Ulf Poschardt: Ich habe schon mit 13 Jahren gern geschrieben. Meine Lehrer waren aber der Meinung, dass ich auf keinen Fall Journalist werden sollte. Sie sagten: „Gescheit ist er schon, aber schreiben kann er nicht.“ Irgendwann ist es dann besser geworden. Dennoch hatte ich ursprünglich vor, Kunst zu studieren – ich hatte sogar schon eine Bewerbungsmappe zusammengestellt. Aber dann entschied ich mich noch mal um. Ein Jahr später begann ich mit dem Journalismus.

 

Ihre Karriere ging steil nach oben.

Ulf Poschardt: Die ersten Schritte habe ich beim „Hofer Anzeiger“ gemacht, mein erster veröffentlichter Text drehte sich um ein Musical in Hamburg. Dann bin ich auf die Deutsche Journalistenschule in München gegangen und habe viel für die „Süddeutsche Zeitung“ geschrieben. Die journalistische Kultur um Giovanni di Lorenzo, Herbert Riehl-Heyse – um nur zwei Namen zu nennen -, in der ich aufgewachsen bin, war etwas sehr Besonderes. Meine Texte habe ich mit zitternden Knien ins Feuilleton gebracht, weil ich wusste, dort sitzt ein Joachim Kaiser, einer der ganz Großen. Ich war unglaublich stolz, dort arbeiten zu dürfen.

 

Sie waren später Chefredakteur des „SZ Magazins“. War das Ihre schönste Zeit?

Ulf Poschardt: Wenn ich an die Zeit zurückdenke, bin ich immer noch begeistert. Wir haben damals viele aufregende Sachen ausprobiert: Modehefte, 1998 das Interview mit Helmut Kohl. Uns ist Spektakuläres gelungen.

 

Dennoch bleibt von dieser Zeit vor allem ein Name in Erinnerung: Tom Kummer. Als bekannt wurde, dass der Schweizer Journalist dem „SZ Magazin“ fiktive Interviews mit Hollywood-Stars angedreht hatte, mussten Sie und Ihr Mit-Chefredakteur Christian Kämmerling im Jahr 2000 die Koffer am Rindermarkt in München packen.

Ulf Poschardt: Wir haben für das Fehlverhalten eines Autors Verantwortung übernommen. Mittlerweile ist dazu aber alles gesagt.

 

Der neue Chef der "Welt": Ulf Poschardt. Foto: Claudius Pflug

Der neue Chef der „Welt“: Ulf Poschardt. Foto: Claudius Pflug

Sie sind als Journalist vielseitig aufgestellt und haben viel über Politik, aber auch Musik geschrieben. Was liegt Ihnen mehr?

Ulf Poschardt: Es ist wirklich ein Privileg, dass ich Journalismus bis heute in voller Breite ausleben kann. Alles kann ein Thema sein. Und bei einer breit aufgestellten Medienmarke wie Welt, zu der inzwischen ja auch Fernsehen mit N24 gehört, geht das ja auch besonders gut.

 

Sie sind in Nürnberg geboren und aufgewachsen. Was verbindet Sie noch mit Ihrer Heimatstadt?

Ulf Poschardt: Meine Eltern wohnen noch da. Ich freue mich immer auf eine Portion Schäufala, einen Karpfen oder was anderes gscheites Fränkisches. Ich kenne jede Gastwirtschaft in der Umgebung. Meine große Liebe gilt dem Club, dem 1. FC Nürnberg. Ich freue mich auch jedes Mal, wenn ich jemanden mit fränkischem Dialekt höre, der gefällt mir einfach sehr gut. Etwa vier Mal im Jahr schaffe ich es noch nach Nürnberg, das ist immer sehr schön.

 

Welche Medien haben Sie in Ihrer Zeit in Bayern am meisten genutzt?

Ulf Poschardt: Den prägendsten Einfluss hatte der Bayerische Rundfunk mit dem „Zündfunk“ auf mich. Wenn ich Radio gehört habe, saß ich immer mit dem Kassettenrekorder da und habe das Zeug aufgenommen. Gelesen haben wir die „Nürnberger Nachrichten“, ich war ja in einem Sozi-Haushalt zu Hause. Und im Sportteil habe ich sicher jeden Artikel, der ab 1976 erschienen ist, gelesen.