Werner Wittmann, Leiter digitale Projekte beim "kicker", wehrt sich gegen nicht deutlich gekennzeichnetes Native Advertising. Foto: BayMS

Transforming Media: Von versteckter Werbung bis zu künstlicher Intelligenz

Hochwertiger Journalismus ist gut und schön. Aber wie verdient man damit Geld? Mit dieser Frage beschäftigten sich Experten auf der Tagung Transforming Media in Nürnberg. Die nächste Revolution steht bereits in den Startlöchern.

Am besten lassen sich manche Geschäftsmodelle erklären, wenn man sie live ausprobiert. Deshalb hat Richard Gutjahr, Moderator der Tagung Transforming Media in Nürnberg, auf Twitter einen Link gepostet, über den man bei Amazon ein gelbes Gummihuhn bestellen kann. „Bei Bestellungen über diesen Link gehen 10 Prozent des Verkaufspreises an @gutjahr, der die Kohle gewissenhaft zu 100 Prozent in Alkohol investieren wird“, steht dabei. Affiliate Links nennt man das Modell und auch manche Redaktionen verdienen damit Geld, indem sie zu Vertriebspartnern von Produkten werden und Provisionen erhalten.

An jedem verkauften Gummihuhn verdient Richard Gutjahr zehn Prozent.

An jedem verkauften Gummihuhn verdient Richard Gutjahr zehn Prozent.

Längst spielt Banner-Werbung auf der Website für einige nur noch eine untergeordnete Rolle. Es geht nicht nur um Reichweite. Bei Affiliate Links etwa werden User auch zu einer Handlung, zum Kauf animiert.

Karsten Lohmeyer von „The Digitale“, einem Projekt der Deutschen Telekom, sieht in einer solchen sogenannten Conversion, also einer Kaufhandlung, einen Trend: „Wichtig wird, was die Menschen machen, die auf meiner Website gelandet sind. Führen sie etwa einen Ticketkauf durch?“ Dann ließen sich redaktionelle Inhalte monetarisieren – und zwar nicht nur dadurch, dass jemand einen Text liest. Focus online zum Beispiel erzielt laut Alexander von Streit, dem Leiter der „Krautreporter“, bereits 25 Prozent seiner Erlöse durch Affiliate Links.

Im Wettbewerb mit Journalisten

Gut gefüllt war der Saal im Museum für Kommunikation in Nürnberg zur Tagung "Transforming Media". Foto: BayMS

Gut gefüllt war der Saal im Museum für Kommunikation in Nürnberg zur Tagung „Transforming Media“. Foto: BayMS

Auch Karsten Lohmeyer, der durch seine Website Lousy Pennies bekannt wurde, sieht in Affiliate Links, Content Marketing und Native Advertising eine große Zukunft. „Content Marketing funktioniert mit den Werkzeugen des Journalismus“, sagte er auf der gemeinsam von der BayMS und dem MedienNetzwerk Bayern ausgerichteten Transforming Media Tagung über Geschäftsmodelle in der digitalen Welt. „Wir stehen im Wettbewerb mit Journalisten.“ Unter anderem betreibt er das Online-Portal für die Sportartikelmesse Ispo, für das er den früheren Redakteur der Süddeutschen Zeitung Gunnar Jans abgeworben hat.

Lohmeyer legt Wert darauf, dass die Texte auf seinen Websites nicht im PR-Sprech verfasst werden: „In allem, was wir machen, orientieren wir uns an journalistischen Wertmaßstäben.“ Außer sicherlich an der Auswahl der Themen.

Native Advertising – die versteckte Werbung

Werner Wittmann vom "kicker" räumt der Redaktion bei Native Advertising Mitsprache ein. Foto: Markus Kaiser

Werner Wittmann vom „kicker“ räumt der Redaktion bei Native Advertising Mitsprache ein. Foto: Markus Kaiser

Große Zuwachsraten an Erlösen sieht Lohmeyer auch im Native Advertising. Werbeanzeigen sehen hier so aus, als wären sie ein redaktioneller Inhalt und werden so platziert, dass sie nur schwer als Werbung erkennbar sind – manchmal nur klein gekennzeichnet mit „Werbung“ oder sogar nur durch ein „sponsored by“. „Gutes Native Advertising“, weiß allerdings Lohmeyer, „ist schwer zu machen, weil ich mich möglichst gut in die Plattform einfügen muss.“

Werner Wittmann, Leiter für digitale Produkte beim „kicker“, bietet Kunden ebenfalls Teaser, Editorials oder Microsites an: „Diese integrativen Inhalte werden bei uns aber von der Redaktion freigegeben.“ Native Advertising ohne klare Kennzeichnung mache der Online-Ableger des Magazins aus dem Nürnberger Olympia-Verlag nicht: „Dagegen wehren wir uns strikt.“

Die Follower des Autors entscheiden über das Honorar

Richard Gutjahr führte als Moderator von "Transforming Media" durch die Tagung. Foto: BayMS

Richard Gutjahr führte als Moderator von „Transforming Media“ durch die Tagung. Foto: BayMS

Freie Journalisten, so Lohmeyer, können im Bereich Content Marketing mehr Geld verdienen als im klassischen Journalismus. Er betont jedoch: „Auch wir passen uns natürlich den Marktpreisen im Journalismus an.“ Wichtig ist dem Chef von „The Digitale“ nicht nur die Qualität des journalistischen Beitrags, sondern auch der Bekanntheitsgrad und die Follower des Autors. Dies fließe auch in die Höhe des Honorars mit ein. Moderator Gutjahr fragte deshalb skeptisch: „Das heißt, ich kann schreiben, was ich will, und Du willst nur meine Follower?“ – „Ja.“ – „Wow! Ich fühl‘ mich jetzt irgendwie benutzt.“

Neue Geschäftsmodelle durch künstliche Intelligenz

Cliff Fluet aus London sieht in künstlicher Intelligenz das nächste "große Ding". Foto: Markus Kaiser

Cliff Fluet aus London sieht in künstlicher Intelligenz das nächste „große Ding“. Foto: Markus Kaiser

Cliff Fluet von Lewis Silkin aus London sieht bereits einen ganz neuen Trend für digitale Geschäftsmodelle: Künstliche Intelligenz. „Es gibt Plattformen, die sagen Erdbeben, das Wetter oder terroristische Anschläge voraus.“ Dies sei keine Zukunftsvision, sondern Realität. Wenn man als Medienunternehmen erkenne, was die User möchten, seien sie auch bereit, Geld dafür zu bezahlen. „Für mich ist das der größte Wert: der Kontext.“ Also möglichst viel über die User und was sie gerade tun zu wissen und das als Marketing-Basis nutzen zu können.

Künstliche Intelligenz habe die Chance, alle Entwicklungen der vergangenen Jahre wie Kleinigkeiten aussehen zu lassen, betont Fluet. „Künstliche Intelligenz versteht alles, in Echtzeit, viel schneller als der Mensch.“

 

Um Künstliche Intelligenz geht es auch beim Mediengipfel auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN am Dienstag, 25. Oktober 2016.