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Das Münchner Seriencamp geht in Serie

Das Münchner Seriencamp hat geschafft, was mancher Serie verwehrt bleibt: Es geht vom 20. bis 23. Oktober 2016 in seine zweite Staffel! Den Auftakt bilden zwei Professional Days für Medienschaffende, denen ein Wochenende voller brandneuer Serienfolgen in der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) folgt. Dort kann man auf Kinoleinwänden neben neuen Folgen vom „Club der roten Bänder“ uns den ersten Episoden von „Westworld“ auch viele – noch – unbekannte Serien-Kleinode entdecken.

Eigentlich wurde das erste deutsche Serienfestival Seriencamp aus einer Not heraus geboren: Denn für die Organisatoren Christopher Büchele, Malko Solf und Gerhard Maier waren Serien schon immer eine echte Leidenschaft. Das dazu passende Festival, auf dem man neue Serien kennenlernen und sich mit Gleichgesinnten austauschen kann, fand allerdings früher überall statt – nur nicht in Deutschland.

Eine Plattform für Serienfans in Deutschland

Logo: Seriencamp

Logo: Seriencamp

Also gab es nur einen Ausweg: Büchele, Solf und Maier stellten mit dem Seriencamp 2015 ihr eigenes Festival auf die Beine und machten so aus der Alltags-Passion ein Projekt mit großer Wirkung. Denn schon jetzt, berichten Maier und Büchele, werden sie auf anderen Festivals auf ihr Seriencamp angesprochen – und erleben die ersten Nachfolger in Deutschland.

Das „Camp“ im Namen steht für den Grundgedanken des Festivals: Das zwanglose Zusammenkommen. „Ein bisschen so wie am Lagerfeuer im Feriencamp: Man trifft sich dort, lauscht Geschichten und tauscht sich dann darüber aus.“ Statt Lagerfeuer gibt es in der HFF drei große Leinwände, und so wird aus dem üblichen Serien-Schauen allein vor dem kleinen Bildschirm daheim ein kommunikatives Ereignis mit vielen.

Besonders daran ist, dass das Publikum bunt gemischt ist, wie Büchele erklärt: „Klar waren beim letzten Mal viele bekennende Seriengeeks unter den Zuschauern, aber es gab eben auch das Casual Publikum, das neugierig auf das Thema ,Serie‘ geworden ist und mehr wissen wollte – wie zwei ältere Damen, die dann einfach mal reingucken wollten, wer denn Dr. Who ist.“

Die Screenings: Zwischen Androiden und Arthouse

Neu ist in diesem Jahr die Unterteilung der öffentlichen Screenings in unterschiedliche Programmschienen, wie etwa die „New Show“. Diese ist für Serien reserviert, deren Ausstrahlung bei einem deutschen Sender schon feststeht.

Eines von vielen Highlights wird hier sicher die Serie Westworld über einen futuristischen Themenpark mit Androiden sein. Wie die Drama-Serie Quarry über einen Vietnam-Veteranen in den 1970er-Jahren wird auch Westworld schon als einer der Favoriten der kommenden Serien-Saison gehandelt und läuft ab Herbst bei Sky, einem der Hauptpartner des Seriencamps.

Eine Art „Twin Peaks mit Rappern“ nennt Regisseur Donald Glover die Serie Atlanta © Seriencamp

Eine Art „Twin Peaks mit Rappern“ nennt Regisseur Donald Glover die Serie Atlanta © Seriencamp

Eine weitere Schiene zeigt als „Sneak Peek“ Serien, deren Ausstrahlung bisher noch nicht in Deutschland geplant ist. Eine gute Möglichkeit für solche Serien, sich erstes Publikum in Deutschland zu erobern und dadurch Fuß zu fassen. Hier empfehlen Büchele und Maier die belgische Serie Beau Séjour. „Auf den ersten Blick geht es hier um einen Kriminalfall“, erklärt Maier, „aber auf den zweiten handelt es sich um ein feinsinniges psychologisches Porträt einer ganzen Gemeinde. Dazu hat die Serie eine besondere Ästhetik – das ist Arthouse Kino pur, im Serienformat.“

Auch die norwegische Serie Skam ist ein kleiner Geheimtipp der Organisatoren: angesiedelt im Jugendmilieu geht diese Serie sehr offen und ohne erhobenen Zeigefinger mit schwierigen Themen wie Gewalt um – und ist aufgrund ihrer Authentizität ein Riesenhit in Norwegen.

Außerdem erlaubt VOX, der zweite Hauptpartner des Seriencamps, in der Programmschiene „New Season“ einen Blick auf die ersten zwei Folgen seiner Erfolgsserie Club der roten Bänder.

Mit "Der Club der roten Bänder" gelang VOX ein echter Serienhit © Seriencamp

Mit „Der Club der roten Bänder“ gelang VOX ein echter Serienhit © Seriencamp

Ein Rahmenprogramm rund um die Serienwelt

Auch den Webserien, in Deutschland noch kaum beachtet, widmet sich das Seriencamp und zeigt zum Beispiel die preisgekrönte österreichische Webserie Endzeit.

Wie im letzten Jahr wird es zusätzlich weitere Aktionen rund um die Serienwelt geben, wie eine Fan-Art-Ausstellung zu Game of Thrones – aber es gibt eine wichtige Neuerung: Für die beste „New Show“, „Sneak Peek“ und Webserie werden Preise verliehen. Während es bei letzteren das Publikum ist, das über den Gewinner entscheiden wird, urteilt über die „New Show“ eine Jury, bestehend aus den Hannah Pilarczyk (Spiegel), Birgit Fuß (Rolling Stone) und Dirk Oetjen (TV Digital) sowie ein echter Seriengeeks: Der Schauspieler und Moderator Jochen Schropp.

Kommen darf jeder – und der Eintritt ist frei. Ein Teil der Karten lässt sich über Eventbrite reservieren, aber man kann auch direkt vor den Screenings in der HFF nach Plätzen fragen: „In jedem Fall: einfach kommen!“, betont Büchele. „Wir mussten bisher noch niemanden heimschicken!“

Für "The Kettering Incident" gibt es im Moment noch keinen deutschen Lizenznehmer. Vielleicht nachd em Seriencamp? © Seriencamp

Für „The Kettering Incident“ gibt es im Moment noch keinen deutschen Lizenznehmer. Vielleicht nachd em Seriencamp? © Seriencamp

Die Professional Days: Austausch für die Praxis

Bevor die öffentlichen Screenings beginnen, können sich Medienschaffende für die Professional Days am 20. und 21. Oktober anmelden. Der Fokus liegt hier dieses Jahr besonders auf Frankreich – mit gutem Grund, wie Büchele erklärt: „In Frankreich werden Serien und sogar Webserien von Staat und Sendern viel stärker gefördert, was ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Ein gutes Vorbild für Deutschland.“

Im Vordergrund steht bei den Professional Days echte Serien-Praxis statt trockener Theorie: so gibt es Panels mit Case Studies zu bestimmten Serien, einen ersten Einblick in den Writer’s Room des Bayerischen Filmzentrums und die Möglichkeit zum „Writer’s Vison Pitch“, bei dem Autoren ihre Projekte vorstellen können. Doch auch das Gegenteil wird geboten –  ein absolutes Festival-Novum: Der Producer’s Pitch, bei dem sich Produzenten präsentieren und auf die Suche nach Projekten gehen können. Insgesamt liegt der Schwerpunkt auf dem Austausch der Branche und der Suche nach neuen Möglichkeiten für Serien – und das nicht nur in Deutschland.

Von Diana Mantel