Die cinecAwards – europäische Oscars mitten in München

Was haben München und Los Angeles gemein? An diesen Orten werden zwei der wichtigsten Preise der Filmtechnik verliehen: In München die cinecAwards und in Los Angeles die technischen Oscars. Vom 17. bis 19. September trifft sich im Münchner MOC Veranstaltungscenter auf der internationalen Fachmesse cinec das Best of der Branche um die neuesten Innovationen kennenzulernen. Ihren Höhepunkt findet die Messe in der Verleihung der cinecAwards.

Die Filmtechnik, der unbekannte Bereich des Films: Viele bemerken die Leistungen der Filmtechnik erst, wenn sie in Form von Special Effects über die große Leinwand blitzt. Dabei leistet Filmtechnik viel mehr – und das zeigt sich alle zwei Jahre auf der Messe cinec, auf der sich die Creme de la Creme der Filmtechnik trifft. Denn München ist für die Filmtechnik das, was Hollywood für die Filmproduktion ist: Seit den 1920er-Jahren stammen bis heute tatsächlich fast alle Kameras und weiteres Equipment aus München. Grund dafür sind Münchner Unternehmen wie ARRI, die bis heute Spitzenreiter in der Filmtechnik sind.

Die Leistungen der Filmtechnik bleiben oft im Verborgenen. Coypright: Albrecht GmbH / P. G. Loske

Die Leistungen der Filmtechnik bleiben oft im Verborgenen. Coypright: Albrecht GmbH / P. G. Loske

Doch die Innovationen aus der Filmtechnik werden auf der cinec nicht nur präsentiert – die vielversprechendsten haben die Möglichkeit, mit einem cinecAward nach Hause zu gehen. Wie die technischen Oscars sind die cinecAwards eine der wichtigsten Auszeichnungen der Filmtechnik. Alfred Piffl, Vorstand der Interessensgemeinschaft CineTechnik Bayern e.V. (CTB), die den Award ausrichtet, betont jedoch einen entscheidenden Unterschied der Preise: „Die cinecAwards erhalten vor allem Produkte, die neu auf dem Markt sind. Innovation spielt hier eine große Rolle. Die Oscars dagegen richten sich eher an Produkte, die sich schon ein wenig bewährt haben.“ So ist es keine Überraschung, dass auf den cinecAward oft der Oscar folgt.

Oscar und cinecAward Hand in Hand

Auf der cinec werden sämtliche Innovationen der Filmtechnik präsentiert. Coypright: Albrecht GmbH / P. G. Loske

Auf der cinec werden sämtliche Innovationen der Filmtechnik präsentiert. Coypright: Albrecht GmbH / P. G. Loske

Das geschah nicht nur bei Piffls Unternehmen P+S Technik – unter anderem für die Entwicklung des besonders kleinen und damit praktisch einsetzbaren Kamerawagens  „SKATER Mini Camera Dolly“ – sondern auch bei Dedo Weigert und seinem Unternehmen. Weigert ist mit über 50 Jahren Erfahrung ein echtes Urgestein der Branche, er entwickelte etwa die Dedo-Lights, ein Leuchtensystem für Video- und Fotoaufnahmen. 2002 wurde er für eine Verbesserung dieser Dedo-Lights, die für größere Lichtstärke und bessere Fokussierung der Leuchten sorgte, zuerst mit einem cinecAward, dann mit einem Oscar und einem Emmy ausgezeichnet.

An den cinecAwards schätzt Weigert vor allem die Jury: „Die cinecAwards sind ein Experten-Preis, verliehen von einer Jury mit großem Wissen – das trägt besondere Wertschätzung in sich.“ Piffl, als Vorstand der CTB mitverantwortlich für die Zusammensetzung der Jury, erklärt: „Für jede Kategorie laden wir mindestens einen Experten mit internationaler Erfahrung ein. Diese Experten sind Anwender, sie wissen also, was in der Praxis wirklich wichtig ist – und können darum die Produkte so gut beurteilen!“

Die Bavaria im Kaisersaal

Auf der cinec kommen Besucher aus dem In- und Ausland zusammen um sich auszutauschen. Coypright: Albrecht GmbH / P. G. Loske

Auf der cinec kommen Besucher aus dem In- und Ausland zusammen um sich auszutauschen. Coypright: Albrecht GmbH / P. G. Loske

Die Awards werden in vier Kategorien verliehen: „Camera Support/ Grip“, „Camera Technology“, „Lightning Engineering“ und „Optics“. Zusätzlich gibt es einen Special Award für besonders innovative Ideen. Wer einen dieser Preise erhalten will, muss zunächst Aussteller der cinec sein, um sein Produkt einreichen zu können. Die Jurymitglieder sehen die eingereichten Beiträge direkt vor Ort an und probieren diese aus. Bei großen Ausstellungsstücken wie etwa Kränen erstreckt sich die Präsentation bis vor die Halle.

Übrigens kommen die cinecAwards in weiblicher und gleichzeitig bayerischer Form: Die Münchner Bavaria leiht den Preisen ihr Aussehen. Überreicht werden sie im Kaisersaal der Münchner Residenz von Staatsministerin Ilse Aigner. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie zeigt mit der Preisverleihung seine Unterstützung und Wertschätzung für die Filmtechnikbranche.

Wer den Preis erhält, erfahren die Bewerber erst direkt bei der Preisverleihung. Andreas Fitz von der Panther GmbH, der 2014 einen der cinecAwards für das Schienensystem „Precision Levelling Track“ erhielt, durch das der Umbau am Set schneller und vor allem sicherer geschehen kann, verrät: „Wir fiebern da jedes Mal hin. Dieser Award ist ein Motivationsschub und Antrieb zugleich für uns. Und für die Branche ist dieser Preis unglaublich wichtig.“

Kopf trifft Können

Die cinecAwards sind das Highlight einer Fachmesse, die alle Bereiche der Branche zusammenführt: vom Hersteller für technisches Equipment bis zum Filmschaffenden. „Hier trifft Kopf auf Können“, erklärt Weigert augenzwinkernd, oder, wie er sie scherzhaft nennt, die „Dinosaurier“ der Branche begegnen den Newcomern auf Augenhöhe.

Auf dem cineCongress stellen Experten Trends von morgen vor. Coypright: Albrecht GmbH / P. G. Loske

Auf dem cineCongress stellen Experten Trends von morgen vor. Coypright: Albrecht GmbH / P. G. Loske

Ob es jetzt alte Hasen sind oder die Neulinge der digitalen Ära – im Zentrum der Messe, betont Veranstalterin Angelika Albrecht, stehe der Austausch: „Besonders an der cinec ist vor allem die Vernetzung, die Begegnung, das Innovative – auf dieser dichten, kompakten Messe kann man sich Auge zu Auge begegnen und wirklich miteinander kommunizieren.“

Deshalb ist die cinec ein Magnet für die Filmtechnik aus dem In- und Ausland. Gut ein Drittel der über 6.000 Besucher und beinahe die Hälfte aller Aussteller im Jahr 2014 kamen aus dem Ausland. Der Austausch wird durch den cineCongress auf der Messe erweitert und professionalisiert. In einem Rahmenprogramm aus Workshops und Vorträgen stellen Experten zukünftige Trends vor und diskutieren diese mit Anwendern aus der Filmtechnik. 2016 liegt der Schwerpunkt auf den Möglichkeiten der Virtual Reality – wodurch sich die Messe auch auf Bereiche jenseits der Filmtechnik hinaus erweitert.

 

Von Diana Mantel