„Radio braucht Authentizität, keine Schauspielerei“

Die neuen Frühaufdreher auf BAYERN 3 setzen einen klaren Fokus auf Musik. Aber bewährt sich ein solches Konzept, wo doch heute jeder sein eigener DJ ist? Das Morningshow-Trio zeigt, was Radio alles kann – und was es unersetzlich macht.

Jede ihrer Sendungen endet mit einer Live-Performance von Frank Sinatras My Way. Ändern tut sich nur der Text, eine Zusammenfassung des zurückgelegten Wegs der letzten Stunden quer durch aktuelle Themen, neue Hits und spontane Songeinlagen. Wenn Sebastian um kurz vor 9 Uhr die Ukulele stimmt, Corinna ihre Stimme ölt und Sascha die Melodie des Sinatra-Klassikers auf dem Piano anklingen lässt, bekommen die Hörer einen guten Eindruck davon, was die neuen  BAYERN 3 Frühaufdreher ausmacht: Ihre Leidenschaft für die Musik und ihr Wunsch, diese Leidenschaft auf die Hörer zu übertragen.

Die Liebe zur Musik ist hörbar

Von links: Sebastian Winkler, Corinna Theil und Sascha Seelemann. Bild: BR/Markus Konvalin.

Von links: Sebastian Winkler, Corinna Theil und Sascha Seelemann. Bild: BR/Markus Konvalin.

Seit August bilden Sebastian Winkler, Corinna Theil und Sascha Seelemann das neue Morningshow-Trio auf BAYERN 3. Und schon nach den ersten Sendungen zeigt sich: Die Musik steht bei den neuen Frühaufdrehern im Mittelpunkt. Sie stellen nicht nur regelmäßig neue Songs vor, sondern machen auch Live-Musik im Studio. Seelemann weiß: „Neben den Charakteren und Themen, die es am Morgen zu hören gibt, ist den Leuten vor allem die Musik wichtig. Deshalb schalten die Hörer ein.“ Als Frontmann der Band Lupin stand der Dachauer bereits auf vielen Bühnen, als Radiomoderator sang und spielte er schon mit Stars wie Christina Stürmer oder Jamie Cullum.

Auf die Frage, was ihr Programm von digitalen Musikdiensten wie Spotify abhebt, haben die Frühaufdreher ihre ganz eigene Antwort: „Die Musik, die wir spielen, spielen wir mit Herz. Genau das bekommt man bei uns am morgen“, betont Seelemann. Auch für seine Kollegin Corinna Theil eben nicht nur um die Songauswahl. Es geht um das Gefühl, das mit jedem Lied verbunden ist: „Wir möchten die Songs in Emotionen verpacken. Manchmal dichten wir auch Lieder um, live im Studio und mit den Jungs an den Instrumenten. Das kann kein Spotify. Und genau das ist unsere Stärke.“

Bei den Frühaufdrehern werden die Songs zur Lebensmelodie: Wenn es regnet, gibt’s Sunshine-Reggae, wenn die Sonne brennt, einen entspannten Cool-Down-Track – und das samt Informationen zu den gespielten Künstlern. Sebastian Winkler, der wie Seelemann Banderfahrung hat und seit 2009 auf BAYERN 3 zu hören ist, erklärt: „Die Musik liegt bei uns im Blut. Die Hörer merken, dass wir uns auch privat viel mit Musik beschäftigen. Deshalb können wir auch einiges zu den Künstlern sagen.“

„Der Schulte“ dreht im Netz auf

Nicht nur on Air klingt der BAYERN 3-Morgen neu. Auch online werden die Frühaufdreher neu gedacht. Als vierter, „digitaler“ Frühaufdreher trägt Michael Schulte alias „Der Schulte“ den Frühaufdreher-Spaß tagsüber und abends in die sozialen Netzwerke. Auf Facebook, Instagram oder Snapchat gewähren „der Schulte“ und das Studio-Trio einen Blick hinter die Kulissen, posten gefilmte Blödeleien, witzige Anekdoten und Fotos, zum Beispiel vom Rihanna-Konzert in München. Die Frühaufdreher möchten die Hörer mitnehmen, auch nach dem Sinatra-Showfinale um kurz vor 9 Uhr.

Moderator Michael Schulte alias "Der Schulte". Bild: BR/Markus Konvalin

Moderator Michael Schulte alias „Der Schulte“. Bild: BR/Markus Konvalin

„Facebook bietet den Hörern eine Schlüssellochperspektive. Da können alle sehen: Aha, der Sebastian sitzt im Tonstudio, die Corinna isst schon wieder und ich sitze auf meiner Vespa“, erklärt Seelemann. Den Frühaufdrehern ist die Nähe zu den Hörern wichtig. Per WhatsApp nehmen sie schon während der Sendung Anregungen und Meinungen auf, auf Facebook setzen sie den Dialog fort. Und gerade dabei wird deutlich, dass das Radio längst keine einseitige Ausrichtung mehr hat: Moderatoren und Hörer werden vom Sender und Empfänger zu Gesprächspartnern.

„Das Radio braucht Authentizität“

Dass die drei Moderatoren allesamt schon Erfahrungen vor der Kamera gesammelt haben, mag ein Vorteil für ihre Social Media-Präsenz sein. Corinna Theil moderierte fünf Jahre lang auf Sat1 Bayern, Sebastian Winkler hatte mit „Die allerbeste Sebastian Winkler Show“ sogar ein eigenes Format im BR und Seelemann hat das Agieren vor Publikum als Musiker kennengelernt. Die drei wissen: Wer den Leuten etwas vorspielt, macht sich selbst etwas vor.

„Früher konnte man vielleicht in eine Rolle schlüpfen, ist live gegangen und hat eine Show abgezogen – das funktioniert heute nicht mehr in dem Maße“, glaubt Corinna Theil. Wer dauerhaft auf allen Kanälen präsent sein will, könne nicht ununterbrochen schauspielern. „Was das Radio in Zukunft am wenigsten braucht, ist Schauspielerei. Es braucht Authentizität.“ Sicher sei nicht immer leicht, man selbst zu sein und aus sich herauszugehen. Doch gerade das müsse man sich trauen, egal ob im Studio oder beim Videodreh für Facebook.

Vielleicht ist es gerade diese Offenheit, die die Hörer an den neuen Frühaufdrehern zu schätzen wissen, nicht nur bei der Musikauswahl. „Wir tragen einen Teil von uns auf Plattformen wie Facebook und Instagram“, so Theil. „Dadurch entsteht Radio zum Anfassen. Wir nehmen am Leben der Hörer teil und die Hörer an unserem Leben. Das ist die neue Ebene, die Radio mitbringen muss, aber auch mitbringen kann.“ Wie die Frühaufdreher das machen? Eben ganz im Sinne Frank Sinatras: They do it their way.

 

Von Denis Heuring