Studio von "Master of Photography". Foto: Sky

Nicht nur Sport – Interview zum Sky Arts-Start

Dem Anspruch folgend, Unterhaltung für die ganze Familie zu bieten, startet der Pay-TV-Sender Sky am 21. Juli 2016 Sky Arts. Einen Sender, der sich rund um die Uhr mit Kunst und Kultur beschäftigt – und das mit paneuropäischer Ausrichtung. Programmchefin Elke Walthelm, erzählt, was den Sender von anderen Kultursendern unterscheidet und für welche Sendung sie persönlich brennt.

Elke Walthelm. Foto: Sky

Elke Walthelm, Executive Vice President Content bei Sky Deutschland. Foto: Sky

Frau Walthelm, wollen Sie mit Sky Arts Kultursendern wie arte und 3sat Konkurrenz machen?

Elke Walthelm: Wir wollen keine Konkurrenz sein, sondern etwas aufbauen, was es so noch nicht gibt: Ein Programm für Deutschland und Österreich, das 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Kunst und Kultur sendet – und zwar auf eine unterhaltsame Weise. Deswegen legen wir den Schwerpunkt auf die Menschen und Persönlichkeiten und stellen die Frage: Wie entsteht Kunst? Es soll ein Programm sein, das Spaß macht und unterhält.

 

Selbstausgegebenes Ziel ist es, mit dem Angebot nicht nur Kunstliebhaber anzusprechen, sondern auch ein breiteres und jüngeres Publikum. Wie wollen Sie das erreichen?

Walthelm: Es gibt dafür kein Geheimrezept. Aber für uns sind es zwei große Vehikel, mit denen wir das erreichen wollen. Zum einen ist es die Auswahl des Contents. Ein gutes Beispiel dafür ist „Master of Photography“: Das ist ein Fotowettbewerb mit Casting-Charakter, der Spannung aufbaut. Wer fliegt raus? Wer kommt weiter? Wer wird honoriert von der Jury? Es ist ein sehr künstlerisches Format. Ich liebe es. Ich fotografiere selber gerne und durch das Feedback der professionellen Fotografen kann auch der Zuschauer noch etwas lernen. Zum zweiten ist es die On-Demand-Komponente, auf die wir setzten. Die Formate sind zeitlich und räumlich flexibel abrufbar. So wollen wir Kunstinteressierte mit und ohne Vorwissen ansprechen und Themen bieten, über die man einfach gerne spricht.

 

Wie definiert Sky eine junge Zielgruppe?

Walthelm: Die geht bei allen kunstinteressierten in den Zwanzigern los. Ich persönlich vermute, wir werden insbesondere die Zielgruppe der 35- bis 45-jährigen ansprechen.

 

Vielen ist Sky nach wie vor als Sportsender geläufig. Ist es da vielleicht auch ein Wagnis, nun einen Sender zu startet, der sich ausschließlich auf Kunst und Kultur konzentriert?

Walthelm: Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Sky hat schon seit langer Zeit eine Vielfalt an Themen neben dem Sport aufgebaut. Daher ist es für uns eine zusätzliche Facette. Es passt gut zu unserer Strategie, Sky als Unterhaltungsangebot für die ganze Familie zu positionieren. Sport gehört da ebenso dazu, wie aktuelle Serien, Filme, Dokumentationen, Kinderprogramme. Kunst und Kultur hat uns bislang noch ein bisschen gefehlt. Ich sehe es nicht als Wagnis, sondern als große Chance.

Die Juroren des Fotowettbewerbs "Master of Photography" im Studio. Foto: Sky

Die Juroren des Fotowettbewerbs „Master of Photography“ im Studio. Foto: Sky

 

Im Vereinigten Königreich und Italien gibt es den Sender bereits. Wie konnten Sie sich davon inspirieren lassen?

Walthelm: Zum einen haben wir in Italien und UK sehen können, dass das Angebot sehr, sehr gut angenommen wird. Das hat uns darin bestärkt, die strategische Entscheidung zu treffen, auch in Deutschland und Österreich einen Arts-Sender zu starten. Zum anderen haben wir uns die inhaltliche Ausrichtung angesehen. Italien geht stark in Richtung Lifestyle und zeigt viele Pop-Konzerte. In UK ist ein viel größerer Schwerpunkt auf Wettbewerben, wie etwa Guitar-Star oder Landscape Artist of the Year. Das deutsche Programm ist dazwischen positioniert.

 

Seit einem Jahr gibt es den Sender bereits On Demand. Was konnten Sie davon für das lineare Angebot lernen?

Walthelm: Zum einen haben wir gesehen, wie wichtig On Demand ist. Es wurde erfreulich strak genutzt und wir haben gesehen, welche Genres gut laufen. Das waren zum Beispiel Themen rund ums Fotografieren – und das hilft uns in der Programmausrichtung.

 

Sie haben den Anspruch paneuropäische Produktionen umzusetzen. Wie sieht das konkret am Beispiel der Bayreuther Festspiele aus, die Sky Arts übertragen wird?

Walthelm: Das ist eigentlich ganz einfach. Bei gemeinsamen Treffen mit den italienischen und englischen Kollegen haben wir gesagt, die Festspiele sind in Deutschland das Kulturereignis überhaupt, das wollen wir ins Programm nehmen. Dann wurden alle Augen groß und glasig und Begeisterung war im Raum zu spüren. Die anderen Sender haben dann für sich entschieden, dass das auch für sie ein spannendes Thema ist.

 

Wie unterscheidet sich dann am Ende, was ein deutscher Zuschauer sieht von dem, was man in UK oder Italien sieht?

Walthelm: Die Liveübertragung der Aufführung ist identisch. Aber jedes Land schickt einen eigenen Host, der Interviews und Hintergrundgespräche führt. Bei uns ist es Axel Brüggemann, England schickt den Schauspieler und Entertainer Steven Fry und Italien Francesco Micheli. So bringen wir mit den Berichten die lokale Note rein.

" Berlin Nightlife", aus dem Wettbewerb "Master of Photography". Quelle: Sky

„Berlin Nightlife“, aus dem Wettbewerb „Master of Photography“. Quelle: Sky

Das Literaturformat „Kapitelweise“ ist die erste deutsche Sky Arts Eigenproduktion und stellt erfolgreiche, deutschsprachige Autoren vor. Was ist das Besondere an diesem Format?

Walthelm: Da würde ich gerne einen Schritt zurückgehen. Als wir in Deutschland angefangen haben, uns Inhalte zu überlegen, kam relativ schnell die Idee auf, etwas über Bücher zu machen. Aber es sollte weder langweilig sein, noch wollten wir die Bücher beurteilen. Wir wollten, dass sich der Zuschauer selbst ein Bild machen kann – gar nicht zwangsläufig nur vom Buch, sondern auch vom Autor. Deswegen haben wir uns entschlossen, mehr den Autor und seine Inspirationsquellen, die sein Schaffen beeinflussen, in den Vordergrund zu stellen. Umgesetzt wird das Format gleichermaßen stylisch und hochwertig.

 

Produziert wird größtenteils in Italien. Warum ist das Sky Arts Production Hub in Mailand?

Walthelm: Als man sich überlegt hat, einen Hub zu machen, war Deutschland einfach noch nicht so weit mit Arts. Aber grundsätzlich war es eine klare strategische Entscheidung des Sky-Managements in London, dass nicht alles zwangsläufig in London sein muss. Man versucht, Kompetenzcenter auf Europa zu verteilen. Die Italiener haben in den letzten Jahren viel Expertise aufgebaut. In Deutschland konnten wir davon profitieren und recht schnell starten. Insofern war es eine gute Entscheidung und es macht viel Spaß mit den Kollegen zusammenzuarbeiten.