60 Jahre IRT. Foto: Christiane Nönnig

60 Jahre IRT – ein Blick hinter die Kulissen

Anlässlich seines 60-jährigen Jubiläums öffnete das Institut für Rundfunktechnik (IRT) beim Open.Lab.Day seine Pforten für Besucher. Bei Vorträgen und Labordemos erhielten diese einen spannenden Einblick in die Arbeit des Instituts.

Kaum eine Branche hat sich in den letzten Jahrzehnten so rasant weiterentwickelt wie die Rundfunkwelt, die mit der Digitalisierung derzeit vor einem Scheideweg steht. Das machte auch IRT-Direktor Dr. Klaus Illgner-Fehns in seiner Begrüßungsrede beim Open.Lab.Day am 14. Juli 2016 deutlich: „Heute sind audiovisuelle Medien selbstverständlich. Doch dahinter steckt eine enorme technische Revolution.“ Maßgeblichen Einfluss auf diese Entwicklung hat seit 60 Jahren das IRT.

Als zentrales Kompetenzzentrum der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland, Österreich und der Schweiz erforscht und entwickelt das Institut neue Technologien und setzte damit bereits zahlreiche Meilensteine in der Rundfunk- und Fernsehtechnik – darunter die elektronische Zeitlupe, Videotext oder das Blue-Screen-Verfahren. Für die MPEG-Audio-Codierung erhielt das IRT im Jahr 2000 einen Emmy Award.

Zu Besuch im Techniklabor

Das brandneue 3D-Audio-Labor des IRT stand erstmals für Besucher offen. Foto: IRT (via Twitter)

Das brandneue 3D-Audio-Labor des IRT stand erstmals für Besucher offen. Foto: IRT (via Twitter)

Welche aktuellen Forschungsthemen die rund 140 Mitarbeiter am Standort in München-Freimann derzeit beschäftigen, konnten die Besucher des Open.Lab.Day 2016 herausfinden. Eine zentrale Frage dabei: Wie lassen sich Bild, Ton oder die Vernetzung von Fernsehen und Internet noch komfortabler und besser gestalten? „Entwicklungen in den audiovisuellen Medien finden heute längst nicht nur im Rundfunk statt. Viele Neuerungen entstehen in der Internetbranche oder in der Informations- und Kommunikationstechnik“, sagt Dr. Klaus Illgner-Fehns.

Umso wichtiger sei es, diese für den Rundfunk zu bewerten, anzupassen und weiterzuentwickeln. Welche innovativen Technologien in der Zukunft eine Rolle spielen, erklärten die Experten in den Fachvorträgen des Open.Lab.Day. So ging es beim Thema „Beyond HD“ um das digitale High-Definition-Video-Format Ultra HD (UHD), das eine noch höhere Auflösung, einen erweiterten Farbraum, höheren Kontrastumfang („High Dynamic Range“, HDR) und eine höhere Bildrate („High Frame Rate“, HFR) als das aktuelle HD-Fernsehen bieten soll.

Der Vortrag „Hybride Radio- und TV-Apps – Der richtige Mix aus Broadcast und Broadband“ beschäftigte sich dagegen mit der Frage, wie sich Rundfunk und Internet mittels RadioDNS-Technik („Domain Name System“) verknüpfen lassen. Ebenfalls im Gespräch: die nächste Generation des Smart-TV (HbbTV 2.0), die auch die Einbindung mobiler Endgeräte ermöglicht. Nach den theoretischen Ausführungen ging es schließlich an die Praxis: In den Laboren präsentierten die Experten den Besuchern ihre Arbeiten und demonstrierten, wie die Technologien funktionieren.

Audioerlebnis der Zukunft

Vortragsfolie zum Thema objektbasiertes Audio. Foto: Christiane Nönnig

Vortragsfolie zum Thema objektbasiertes Audio. Foto: Christiane Nönnig

Zu den spannendsten Vorträgen der Veranstaltung gehörte „Next Generation Audio“. Dabei ging es vor allem um das Thema „Objektbasiertes Audio“, bei dem nicht nur die Audiodaten, sondern auch Metadaten wie die Umgebung und Geräuschkulisse des Empfängers oder die Art des Wiedergabesystems mit einbezogen werden. So können beispielsweise Umgebungsgeräusche ausgeblendet oder eine andere Sprachfassung eingespielt werden. Das Ziel: ein personalisierbarer, barrierefreier und interaktiver Hörgenuss. Auch zum 360-Grad-Bild lässt sich damit der passende Ton kombinieren, damit der Nutzer ganz in das Erlebnis eintauchen kann – ideal also bei Virtual-Reality-Anwendungen. Im brandneuen 3D-Audio-Labor des Instituts konnten sich die Besucher schließlich bei beeindruckenden Demos vom aktuellen Forschungsstand überzeugen.

Wissenschaft mit Augenzwinkern

Nach dem informativen Teil der Veranstaltung folgte ein Science Slam der Münchner Initiative zehnHOCHeins. Ein Science Slam verbindet die Wissenschaft mit Entertainment: Die Wissenschaftler präsentieren ihre Forschungsthemen dabei nicht nur für den Laien verständlich, sondern vor allem unterhaltsam und mit einem Augenzwinkern. So ging es bei den Präsentationen beispielsweise darum, welche Geheimnisse hinter dem perfekten Bierschaum stecken oder wie man einer Rede mit dem Knalleffekt die richtige Würze verleiht. Am Ende gewann Sven Kemmler mit seiner vergnüglichen Darbietung zum Thema, wie sich ein Tonfall oder Dialekt auf unsere Wahrnehmung auswirken können – ein gelungener Abschluss des Open.Lab.Day 2016.