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Schon analog personalisiert – 125 Jahre Vogel Verlag

Dass die Industrialisierung im 19. Jahrhundert die Menschen massiv beeinflussen würde, das war Carl Gustav Vogel früh klar. Vorausschauend ging er von einem erhöhten Informationsbedarf über die neuaufkommende Technik aus. Also gründete er einen Fachverlag. Dank einer großen Adresskartei verstand er es schon im analogen Zeitalter, seine Druckerzeugnisse gezielt an die richtige Leserschaft zu bringen – und damit Werbekunden zu locken. Ein Ziel, das auch 125 Jahre später Medienhäuser umtreibt.

Gründer des Vogel Verlags, Carl Gustav Vogel. Foto: Vogel Verlag

Gründer des Vogel Verlags und leidenschaftlicher Briefmarkensammler, Carl Gustav Vogel. Foto: Vogel Verlag

„Carl Gustav Vogel, der Verlagsgründer war ein Startup-Guy“, sagt Gunther Schunk, Leiter Corporate Communications und Mitglied der Geschäftsleitung. Eigentlich sei Vogel aus der Textilbranche gekommen und habe sich erst im Zuge der Industrialisierung der Print-Branche gewidmet. Die erste Publikation hieß „Internationales Briefmarken Offertenblatt“. Revolutionär anmutend war der Vertriebsweg des sogenannten „Streu- und Wechselversands“, mit dem er bereits ab 1891 seine Fachpublikationen gezielt an die entsprechende Leserschaft verschickte.

 

 

1906 Auschnitt Fahrzeugpark. Foto: Vogel Business Media

1906 Fahrzeugpark. Foto: Vogel Business Media

„Carl Gustav Vogel und seine Söhne waren Autonarren“, erzählt Schunk. Und die Familie erkannte den Erklärungs- und Informationsbedarf dieser neu aufkommenden Innovation. Anfang des 20. Jahrhunderts bauten sie das Automobil als zweites Themenfeld des Verlages auf. Federführend übernahmen die beiden Söhne des Verlagsgründers, Arthur und Ludwig, das Thema und brachten 1911 erstmals das Fachmagazin „Der Automarkt“ heraus. Unter dem Namen „kfz-betrieb“ ist es bis heute fester Bestandteil des Verlags-Portfolios.

 

1957: Luftaufnahme Standort Würzburg. Foto: Vogel Business Media

Luftaufnahme vom Standort Würzburg, 1957. Foto: Vogel Business Media

Nachdem der ursprüngliche Verlagsstandort im thüringischen Pößneck während des Zweiten Weltkrieges zerstört und die Familie enteignet wurde, folgte 1952 ein Neubeginn in Würzburg. „Bis heute haben wir hier den Stammsitz, weil Würzburg verkehrstechnisch gut angebunden ist“, sagt Schunk. Mittlerweile ist das Verlagsgebäude doppelt so groß wie auf dem Foto. Der alte Baubestand wurde dabei nicht abgerissen, sondern erweitert.

 

 

Lehrlingssetzerei. Foto: Vogel Business Media

Lehrlinge in der Setzerei – Ende der 1950er Jahre. Foto: Vogel Business Media

Seit Anfang an war der Verlag, der heute Vogel Business Media heißt, ein wichtiger Arbeitgeber in Würzburg – und ist es bis heute. „In der Medienindustrie war der Verlag schon immer ein sehr gut durchorganisierter Produktionsbetrieb“, sagt Schunk. Stenographie, das Setzen von Bleilettern und Typographie waren feste Bestandteile einer Ausbildung im Druckgewerbe. Für den Bleisatz mussten die Lehrlinge jeden Buchstaben einzeln aus dem Setzkasten zusammensuchen.

 

 

Dr. Kurt Eckernkamp Stratege und Planer. Foto: Vogel Business Media

Dr. Kurt Eckernkamp (mitte), Stratege und Planer. Foto: Vogel Business Media

„Mit einem sehr jungen Managerteam hat Dr. Kurt Eckernkamp das Unternehmen umgebaut und die Prozessorganisation modernisiert“, berichtet Schunk über den Verleger. Und mit ihm hat in den 1970er Jahren auch wieder ein neues Thema Einzug in den Verlag erhalten, der Personal Computer, also der PC. Er baute die Informationstechnik zum dritten Kernthema des Verlags auf „und hob die Zeitschrift CHIP mit aus der Taufe“, so Schunk.

 

 

2006: Start des ersten Business Effizienz Portals. Foto: Vogel Business Media

Start des ersten Business Effizienz Portals 2006. Foto: Vogel Business Media

Um neben dem Print-Bereich auch digitale Geschäftsmodelle aufzubauen, gründete der Verlag die Unternehmenseinheit der Vogel Future Group. Diese stellte 2006 das erste Business Effizienz Portal vor – eine neuartige Website-Technologie speziell für Fachmediennutzer, die eine personalisierte Zusammenstellung der Inhalte ermöglicht. Als erstes Magazin startete der MM Maschinenmarkt sein Business Effizient Portal, der auflagenstärkste und bekannteste Titel des Verlags. Heute zählt der Verlag etwa 40 derartiger Web-Portale.

 

 

Stefan Rühling und Dr. Eckernkam_Carl Gustav Vogel Platz. Foto: Vogel Business Media

Stefan Rühling, der seit 2008 die Geschäftsführung des managementgeführten Familienunternehmens inne hat, mit Dr. Eckernkamp auf dem Carl-Gustav Vogel Platz. Foto: Vogel Business Media

Um die mainfränkische Gründerszene zu unterstützen, baute der Verlag seine ehemaligen Werkstatträume um und eröffnete 2015 die Gründerwerkstatt. „Gründerspirit und ein kreatives Umfeld“, spüre man sofort in den Räumlichkeiten, sagt Mitarbeiterin Lena Gerhard. Gefördert werden Startups, die sich mit der Digitalisierung in der Wirtschaft beschäftigen – insbesondere in den Bereichen Industrie, Automotive und IT. Von den zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten, fachliches Know-how und wichtige Industriekontakte können die jungen Gründer profitieren.

 

 

Vogel Business Media: 120 Jahre "MachinenMarkt" – Gala. Foto: Vogel Business Media

Mit einer Gala feiert der Verlag 120 Jahre „MM – Maschinen Markt“. Foto: Vogel Business Media

Heute gehört Vogel Business Media zu einem der ältesten und größten Fachverlagen in Deutschland. In der früheren Druckhalle und dem heutigem Konferenzzentrum, dem Vogel Convention Center, feierte der Verlag Anfang 2015 den 120. Geburtstag des Magazins „MM Maschinenmarkt“. Neben eigenen Veranstaltungen finden hier auch Events, wie der Mobile Media Day statt, der von der Bayerischen Medien-Servicegesellschaft mbH (BayMS) veranstaltet wird. So schafft der Verlag im wahrsten Sinne des Wortes Raum für Neues, Freudiges und Digitales.