Audiovisuelle Medien barrierefrei. Quelle: IRT/ARD.ZDF medienakademie

Mit Sprachbildern – Barrierefreiheit in audiovisuellen Medien

Spannung, Dramaturgie, Emotionen: In Film und Fernsehen entstehen sie meist im Zusammenspiel von Bild und Ton. Für etwa 80 Millionen Menschen in Europa muss es jedoch anders funktionieren. So viele Seh- oder Hörbehinderte, Gehörlose und Blinde leben hier. Und auch für ein älteres Publikum sind barrierefreie Medienangebote relevant. Welche heute schon verfügbar sind und wie sie weiter verbessert werden können, wird Ende Juni auf dem Fachsymposium „Audiovisuelle Medien barrierefrei“ diskutiert. 

Dass Untertitel für Menschen mit Hörbehinderung in ihrer Größe und Position variabel einstellbar sind, ist nicht nur eine gute Idee. Seit 6. Juni 2016 ist sie auch Realität. HbbTV-Untertitel machen es möglich, erklärt Thomas Schierbaum, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit vom Institut für Rundfunktechnik. Dieses richtet das Fachsymposium gemeinsam mit der ARD.ZDF medienakademie aus. Und die Untertitel sind nur eine Möglichkeit, um audiovisuelle Medienangebote barrierefrei zu gestalten.

Monika Gerber. Foto: ARD.ZDF medianakademie

Monika Gerber. Foto: ARD.ZDF medianakademie

Zukünftig könnten etwa Gebärdendolmetscher speziell bei den Zuschauern im Bildschirm eingeblendet werden, die dieses Angebot nutzen wollen. Einfach per Knopfdruck. Die Einschränkung, allen Zuschauern das Gleiche zeigen zu müssen, besteht nicht mehr. Gerade durch die zunehmende Digitalisierung können viel individuellere Angebote umgesetzt werden. Damit könne man eine unglaubliche Angebotsvielfalt bieten, betont Monika Gerber von der ARD.ZDF medienakademie.

Die notwendigen Geräte sind in den deutschen Haushalten verbreitet: Laut IRT steht bereits in jedem zweiten Wohnzimmer ein Smart-TV. „Natürlich muss dann auch die Breitbandverbindung gewährleistet sein“, sagt Gerber von der ARD.ZDF medienakademie. Denn eine schnelle Internetverbindung sei die Grundlage dafür, das Angebot auch zufriedenstellend nutzen zu können.

Leichter und komplexer durch Digitalisierung

Für den Ausbau der Barrierefreiheit hat die Digitalisierung der Medien zweierlei bewirkt: Sie hat es erleichtert, Untertitel oder Audiodeskriptionen für das Publikum nutzbar zu machen. Früher scheiterte dies oft noch an der Technik der Fernsehgeräte. Gleichzeitig ist das Feld jedoch auch komplexer geworden und neue Schwierigkeiten sind hinzugekommen. Allein die unterschiedlichen Webplayer können für die Audiodeskription neue Probleme bereiten, weiß Dr. Bernd Benecke, Leiter der Abteilung Audiodeskription im Bayerischen Rundfunk. Bei einigen sei es beispielsweise schwierig, die Tonspur zu wechseln – und nur über eine zweite Tonspur kann das Zusatzangebot für Sehbehinderte oder Bilde ausgeliefert werden.

Thomas Schierbaum. Foto: IRT

Thomas Schierbaum. Foto: IRT

Um dieser Schwierigkeit zu entgehen, behelfen sich einige Mediatheken derzeit noch so, dass sie zwei Film-Versionen anbieten: Eine für nicht eingeschränkte Zuschauer und eine mit Audiodeskription. Aber das soll sich in Zukunft ändern. Der Bayerische Rundfunk etwa, berichtet Benecke, wolle seine Mediathek bis Herbst 2016 so aufstellen, dass innerhalb des Film-Menüs eine zweite Tonspur wählbar ist. „Dann kann man wie bei einer DVD auswählen“, sagt Benecke.

Die Beispiele zeigen, wie intensiv sich Forschung, Entwicklung und Medienhäuser mittlerweile mit dem Thema beschäftigen und Lösungsangebote vorantreiben. Eine der größten Errungenschaften stellt für Schierbaum allerdings „die Steigerung der Quote“ von barrierefreien Inhalten dar: Das Erste hat für 95 Prozent der audiovisuellen Inhalte Untertitel und die Hörfilm-Quote liegt bei 41 Prozent.

„Mir fällt immer wieder auf, dass viele Möglichkeiten, die bereits schon existieren, gar nicht so bekannt sind“, sagt Thomas Schierbaum, vom Institut für Rundfunktechnik.

Filme zum Hören

Benecke selbst beschäftigt sich bereits seit 1989 mit dem Thema Audiodeskription und hat darin promoviert. Auf dem Fachsymposium wird der Experte in einem Vortrag einen Überblick zum Thema „Filme zum Hören“ geben. Woher die Technik kommt, wird er dabei ebenso thematisieren, wie deren Entwicklung bis heute. Und, um den sperrigen Begriff der Audiodeskription unkompliziert mit Leben zu füllen, zeigt Benecke einen Film-Ausschnitt. „Dann können sich die Menschen gleich vorstellen, wie das funktioniert“, sagt Benecke.

Das jährlich stattfindende Fachsymposium mit wechselnden Schwerpunktthemen findet 2016 zum siebten Mal statt. Am 29. und 30. Juni diskutieren Vertreter von Rundfunkanstalten und Behindertenverbänden sowie aus Forschung und Entwicklung über die barrierefreie Medienzukunft. Über 100 Gäste werden aus dem deutschsprachigen Raum erwartet.

Eigentlich war das Thema Barrierefreiheit bereist vor zwei Jahren angedacht, verrät Monika Gerber. Aber jetzt nehme es so richtig Fahrt auf. Deswegen sollen die Teilnehmer auch die Möglichkeit haben, „Themen kennenzulernen und ihre eigenen Erfahrungen austauschen“, sagt Gerber. „Wir freuen uns, wenn das Thema nach dem Fachsymposium noch nachwirkt, und die Teilnehmer Inhalte mit in ihren Alltag nehmen können.“