Tobias Krell als Checker Tobi. Foto:BR/megaherz gmbh/Andreas Maluche

Mut zur Menschlichkeit – Tobias Krell erhält Bayerischen Fernsehpreis

Tobias Krell, Moderator des Wissensreportageformats „Checker Tobi“, wird mit dem Nachwuchsförderpreis des Bayerischen Fernsehpreises ausgezeichnet. Er erhält die Auszeichnung für seine „herausragenden Leistungen als Reporter“ in der Dokumentation „Checker Tobi EXTRA – Warum so viele Menschen fliehen“. Tobias Krell moderiert das Kinderwissensformat, welches im Auftrag des Bayerischen Rundfunks von der Produktionsfirma megaherz gmbh produziert wird, seit 2013. Kernzielgruppe sind Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren.

Checker Tobi (links) mit Yasar in der Flüchtlingsunterkunft Bayernkaserne in München. Bild: BR/megaherz gmbh/Esra Bonkowski

Checker Tobi (links) mit Yasar in der Flüchtlingsunterkunft Bayernkaserne in München. Bild: BR/megaherz gmbh/Esra Bonkowski

„In ,Checker Tobi EXTRA – Warum so viele Menschen fliehen‘ erklärt Tobias Krell kongenial mit dem Gastreporter Willi Weitzel sehr einfühlsam, woher die Flüchtlinge kommen, welche Ursachen dazu geführt haben, wie sie nach Deutschland kommen und sogar auch, warum manche Menschen Angst vor Flüchtlingen haben. Im direkten Gespräch erzählen Flüchtlinge, wie es ihnen hier geht und was sie bewegt. Am Beispiel von Kindern aus Flüchtlingsfamilien, die in Flüchtlingslagern im Libanon leben, erfährt man hautnah, wie es ist, dort zu leben. In dieser Sendung gelingt Tobias Krell das Kunststück, auf verständliche Weise zu vereinfachen, ohne wichtige Elemente wegzulassen“, so die Begründung der Jury für die Auszeichnung des Journalisten. Der Preis wird im Rahmen des Festaktes zum 28. Bayerischen Fernsehpreis am 3. Juni 2016 im Münchner Prinzregententheater verliehen. Der Bayerische Fernsehpreis wird seit 1989 von der Bayerischen Staatsregierung für herausragende Leistungen im deutschen Fernsehen vergeben. Dotiert ist der Nachwuchsförderpreis mit 10.000 Euro.

Emotional und ernst zugleich

Checker Tobi (links) mit Jaafar Abdul Karim im libanesischen Restaurant "Manouche" in München. Bild: BR/megaherz gmbh/Hans-Florian Hopfner.

Checker Tobi (links) mit Jaafar Abdul Karim im libanesischen Restaurant „Manouche“ in München. Bild: BR/megaherz gmbh/Hans-Florian Hopfner.

Tobias Krell und sein Team stellten an sich den Anspruch, Kindern eine eigene Meinung zum Thema Flucht zu ermöglichen. „Auch Kinder sind mit dem sehr präsenten Thema Flucht konfrontiert, aber leider wird es ihnen nur selten auf Augenhöhe näher gebracht“, sagt der Preisträger über die Intention der Spezialfolge. „Wir wollten den Kindern eine Möglichkeit geben, sich in der aufgeheizten und unübersichtlichen Debatte zu orientieren und sich durch Wissen darüber ein eigenes Bild zu machen. Dabei wollten wir emotional erzählen und alle Seiten ernst nehmen. Dass uns das gelungen ist, macht mich sehr stolz.“

Die Klärung der relevanten Fragen zum Thema und Krells offene und warmherzige Moderationsweise lebt den Kindern einen vorbildlichen Umgang mit dem Thema Flucht vor. „Besonders einer jungen Zielgruppe“, meint der 30-jährige Journalist, „sollte gezeigt werden, dass nicht über die neuen Menschen im Land geredet werden muss, sondern mit ihnen.“ Prinzipiell gelte es, den Aspekt der Menschlichkeit zu betonen: „Bei Kindern sieht man sehr gut, wie schnell direkter menschlicher Kontakt Ängste zerstört. Es gibt eine menschliche Art und Weise, das Thema zu begreifen. Diese Seite wollten wir in all unseren Begegnungen zeigen.“

Mit Zeit, Genauigkeit und Empathie

Neben Begriffsklärungen, Faktenwissen, Fluchtberichten und der Thematisierung von Ängsten lag der Fokus auch darauf, die ermutigende und weltoffene Perspektive nicht zu verlieren. „Wo viel Ernstes verhandelt wird, müssen Kinder auch lachen können, denn nur mit Spaß lernt man etwas und kann gleichzeitig Angst verlieren. Aus diesem Grund freut es mich auch besonders, dass wir als Kindersendung ausgezeichnet werden. Denn diese offene und positive Sichtweise dürfen auch wir Erwachsene nicht vergessen“, so Krell.

Checker Tobi in seiner vorübergehend in das libanesische Restaurant "Manouche" in Muenchen verlegten Checkerbude. Bild: BR/megaherz gmbh/Hans-Florian Hopfner.

Checker Tobi in seiner vorübergehend in das libanesische Restaurant „Manouche“ in München verlegten Checkerbude. Bild: BR/megaherz gmbh/Hans-Florian Hopfner.

Dass gerade ein Kinderformat prämiert wird, kann als deutliches Zeichen für den Journalismus generell verstanden werden. Johannes Honsell, Projektleiter für „Checker Tobi“ bei der megaherz gmbh und einer der Regisseure der Folge, betont die journalistischen Herausforderungen der Spezialfolge: „Eine besondere Anforderung bestand darin, die komplexe Thematik richtig zu kontextualisieren. Neben der verdienten Auszeichnung für Tobias Krell und unser Team freut es mich sehr, dass wir als Kinderformat für unsere journalistische Leistung ausgezeichnet werden. Denn Kinderfernsehen kann sich noch leisten, was der Erwachsenenjournalismus häufig vernachlässigt: Eine Berichterstattung, die sich Zeit nimmt, mit Genauigkeit und Empathie. Und den Blick auf den einzelnen Menschen richtet, anstatt zu politisieren.“

Zu sehen war die Spezialfolge „Checker Tobi EXTRA – Warum so viele Menschen fliehen“ erstmals am 15. November 2015 im Rahmen des Themenschwerpunkts „Flüchtlingskinder – Deutschland schaut hin“ im Ersten.