„Wir planen das Unplanbare“ – 24h Bayern

Was bedeutet der Begriff Heimat? Mit 100 Kamerateams und drei Hubschraubern möchte der Bayerische Rundfunk dieser Frage nachspüren und begleitet am 3. Juni 2016 für genau 24 Stunden das Leben der unterschiedlichsten Menschen im Freistaat.

„Wir wollen keinen Werbefilm über Bayern machen, sondern abbilden, wie es wirklich ist“, erklärt der Programmbeauftragte des Bayerischen Rundfunks, Andreas Bönte, auf einer Pressekonferenz. Ergebnis solle sein, ein flächendeckendes Zeitdokument abzuliefern. Eines, welches das aktuelle Leben, die großen Themen und Bedürfnisse der Menschen im Freistaat abbildet.

Regisseur Volker Heise. Bild: BR/DOKfest/Maren Willkomm.

Regisseur Volker Heise. Bild: BR/DOKfest/Maren Willkomm.

Protagonisten der 24-Stunden-Dokumentation seien Leute, die ihren Alltag und das Land mit seinen ganzen Facetten zeigen, erklärt der Regisseur des Projekts, Volker Heise, unter dessen Federführung bereits die beiden Projekte „24h Berlin“ und „24h Jerusalem“ entstanden sind.

Entsprechend schwierig war das Auffinden der zahlreichen Protagonisten: Ihre Geschichten sollen zeigen, was Bayern so unverwechselbar macht. Das können Geschichten von Hausfrauen sein, von Kommunalpolitikern, U-Bahnfahrern oder von den Mitarbeitern eines Hospizes. Wichtig sei vor allem, dass es Menschen sind, „denen man auch zugucken will, wenn sie sich die Zähne putzen oder ein Butterbrot schmieren“, so Heise. Denn wie genau der Tag mit den 80 Protagonisten aussehen wird, ließe sich im Vorfeld natürlich nicht steuern, so Heise – was einen gewissen Reiz ausmache: „Wir planen das Unplanbare!“

Ein widersprüchliches Land

Die große Herausforderung von „24h Bayern“ sei im Hinblick auf die beiden Vorgängerprojekte „24h Berlin“ und „24h Jerusalem“ die Tatsache, dass es nicht darum geht, eine Stadt abzubilden, sondern ein ganzes Bundesland, so Heise. Ein Mammutprojekt also, von dem er anfangs gar nicht so sicher war, ob er es stemmen könne. Aus diesem Grund ist der Berliner vier Wochen lang durch Bayern gereist und hat entdeckt, „wie widersprüchlich dieses Land ist“.

Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof. Bild: BR/Philipp Kimmelzwinger.

Flüchtlinge am Münchner Hauptbahnhof. Bild: BR/Philipp Kimmelzwinger.

Die Hilfsbereitschaft der Menschen vor dem Hintergrund der Flüchtlingsfrage etwa hat den Regisseur tief beeindruckt, aufgrund solcher Szenen habe er sich in das Land verliebt. Genauso will er aber auch abbilden, dass es im Freistaat immer weniger Bauern gebe – für ihn ebenfalls ein großes Thema.

Gerade dieser Blick von außen, findet Franz Xaver Gernstl, Geschäftsführer und Produzent der Produktionsfirma Megaherz, sei sehr hilfreich, um Dinge aufzuspüren, die zwar typisch bayerisch, aber doch ungewöhnlich sind. In Kombination mit den einheimischen Beteiligten an der Produktion sei das eine gute Mischung, um den Freistaat filmerisch umfassend abzubilden.

Keine Sekunde verschlafen

Goaßlschnaltzer. Bild: BR/Sonja Herpich.

Goaßlschnaltzer. Bild: BR/Sonja Herpich.

Die beteiligten Regisseure sind genauso breit aufgestellt wie die Protagonisten selbst. Neben bekannten Namen wie Doris Dörrie, Franz Xaver Bogner oder Marcus H. Rosenmüller sind zahlreiche Studenten der Hochschule für Fernsehen und Film in München beteiligt. Eine Tatsache, die Doris Dörrie „besonders freut“. Die Regisseurin ist aufgeregt: „Ich bin großer Fan der beiden 24h-Projekte und wollte unbedingt mitmachen!“ Deshalb lässt sie sich auch nicht von der kurzen Zeitspanne abschrecken, in der alles gedreht werden muss: Von 6 Uhr Morgens am 3. Juni bis 6 Uhr Morgens am 4. Juni. „Ich darf keine Sekunde verschlafen“, stellt Dörrie fest.

Eine weitere Besonderheit der filmerischen Arbeit am Mammutprojekt hat den Regisseur Andreas Veiel überzeugt: „Normalerweise will ich als Regisseur ja bis zuletzt dabei sein und entscheiden, was wie dargestellt wird. Hier muss ich mein Material abgeben und dann wird etwas daraus, das viel mehr ist als mein einzelner Teil.“ Denn wie die 24-Stunden-Doku am Ende aussehen wird, entscheidet das Team von zero one 24 rund um Volker Heise.

Mitmachen! Den eigenen Tag zeigen

Abendhimmel über München.Bild: BR/Philipp Kimmelzwinger.

Abendhimmel über München. Bild: BR/Philipp Kimmelzwinger.

Dieses Team wird nicht nur das Material der 100 Kamerateams verwenden: Als multimediales Projekt wird 24h-Bayern nicht nur filmisch aufbereitet, sondern auch im Hörfunk und als umfassendes Webprojekt mit eigenen Inhalten begleitet. Und: Die Menschen in Bayern sollen direkt miteingebunden werden. Deshalb können am 3. Juni alle ihren Tag in Bild- und Videobeiträgen festhalten und den Machern von „24h Bayern“ zuschicken. Wie das genau funktioniert und worauf man beim Filmen achten muss, wird auf der Projekt-Website oder über die BR24-App erklärt. Die besten Beiträge werden entweder Teil der Dokumentation selbst oder finden ihren Platz auf der Website.

„Selbst mit 100 Kamerateams können wir nicht die Vielfältigkeit des Landes zeigen“, erklärt Heise die Entscheidung für die Beteiligung der Nutzer. „Auf diese Art können wir auch da sein, wo wir nicht sind und jeder hat die Möglichkeit, uns seinen persönlichen Alltag zu zeigen!“ Dem Regisseur liegt die Öffnung des Senders für Beteiligung von außen besonders am Herzen: „Ich möchte etwas anderes reinlassen in die Dokumentation!“

Ausgestrahlt wird „24h Bayern“ genau ein Jahr nach den Drehs – Anfang Juni 2017. Hierfür hat der Bayerische Rundfunk einen ganzen Tag im Programm reserviert – um 24 Stunden pures Leben aus Bayern zu zeigen, um die „Zuschauer zu überraschen und alle zum Staunen zu bringen, die dachten, über Bayern  sei schon alles gesagt und es gäbe nichts neues mehr zu entdecken“, sagt Scheider.

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