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Fernseh-Branche in Bayern

Rund 140 Fernsehsender umfasst das Angebot im Freistaat. Allein der Bayerischen Landeszentrale für Medien (BLM)  werden 95 private TV-Programme zugeordnet, darunter ein Vollprogramm, 15 Spartenprogramme, fünf Teleshoppingsender sowie 29 Pay-TV-Sender. Mit 45 privaten regionalen und lokalen TV-Sendern belegt Bayern deutschlandweit eine der Spitzenpositionen.

Das Angebot reicht von Chiemgau TV über Isar TV, Franken Fernsehen, Stadtfernsehen Herzogenaurach bis hin zu Regional Fernsehen Landshut und OTV, das in großen Teilen der Oberpfalz ausgestrahlt wird. Während RTL in den anderen Bundesländern Deutschlands ein Regionalfenster „öffnet“, läuft das Regionalmagazin in Bayern laut ALM-Jahrbuch der Landesmedienanstalten je nach Region auf einem von 16 regionalen Fernsehsendern.

Eine besondere Rolle kommt dem Bayerischen Fernsehen zu. Er ist nicht nur die älteste Institution seiner Art im Freistaat, sondern in ganz Deutschland. Der Bayerische Rundfunk war der erste Landessender des öffentlichen Rechts, der den in Westdeutschland ausgestrahlten Programmen ARD und ZDF im Jahr 1964 ein eigenes drittes Fernsehprogramm hinzufügte. Dies war insofern revolutionär, als dass es bereits um das Erscheinen eines zweiten deutschen „Vollprogrammes“ – wie es damals hieß – eine erbitterte Auseinandersetzung zwischen der Bundesregierung unter Konrad Adenauer und den Bundesländern mit ihren Landesrundfunkanstalten gegeben hatte.

Der BR strahlte zunächst ein Studienprogramm aus, seit 1967 bekannt als Telekolleg. Durch die Teilnahme am Fern(seh)kurs war es erstmals möglich, einen staatlichen Abschluss zu erwerben  – und das ist noch heute so. Berufsbegleitend kann mit dem heutigen multimedialen Angebot binnen sechs Monaten die mittlere Reife erlangt werden, innerhalb von 16 bis 20 Monaten die Fachhochschulreife. Heute umfasst das Programm des Bayerischen Fernsehens Nachrichtensendungen, Gesprächsrunden, Dokumentationen, Unterhaltungssendungen, Spielfilme und Heimatserien.

Zentrum Unterföhring

Fernsehen im Freistaat wird vor allem in Unterföhring gemacht – einer Gemeinde am nordöstlichen Stadtrand Münchens. Hier hat nahezu alles seinen Sitz, was in der bayerischen Branche Rang und Namen hat: Die Fernsehstudios des BR, das Fernsehstudio München als Tochter des ZDF, die ProSiebenSat.1-Gruppe mit ihren Sendern ProSieben, Kabel 1, N24, der ProSiebenSat.1-Produktion, dem Vermarktungsunternehmen SevenOneMedia sowie Seven Entertainment und SevenOne Intermedia, die Münchner Gesellschaft für Kabel-Kommunikation (MGK), Kabel & Medien Service, das Sport1, Eurosport oder Sky. Ebenso haben sich hier viele Produktionsfirmen niedergelassen – darunter etwa die Neue Deutsche Filmgesellschaft mbH (NDF).

Dass die knapp 11.000 Einwohner zählende Gemeinde zum Medienstandort Nummer eins wurde, ist vor allem auf die Riva Lichttechnischen Betriebe zurückzuführen, die sich in den 1950er-Jahren hier niederließen. Aus dem einstigen Glühlampenwerk wurden die Riva-Studios, die 1962 vom BR übernommen wurden. Der BR war – wie auch das ZDF – zuvor bereits Untermieter. Auch Leo Kirch zog später mit seinem Unternehmen nach Unterföhring und schaffte es von dort aus an die Spitze des europäischen Sportrechtehandels. Die Kirch-Gruppe war bis zu ihrer Insolvenz und der anschließenden Zerschlagung im Jahr 2002 einer der größten deutschen Medienkonzerne. Heute ist die ProSiebenSat1-Gruppe in den Händen einer Investorengruppe.

Der BR unterhält neben Fernsehstudios in Unterföhring und Freimann das Studio Franken in Nürnberg sowie das Regionalstudio Ostbayern in Regensburg und das Regionalstudio Mainfranken in Würzburg.

Auch in Grünwald sind auch viele große Bewegtbild-Unternehmen anässig: Bavaria Film, Bavaria Production Services ebenso wie Cumulus Media oder Constantin Film.

Ausbildung

Die Bayerische Akademie für Fernsehen (BAF) bietet Studiengänge im Bereich TV-Journalismus, Kamera, Schnitt, Animation & VFX und TV-Produktionsmanagement. Gegründet wurde die Akademie 1993 auf Initiative privater Programmanbieter und der BLM. Heute wird sie getragen von einem gemeinnützigen Verein. Ein Drittel des Etats trägt der Freistaat, ein weiteres Drittel Sponsoren und Förderer der Fernsehbranche. Das letzte Drittel tragen die Teilnehmer durch ihre Studiengebühren, die bei derzeit 650 Euro im Monat liegen. Auch die Akademie – die sich als erste deutsche Medienschule auf das Fernsehen spezialisiert hat – hat ihren Sitz in Unterföhring.

Eine weitere wichtige Anlaufstelle ist afk – die Aus- und Fortbildungs GmbH für elektronische Medien. Auch hier gilt die BLM als treibende Kraft, sie ist zudem Mehrheitsgesellschafterin. Anteile halten des weiteren Privatsender sowie Sender des öffentlichen Rechts und diverse Bildungseinrichtungen, darunter die BAF. Bei der afk kann sich der Mediennachwuchs unter professioneller Anleitung ausprobieren – in eigenen Sende- und Produktionsstudios.

Ein großes Ausbildungsangebot bietet auch die Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) in München, an der junge Medienschaffende das Handwerk von Dokumentarfilmern ebenso erlernen können wie das einesFernsehkritikers oder Animations-Spezialisten.

Welche Übertragungswege Fernsehen und Hörfunk morgen gehen, daran forscht in Bayern seit mehr als 50 Jahren das Institut für Rundfunktechnik (IRT) – eines der weltweit größten und bekanntesten Kompetenzzentren für Rundfunk- und Medientechnik. Das IRT mit Sitz in München hat unter anderem maßgeblich an der Einführung von DVB-T mitgewirkt.

Sämtliche Branchengrößen kommen auf den Lokalrundfunktagen in Nürnberg oder den Medientagen München zusammen.