Bunte Magazine. Foto: Pixabay

Printjournalismus im digitalen Zeitalter

Erfreulicherweise werden Printmagazine nicht nur eingestellt, sondern ebenso neue herausgegeben. Kann man somit vom großen Revival des Printjournalismus sprechen? Oder war Print nie weg? Der Versuch einer Einschätzung.

Die Dominanz des Digitalen stellt für den Printjournalismus eine große Herausforderung dar. Teilweise wirkt es, als würde er durch sie untergehen. Gleichzeitig wächst die Vielfalt erfolgreicher und innovativer Nischenmagazine, viele von ihnen werden dabei zur einzigartigen Luxusmarke. Wo positioniert sich der Printtitel heute also?

Fakten, die Bände sprechen

Verschiedene Frauenzeitschriften

Mit Zeit schmökern und wenns schnell gehen muss, online oder mobile informieren: So handhaben es viele Nutzer.

Die Erste Vorsitzende des Verbandes der Zeitschriftenverlage in Bayern, Waltraut von Mengden, weist auf einige Daten hin, die Entspannung signalisieren: „Rund 150 neue Magazine erscheinen jährlich, Vertriebs- und Anzeigenerlöse belaufen sich auf mehr als sechs Milliarden Euro. Leser zahlen jedes Jahr rund drei Millionen Euro für ihre Lieblingstitel.“ Darüber hinaus zeigt auch der Anzeigenmarkt, welche Macht hinter Print steckt: „Jede Anzeige wird circa zweimal gelesen. Anzeigen gelten in Magazinen als schmückend und informativ. Das können andere Medien nicht bieten“, so von Mengden.

Es zeigt sich: Die Relevanz von Print verdeutlicht sich nicht nur in Verkaufszahlen und Erscheinungsdaten, sondern auch im Diskurs um Glaubwürdigkeit, Ästhetik und Imagepflege. Das sind die großen Stärken des Printjournalismus. „Zudem nimmt man in der Gehirnforschung an, dass analoge Medien sehr gut vom Gehirn akzeptiert und verarbeitet werden“, fügt sie ergänzend hinzu.

Das Geheimnis der Exklusivität

So kann auch Anina Veigel sagen: „Ich blicke relativ gelassen auf die Entwicklung der Printmedien.“ Bittet man die Geschäftsführerin des Verbandes der Zeitschriftenverlage in Bayern um eine Analyse der Zukunft von Print, wird deutlich, dass es zu dieser Sichtweise Anlass gibt: „Es ist eine Frage der Informationsqualität, für welches Medium sich entschieden wird. Benötigt man schnell Information, so sucht man diese auf Kanälen, die schnell schießen können. Stehen Qualität, Inspiration oder Imagebildung im Vordergrund, so dominieren Printtitel. Auch wird Zeitschriften laut des Instituts Allensbach eine besondere Kompetenz und Glaubwürdigkeit nachgewiesen“, sagt Veigel. Zudem spreche es deutlich für den Printmarkt, wenn erfolgreiche Onlinemarken wie Amazon, Zalando oder Stylebop für den Customer teure Magazine produzieren, um Kauflust, Image und Umsatz zu fördern.

Print ist, so sieht es Anina Veigel, eine Kulturtechnik: „Nicht unterschätzt werden darf auch der haptische Aspekt – das Blättern kreiert Emotion und Erlebnis.“ Fühlen – eine weitere Geheimwaffe des Printjournalismus: Eine intensive, qualitative und emotionale Verknüpfung geht mit der Botschaft einher.

Die SZ Langstrecke – ein Beispiel für Qualitätsjournalismus

Cover der turi2 edition. Quelle: Turi2

Cover der turi2 edition. Quelle: Turi2

Magazine, die für Exklusivität, Image und Hintergrundinformation stehen und es zudem schaffen, Innovation in den Printjournalismus zu bringen – die gibt es. Die Langstrecke der Süddeutschen Zeitung ist ein solches Magazin. Bestehend aus einer Auswahl der besten Interviews, Essays und Reportagen der Tageszeitung, beinhaltet es ausschließlich lange Lesestücke, sogenannte Longreads. Die Lektüre bietet dem Leser einen Qualitätsjournalismus, der über das Wesen der Dinge nachdenkt.

Mit seiner hochwertig gedruckten „turi2 edition“ geht der Mediendienst turi2 seiner Überzeugung nach: „Wo der Alltag digital wird, wächst die Sehnsucht nach gedruckter Qualität“, wie es in der ersten Ausgabe heißt. Aufgemacht fast wie ein Softcover-Buch oder ein Kunstkatalog erscheint es vier mal im Jahr.

Hier wird erörtert, warum Gelassenheit und Optimismus sehr wichtige Eigenschaften in der heutigen Zeit sind, wie Facebook sich in alle Bereiche des Lebens drängt oder warum deutsche Torwarte seit Jahrzehnten so herausragende und außergewöhnliche Fußballspieler sind. Anspruch, Qualität und Philosophie – das Magazin vereint all das, was einen modernen Printjournalismus kennzeichnen muss, sollte er sich wirklich dem Kampf mit dem Digitalen stellen müssen.

Hoheitliche Funktion der Kritik und Einordnung

Nicht alle sehen eine erdrückende Konkurrenz zwischen Print- und Onlinejournalismus.„Print war nie weg“, so etwa Sabine Resch, Studienleiterin für Modejournalismus und Medienkommunikation an der Akademie Mode und Design München. Sabine Resch ist an der AMD auch für crossmediale Magazinentwicklungen verantwortlich. Ihre Arbeit ist digitaler und gedruckter Journalismus, und so sagt sie: „Nicht scrollen oder blättern, sondern scrollen und blättern muss es heißen. Jedes Medium hat seine Zeit.“

Gerade Modemagazine dienen als Beispiel für die Bedeutsamkeit von Print. Für Resch sind sie die Flaggschiffe des Printjournalismus. Denn: Sie entschleunigten, seien Stilberater, Lieferant von Ästhetik und Bildwelten, die in dieser Form kein anderes Medium liefere, so Resch. Der Onlinejournalismus könne diese Funktion nicht ersetzen, wie Sabine Resch am Beispiel der Modeblogszene erklärt: „Die Modeblogger, die die großen Modejournalistinnen von ihren Printplätzen verdrängen wollten, sind vielleicht als Autoren dazugekommen, aber verdrängt haben sie niemanden. Und sie haben zudem eine andere Richtung eingeschlagen, da sie häufig Unternehmer und Designer geworden sind. Hinsichtlich Modekritik, Einordnung und Stilberatung bleibt Print führend“, so die Studienleiterin.

Im digitalen Zeitalter bietet der Printjournalismus also nach wie vor geschätzte Qualitäten, die ihm der Onlinejournalismus nicht strittig macht. Ob sich der Leser für Print oder Online entscheidet, wird sich daher zukünftig wohl noch mehr am Thema und der zur Verfügung stehenden Zeit entscheiden.