Susanne Rath auf der Fachtagung Medien 2016. Foto: Marita Reich

Responsives Radio – zukunftsweisende Innovationen

Radio ist nicht sexy. Verstaubt, veraltet, starr, linear – das sind die Attribute, mit denen sich das Medium herumschlagen muss. Aber sind sie auch berechtigt? Auf der Fachtagung Medien im Kloster Banz berichtet Susanne Rath, die Geschäftsfeldleiterin Online und Ton des Instituts für Rundfunktechnik, wie neue Endgeräte die Art des Programms beeinflussen und warum responsives Radio die Zukunft ist.

Radiohören hat seine Vorteile: Das bequeme „Lean-back-Bedürfnis“ von Hörern wird befriedigt. Durch die direkte Ansprache durch Moderatoren lässt sich ein Live-Empfinden generieren und neue digitale Möglichkeiten und Kanäle wie Facebook oder WhatsApp erlauben es Hörern sich bei Bedarf aktiv einzubringen.

Wäre da nur nicht die Problematik der Liederauswahl. Denn da das Programm den Geschmack eines breiten Publikums befriedigen muss, kann es gut sein, dass zwischendrin ein Titel kommt, den man einfach nicht hören möchte. So gar nicht. Wie schön wäre es da, einfach etwas anderes hören zu können, bis der Titel vorbei ist – und das, ohne den Sender zu wechseln. Geht nicht? Geht doch, sagt Susanne Rath.

Susanne Rath vom IRT auf der Fachtagung Medien 2016. Foto: Marita Reich

Susanne Rath vom IRT auf der Fachtagung Medien 2016. Foto: Marita Reich

Musik-Skipping ist bereits Jetzt-Zustand

Eine der Funktionen, die sich viele Menschen vom Radio wünschen, sei das Skipping, so Rath. Hier hat das Institut für Rundfunktechnik (IRT) Abhilfe geschaffen und für DAB+-Radios eine Skipping-Funktion entwickelt. Diese erlaubt es dem Hörer, auf einen Song von der Platte zu wechseln, wenn ihm ein Lied aus dem linearen Programm nicht gefällt. Das, so Rath, könne man beliebig lang forttreiben – um schließlich problemlos zurück ins lineare Programm zu springen.

Diese Entwicklung geht hin bis zu individuellen Empfehlungen, die nach den Vorlieben des Nutzers abgestimmt sind. Und das Skipping funktioniert nicht nur bei Songs, sondern auch bei Wortbeiträgen. „Wenn klar ist, dass jemand Sport nicht mag, kann ihm hier etwas anderes empfohlen werden, um den ungeliebten Programmteil nicht hören zu müssen“, erklärt Rath. Zukunftsmusik? Mitnichten. „Technisch ist das der Jetzt-Zustand“, so Rath.

Zukunftsmusik: Responsives Radio

Doch auch die Zukunftsmusik liegt gar nicht so weit in der Ferne, wie man vielleicht meinen mag. Die nächste Revolution im Audio-Bereich, sagt Rath, sei bereits in vollem Gange – und treibt die Personalisierung des Radioprogramms weiter.

2016 fand die Fachtagung Medien im Kloster Banz statt. Foto: Marita Reich

2016 fand die Fachtagung Medien im Kloster Banz statt. Foto: Marita Reich

Ausschlaggebend für das Radio der Zukunft werde responsives Radio sein, ein quasi mitdenkendes Radio-Programm. Die Inhalte passen sich flexibel an den technischen Ausspielweg und die Hörervorlieben an. So kann beispielsweise ein Radio-Feature in unterschiedlicher Länge ausgespielt werden – etwa in einer fünf-, zehn- oder 20-minütigen Variante. Je nachdem, wie viel Zeit der Hörer hat, kann er sich das Wichtigste zusammengefasst anhören oder hintergründige Informationen bekommen. Auch an Komponenten von außen, wie das Wetter oder den Ort an dem sich der Hörer befindet, könne sich das Radio-Programm anpassen und reagieren – etwa durch eine Lautstärkeregelung.

Was sehr theoretisch klingt, hat die BBC bereits in der Praxis ausprobiert, berichtet Rath auf der Fachtagung Medien, die das MedienNetzwerk Bayern jährlich mit dem MedienCampus Bayern und der Hanns-Seidel-Stiftung veranstaltet: Mit einem Hörspiel, dessen Inhalt der Hörer individuell an den Ausspielweg anpassen kann.

Die Länge des Hörspiels lässt sich vom Hörer frei bestimmen. Als technische Voraussetzung, so Rath, müssten dazu zahlreiche Audioobjekte einzeln erstellt werden. Das ermögliche eine variable Aneinanderreihung von Inhalten – ähnlich eines Baukastensystems. Von der inhaltlichen Perspektive gelte es dann zu planen, welche Bausteine sich aneinanderhängen lassen, um eine stringent erzählte Geschichte zusammenzustellen, die sowohl in ihrer kurzen, als auch in ihrer langen Ausführung schlüssig ist.

Dass diese Revolution eine sein wird, die nicht von heute auf morgen passiert, ist Rath durchaus bewusst: „Die Technik wird eine riesige Herausforderung und die Produktion wird sich sehr verändern. Die Frage ist eben, wo und womit wir anfangen. Denn die technischen Mittel sind da – spannend wird das Storytelling dahinter.“