Hogn: Mützen-Versteigerung. Foto: Dahogn

Da Hog´n: Journalistischer Erfindergeist im Bayerischen Wald

Mit dem Onlinemagazin „da Hog‘n“ ging am 10. Juni 2012 ein gewagtes Projekt ans Netz. Unabhängiger Lokaljournalismus im bayerischen Wald war das Ziel, die Ressourcen waren begrenzt, der Anspruch groß. Nun feiert das Magazin seinen vierten Geburtstag. medien.bayern hat seine Macher in Freyung besucht und Einblick erhalten in ein ebenso originelles wie geschäftstüchtiges Konzept.

Angefangen hat alles im Schlafzimmer von Stephan Hörhammer. Im Juni 2012 räumte er dort ein Eck für einen Schreibtisch frei, schloss ein Telefon an und mietete eine Domain. Kurze Zeit später ging „da Hog‘n“ online, das „Onlinemagazin aus´m Woid“, und für Hörhammer und Mitgründerin Dike Attenbrunner begann ein arbeitsreiches erstes Jahr. „Das war ein relativer Schuss ins Blaue“, erzählt Stephan Hörhammer offen.

Hörhammer. Foto: dahogn

Stephan Hörhammer. Foto: da Hog´n

Nach einem Volontariat und einer einjährigen Festanstellung war der Journalist damals auf der Suche nach einer neuen Perspektive. Da kam ihm und Attenbrunner die Idee zu einem Onlinemagazin mit Regionalbezug, angesiedelt im Bayerischen Wald, geschaffen für den Bayerischen Wald. Als Namensgeber wählten sie den „Hog’n“, einen Stecken, in den früher zur Nachrichtenüberbringung von Haus zu Haus ein Zettel gesteckt wurde. Drei Monate gingen die beiden in Klausur, recherchierten im Netz und beantragten den Existenzgründerzuschuss, parallel dazu baute ein Freund die Seite.

Nah dran an den Menschen

Der Anspruch war von Anfang an klar: „Wir wollten mit dem Hog‘n anders auf die Dinge schauen und über Themen schreiben, die die Menschen hier bewegen“, so Hörhammer. „Hier“ bedeutete: Im Landkreis Freyung-Grafenau, seiner Heimat und jener des Kollegen Helmut Weigerstorfer, der bald mit im Boot saß und Dike Attenbrunner ablöste, die aus familiären Gründen nach dem ersten Jahr ausstieg. „Wir kennen hier fast jeden Stein“, sagt Weigerstorfer und dementsprechend nah dran sind sie an den Menschen vor Ort.

Hörhammer und Weigerstorfer v.l.n.r. Foto: Dahogn

Stephan Hörhammer und Helmut Weigerstorfer v.l.n.r. Foto: da Hog´n

Die Themenschwerpunkte auf der Seite haben sie klassisch gesetzt. Da findet sich die Lokalpolitik ebenso wie ein Kulturressort und ein Wirtschaftsteil. Das Besondere daran ist der jeweilige Titel und die Auswahl der darunter enthaltenen Geschichten. Das Feuilleton nennt sich „Kultur-Hog’n“, die Lokalpolitik steht unter „So schaut’s aus“ und nicht selten findet sich der bayerische Dialekt auch in den Texten.

„Wir haben von Anfang an großen Wert auf Authentizität gelegt“, sagt Hörhammer und bis heute würden jene Geschichten am meisten gelesen, in denen es „menschelt“ und besondere Typen aus der Region porträtiert werden. Die Leserschaft kommt folglich auch zum großen Teil aus dem Bayerischen Wald oder aber es handelt sich um „Exil-Waidler“, wie Hörhammer und Weigerstorfer sie nennen, Leute also mit Bezug zur Region, die mittlerweile an anderen Orten arbeiten und sich nach ihrer Heimat sehnen.

Nur ein Bereich hat sich verändert

Äuch die Tegernseer Stimme hat sich in Bayern als regionales und unabhängiges Onlinemagazin durchgesetzt.

Ihrem inhaltlichen Konzept sind die „Hognianer“ in den vier Jahren seit der Gründung weitgehend treu geblieben, einzig die Finanzierung hat sich geändert. Während sie anfangs noch begleitend als PR-Agentur arbeiteten, finanziert sich die Seite mittlerweile ausschließlich über Werbeeinnahmen. Firmen aus der Region schalten Banner auf der Website, Lokale ums Eck bewerben ihre Spezialitäten.

Um das zu erreichen, sind die Journalisten in völlig neue Rollen geschlüpft: „Wir waren nicht mehr nur Geschichtenerzähler, sondern auf einmal auch Geldeintreiber und Bittsteller“, so Hörhammer. Anfangs war das eine große Umstellung, zumal sie mit ihrem Magazin ein völlig neues Produkt zu vermarkten hatten. Mittlerweile ist das zur Routine geworden, man kennt den „Hog’n“ in der Region und der Erfolg spricht für sich: Zwei Vollzeit-Redakteursstellen werden von den Einnahmen finanziert, darüber hinaus die Miete fürs Büro und die Honorare für die freien Mitarbeiter.

Weigerstorfer in der Redaktion. Foto: Dahogn

Helmut Weigerstorfer in der Redaktion. Foto: da Hog´n

Durchschnittlich drei Texte gehen bei „da Hog‘n“ heute täglich online, stets beworben in den sozialen Medien von Twitter bis Instagram. Außerdem bespielt das Magazin in unregelmäßigen Abständen einen Youtube-Kanal mit kleinen Videos. Die wichtigste Rolle nimmt allerdings Facebook ein. Über 12.000 Fans hat der Hog‘n hier mittlerweile und für Hörhammer ist klar: „Facebook ist das A und O für die Verbreitung“. Zudem ist es für die Journalisten ein wesentlicher Kanal, um mit ihren Lesern in Kontakt zu kommen.

Stefan Aigner, der mit regensburg-digital selbst ein Onlinemagazin betreut, hat „da Hog‘n“ von Beginn an mitverfolgt und schätzt das Magazin insbesondere aufgrund seiner journalistischen Arbeit inmitten eines Gebiets, in dem die Passauer Neue Presse ansonsten eine klare Monopolstellung einnimmt. Für Aigner steht „da Hog‘n“ für „gut geschriebenen und recherchierten Journalismus mit Haltung“.

Regionale Gegenstimme

So stellt er fest: „Das Onlinemagazin greift vernachlässigte Themen auf, kommentiert spitz und pointiert und schreckt auch nicht davor zurück, der Passauer Neuen Presse mal ein wenig auf die Zehen zu treten. Zusammen mit dem Passauer Bürgerblick ist der Hog‘n dringend notwendiges Korrektiv und Ergänzung, um die Unterversorgung mit Information und Einseitigkeit der PNP-Berichterstattung aufzubrechen.“

Vier Jahre nach dem improvisierten Start im Schlafzimmer sitzen die Macher von „da Hog‘n“ heute in einem modern eingerichteten Büro in Freyung. Interviewpartner werden am Besprechungstisch empfangen, an den Wänden prangen das geschliffene Logo und großformatige Fotos vom Bayerischen Wald. Der Hog‘n hat sich etabliert. Happy Birthday!