GamifyCon 2016. Foto: Franziska Baur

GamifyCon: Spielerisch die Wirtschaft ankurbeln

Als reine Freizeitbeschäftigung werden Games schon lange nicht mehr angesehen. Längst haben verschiedene Wirtschaftszweige diese Industrie als interessanten Wachstumsfaktor mit großem Potential für sich entdeckt. Spiele werden nicht mehr nur als privater Spaßfaktor, sondern als wirtschaftliche Größe wahrgenommen. Wie sich vorhandenes Potential nutzen und neues fördern lässt, hat die GamifyConference 2016 gezeigt.

„Die bayerische Games-Industrie hat 220 Firmen mit über 2.000 Beschäftigten, davon 64 Prozent in München“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft Bertram Brossardt in seiner Eröffnungsrede in München vor einem gefüllten Saal. Und Serious Games hätten einen echten wirtschaftlichen Nutzen, auch für den Mittelstand. Dieses Genre lässt sich für fast jede Branche und Industrie nutzen – und dabei auf spezifische Bedürfnisse ausrichten.

Im medizinischen Bereich etwa können Serious Games sowohl die Therapie unterstützen als auch die Datenerhebung, die zu einer genauen Diagnose beitragen kann. Ein konkretes Beispiel dafür ist etwa die in Kanada eingesetzte App Pain Squad, die für krebskranke Kinder konzipiert ist. Darüber hinaus können sie auch im Automotive- oder Bildungsbereich zur Wissensvermittlung beitragen.

SickKids Pain Squad iPhone App

Mit dem Klick auf den Playbutton wird das YouTube Video geladen und Daten an YouTube übersendet. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

„Unternehmen setzen auf Spiele, um Kunden zu begeistern, Mitarbeiter zu motivieren und Wissen zu vermitteln“, sagt Brossardt. Gerade für mittelständische Unternehmen kann dies in der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften eine hilfreiche Rolle spielen – etwa wenn es darum geht Prozesse, Abläufe, Strukturen und Systeme verständlich zu machen.

Komplexes verständlich machen

Prof. Dr. Jochen Koubek von der Universität Bayreuth sieht den großen Vorteil gerade darin: Serious Games erleichterten es, Systeme begreiflich zu machen. Und genauer betrachtet, bestimmen viele Systeme unseren Alltag. Angefangen beim Straßenverkehr über betriebswirtschaftliche Abläufe, bis hin zu politischen Prozessen. Sie alle beruhen auf einem gewissen, komplexen System, das es zu durchdringen gilt. Mit sogenannten ernsthaften Spielen kann das „Verhandeln von Möglichkeiten und Suchen nach Lösungen“ spielerisch erlernt werden, so der Medienwissenschaftler.

Prof. Dr. Dirk Heckmann, Jurist Games-Expertise. Foto: Franziska Baur

Prof. Dr. Dirk Heckmann, Jurist mit Games-Expertise. Foto: Franziska Baur

Der Jurist Prof. Dr. Dirk Heckmann, von der Universität Passau, hält diese Art von Games geeignet, um Datenschutzerklärungen für Nutzer besser verständlich zu machen. Bislang sind diese in langen, kryptisch formulierten Texten zu finden. Nutzer akzeptieren diese oft ungelesen, weil sie das Gefühl haben, sie sowieso nicht verstehen und durchdringen zu können.

Mit einem Serious Game jedoch, davon ist Heckmann überzeugt, ließe es sich ermöglichen, dass sich Nutzer mit den Inhalten auseinandersetzten und diese auch verstünden. Die neue EU-Datenschutz-Verordnung, über die im Frühling 2016 entschieden wird, verleiht seiner Idee Vorschub. Sie will von Konzernen fordern, Nutzungsbedingungen zukünftig anders zu gestalten und zwar leicht und verständlich. Serious Games könnten genau dazu beitragen, meint Heckmann.

Im Haus der Bayerischen Wirtschaft zeigte sich am 23. Februar mehr als deutlich, wie viele Lebens- und Wirtschaftsbereiche von Serious Games beeinflusst und möglicherweise verbessert oder vereinfacht werden können. Motivation genug für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft die Konferenz gemeinsam mit GAMIFY now!, den Partnern Games Bavaria Munich e.V. und dem GAME-Bundesverband der deutschen Games-Branche zu veranstalten.