Effekt, voll! Animation made in Bavaria

Großes Kino braucht häufig aufwendige Effekte. Visual Effects können heutzutage als am Computer animierte Bilder wie real gedrehte Sequenzen wirken. Die VFX-Spezialisten für hochwertige und kostspielige Kino-Produktionen sitzen auch in Bayern. Das haben jetzt auch Politik und Filmförderer erkannt.

Wenn Michael Mielke, Produktionsleiter bei Scanline VFX, davon spricht, dass vieles noch am Anfang,  noch „in der Timing- und Layoutphase für das Screening“ steht, sind vorher bereits Monate des Verhandelns, Besprechens und Berechnens vergangen. Denn in den Screenings steckt die Arbeit einer Kooperation für ein Werk, das  Kinozuschauer dieses Jahr im Sommer als aufwendig animierte Filmsequenzen in The Lake bestaunen können. Lange bevor der amerikanisch-französische Film, produziert von Luc Besson, in den Kinos anläuft, sitzen die VFX Artists der Münchner Firma Scanline VFX  an den ihnen auferlegten Sequenzen, die sie für spezielle Storyelemente und Showdowns am Computer animieren.

Als eine der in Bayern ansässigen Spezialfirmen für Visual Effects hat sich das 1989 gegründete Unternehmen als Spezialist für Effekte mit Wasser, Feuer, Rauch und Flüssigkeiten etabliert und sich damit einen Namen gemacht.  Mit dieser Expertise sind sie auch für die Produktion von „The Lake“ als VFX-Partner angefragt worden. „Die Qualität, die man schon mal für spezielle Bereiche geliefert hat, ist das, was einen auszeichnet und womit man auch zeigt, dass man an diesen Stellen etwas besonders gut kann“, erzählt die Mit-Begründerin der Firma, Stefanie Stalf.

Mit komplexe Wasseranimationen hat sich Scnaline VFX einen Namen gemacht. Quelle: Scanline

Mit komplexe Wasseranimationen hat sich Scnaline VFX einen Namen gemacht. Quelle: Scanline

Ein Großteil des Films entsteht mittlerweile am Computer

Auf Expertise und Erfahrung kann auch Christian Sommer, CEO bei der Münchner VFX-Firma Trixter, zurückblicken. In zahlreichen US-Produktionen und nationalen Projekten haben sich Christian Sommer und das internationale Team von Trixter als verlässlicher Partner im VFX-Bereich bewiesen. „Im Gegensatz zu Realdrehs ist die Allokation der einzelnen virtuellen Drehs sehr viel leichter. Wir können quasi über Nacht ein Bit-Package kriegen und ein Angebot abgeben und theoretisch direkt anfangen, an einem Projekt zu arbeiten. Die gesamte Logistik des Realdrehs fällt bei unserer Arbeit  weg“, erzählt Christian Sommer.

Grund genug für ihn, sein Geschäftsfeld so gut wie möglich unterstützt zu wissen. „VFX-Budgets sind leicht skalierbar. Der Produzent kann Aufträge auf verschiedene Firmen verteilen. Daher ist es einfacher, mit Hilfe von Fördergeldern möglichst große Bit-Packages zu bekommen.“ Was nach oder während dem Realdreh an Arbeit im Bereich Visual Effects anfällt, bearbeiten bei großen internationalen Produktionen häufig 20 bis 30 Leute, in Hochzeiten auch mal 80 bis 90 Mitarbeiter pro Firma über Monate hinweg.

„In Deutschland begreift man unter dem Begriff Film häufig zuerst einmal den Regisseur, den Star auf dem roten Teppich, das Set, an dem gedreht wird, die Scheinwerfer und die Kamera. Bei Filmförderung meint man dementsprechend dann den Realdreh. Erst im Schlepptau möglicher Förderungen konnte häufig dann erst VFX gemacht werden“, sagt Stefanie Stalf. Heute entstehen Filme allerdings häufig in großen Teilen am Computer. Auch deswegen beauftragen die Filmproduktionen im VFX-Bereich gleich mehrere Firmen.

Animation Trixter. Quelle: Trixter Film

Animation Trixter. Quelle: Trixter Film

Im globalen Wettlauf um Aufträge

Die größeren Kuchenstücke sind dabei in den letzten Jahren immer häufiger im Ausland verschlungen worden. In Neuseeland oder Kanada, wo man sich für eine automatische, nicht begrenzte Förderung für VFX auf Steuerbasis stark gemacht hat, ist die Sicherheit für den Produzenten, Fördergelder zu bekommen, erheblich größer als in Deutschland. „Im Zuge einer globalen Entwicklung bei der Filmförderung und der VFX-Förderung haben sich Standorte wie Kanada, Australien oder Neuseeland entwickelt, die sich durch eine sehr offensive Förderstruktur das Know-how und die technischen Möglichkeiten ins Land holen wollten“, mussten auch Stefanie Stalf und ihr Team spüren. Die attraktiven Arbeitsplätze waren plötzlich im Ausland zu finden. Spezialisten waren abgewandert, die großen Projekte in Sachen Visual Effects fanden hauptsächlich dort statt.

Moderne Filmtechniken in Bayern nach vorne bringen

In Bayern hat man das erkannt. Der FilmFernsehFonds Bayern hat im vergangenen Jahr, nachdem die Branche immer wieder auf das Missverhältnis hingewiesen hatte, größere Fördermittel im VFX-Bereich frei gemacht. Auch Stefanie Stalf hatte immer wieder geunkt. „In den letzten Jahren wurde klar, dass der Standort hier unter den bis dato gegebenen Strukturen in Know-how und Potential immer weiter gegenüber anderen Standorten verliert.“

Der Film The Lake mit einer Fördersumme von 275.000 Euro für die Visual Effects konnte so auch im engen Budgetrahmen von Scanline VFX umgesetzt werden. Das half Scanline VFX und hilft der Branche in Bayern. „Wir können jetzt auch gleich im Erstgespräch klarmachen: Wir können auch bei Filmförderern einreichen“, sagt Michael Mielke. Für die VFX-Arbeit von Trixter am Film Captain America: Civil War gab es sogar 450.000 Euro Förderung. Christian Sommer sieht das als klaren Schritt nach vorne, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. „Wir haben jetzt zusätzlich die Förderung für digital bearbeitete Produktionen. Das gibt uns schon noch einmal einen Push in Bayern. Das muss man ganz deutlich sagen.“

CAPTAIN AMERICA 3: CIVIL WAR Trailer German Deutsch (2016) The First Avenger 3

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Ein Schub für die Branche

Eine Garantie auf Fördergelder gibt es auch in Bayern zukünftig nicht. Aber allein die Aussicht, Fördergelder beantragen und bei Produzenten in Aussicht stellen zu können, kann der Branche helfen, sind sich die Beteiligten einig. „Ich habe großes Vertrauen darauf, dass sich diese Förderung für die VFX-Branche in Bayern verstetigen lässt. Das wird auch in den USA gehört“, sagt Christian Sommer.

Einer der großen VFX-Events, der animago, zieht in diesem Jahr um von Babelsberg nach München. Ein Event, bei dem sich wie üblich die Branche trifft und über sich und die Zukunft spricht. Für Stefanie Stalf sind das auch „politisch gesetzte Signale, die zeigen, dass wir es hier ernst meinen. Wir wollen Bayern hier auf dem technologischen, dem hoch digitalen Sektor nach vorne bringen und an der Spitze halten.“ Ein Auftakt, der Schule machen soll, wenn es nach den Spezialisten der animierten Bilder geht.