Adnymics

Gewinnertypen: Das Münchener Startup Adnymics

Mit seiner weltweit einzigartigen Target-Packaging-Innovation mischt das junge bayerische Startup Adnymics Druckerbranche, Onlineshop-Versandhandel und Werbewelt gleichermaßen auf: Onlinehändler erzielen durch individualisierte und vollautomatisch produzierte Print-Paketbeileger höhere Umsätze und stärkere Kundenbindung. Ein Besuch bei Werbepionieren in Poleposition.

Wenn Daniel Kirin, Head of Marketing bei Adnymics, einem Besucher die Tür öffnet, sieht dieser zunächst einmal eine Großleinwand, eine Spielekonsole und eine schwarzgraue Couch auf einem knallblauen Teppich. Man merkt gleich: Bei Adnymics geht es innovativ und irgendwie besonders zu. Das 14-köpfige Team um die drei Gründer Florian Kaufmann, Dominik Romer und Dr. Markus Grimm mit Sitz in München und neuerdings auch in Berlin hat eine weltweit einzigartige Unternehmensidee, die von Bayern aus ordentlich Farbe in die Druck- und Werbewelt bringt.

Gezieltes Werben und optimiertes Shoppen

Adnymics-Geschäftsfuehrer. Foto: Adnimicy

Adnymics-Geschäftsführer: Florian Kaufmann, Dominik Romer und Dr. Markus Grimm Foto: Adnymics

Mit ihrer Intelligent-Printvertising-Strategie liefern die Münchener Pioniere für Online-Versandhändler eine selbst so betitelte All-in-one-Lösung, die den Händlern einen Vorsprung im Wettbewerb verspricht sowie deren Kunden ein zielführenderes Shopping garantiert: Eine von Adnymics entwickelte Empfehlungssoftware analysiert anonymisiert das Surf- sowie Kaufverhalten der Bestellkunden. Der Händler kann daraufhin individuelle Produktempfehlungen für jeden Käufer erstellen, drucken und beim Verstand der Bestellungen beilegen.

Der Eigenbeileger ist optisch ansprechend gestaltet und erinnert mehr an ein hochwertig produziertes Magazin als an eine gewöhnliche Werbebeilage. „Die Beileger werden just-in-time gedruckt. Das Drucksystem inklusive Druckhardware stellen wir ebenso, es wird im Lager oder beim Fullfilment-Dienstleister aufgestellt“, so der 27-jährige CEO Dominik Romer, der aus dem Allgäu stammt und seit seinem achtzehnten Lebensjahr Unternehmer ist.

Der Christbaumeffekt

Wie kommt man als junger bayerischer Unternehmer auf so eine Idee? Den Gründern erschienen – wie es bei Revolutionären nun einmal ist – die klassischen Wege der Druck- und Werbewelt etwas rostig. Sie suchten nach einem innovativen Geschäftsmodell, das aus beiden Welten, der analogen und digitalen, das Beste herausholen kann. „Das Auspacken eines Pakets ist ein sehr emotionaler Werbeplatz“, meint Romer. Und wie es sich für einen gewieften Jungunternehmer gehört, liefert er gleich ein Beispiel mit Aha-Effekt: „Es gibt Studien, die zeigen, dass der Entpackmoment sogar im Fashion-Bereich emotionaler ist als das tatsächliche erste Tragen des Kleides.“

Um Kreativ zu sein, darf Span nicht fehlern. Auch nicht am Arbeitsplatz. Foto: adnymics

Um Kreativ zu sein, darf Spaß auch am Arbeitsplatz nicht fehlen. Daniel Kirin beim Konsolenspiel mit einem Kollegen Foto: Adnymics

Dominik Romer nennt das den „Christbaumeffekt“ – der Entpackmoment ist so stark mit Gefühlen konnotiert, dass sich mit ihm sehr gut werben lässt. Dieser Moment wird aber analog beworben, denn Printwerbung ist sehr effektiv. „Wir werben nicht penetrant, da wir gedruckt werben“, sagt CEO Romer. „Es gibt einen gezielten, effektiven Moment für das Retargeting, der eine viel höhere Wirkung erzeugt als im Internet, weil der Konsument hier aufgeschlossener für Werbung ist. Gleichzeitig bieten wir Privatsphärenschutz. Werbung verfolgt dich nicht überall, wie sonst im Netz, sondern nur in dem Moment, in dem du dich sowieso damit beschäftigst.“

Gute On-Off-Beziehung

Datenschutz, Datenspeicherung, Privatsphäre. Große Worte, mit denen sich das Unternehmen auch auseinandersetzen muss. Schließlich nutzt Adnymics mit seiner Software gezielt Daten und kommerzialisiert sie. Oder? „Wir nutzen die Daten, die der jeweilige Versandhandel bereits hat und erfassen diese auf einem Server, der sich beim Online-Händler befindet. Jeden Tag wird man mit einer Vielzahl von Werbebotschaften regelrecht bombardiert, online sowie offline, und wir helfen, zielorientiert zu konsumieren und das zu zeigen, was die Konsumenten effektiv interessiert“, so Marketingleiter Daniel Kirin. „Die Menge der Werbebotschaften wird reduziert, die Streuverluste werden minimiert.“

Preisgekrönte Revoluzzer

Flur Adnymics. Foto: adnymics

Flur Adnymics. Foto: adnymics

Und der Rest der Welt gibt Adynmics Recht: Martin Oser, Kommunikationsleiter des Verbands Druck und Medien Bayern, schätzt das bayerische Startup so ein: „Adnymics ist ein sehr gutes Beispiel, wie etablierte Geschäftsmodelle ergänzt beziehungsweise neue Geschäftsideen entwickelt werden, um Kunden der Druckindustrie in Zukunft noch besser bedienen zu können, was wiederum die Zukunftsaussichten in der Druckindustrie entscheidend verbessert.“

Für sein Geschäftsmodell erhielt das junge Startup deswegen auch den Druck und Medien Award in der Kategorie „Innovativstes Unternehmen des Jahres 2015“. „Dabei ging es hauptsächlich um innovative Unternehmenspositionierung, die Umsetzung neuer Geschäftsideen und die Entwicklung oder Realisierung innovativer Technologien oder neuer Produkte“, so Oser.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass man sich am Ende des Besuches, wenn man wieder auf dem knallblauen Teppich steht und sich verabschiedet, denkt: Die haben es echt rundum drauf. Gewinnertypen eben.