Ego-Shooter und PR-Rebellion – Maxi Gräff im Interview

Maxi Gräff bleibt im Gedächtnis: Mit ihren langen rosa gefärbten Haaren fällt die 31-Jährige auf – und auch ihr Hobby ist eher ungewöhnlich. Denn Maxi ist leidenschaftliche Gamerin – und seit Oktober 2015 Xbox- und Games-Communication-Managerin bei Microsoft in München. Im Interview verrät Maxi, wie es ist als Frau in der Gamesbranche, weshalb sie ein leidenschaftlicher Fan des Ego-Shooters Halo ist, und warum man Konsolenspiele spielen lernen muss.

Maxi, was genau macht ein X-Box- und Games-Communication-Manager?

Maxi Gräff: Eigentlich bedeutet das PR-Manager. Ich bin verantwortlich für die PR auf allen Plattformen. Direkt in meinen ersten beiden Monaten bei Microsoft zum Beispiel kamen die Spiele Halo 5 und Rise of the Tomb Raider raus. Wir wollten den Fans die Chance geben, die beiden Titel schon vorab zu spielen und haben in Hamburg, Berlin und München Veranstaltungen organisiert. Wir haben die Veranstaltung beworben, Leute eingeladen und vor Ort habe ich zusätzlich noch moderiert.

Kutschfahrt durch Berlin: Maxi Gräff und der Masterchief

Kutschfahrt durch Berlin: Maxi Gräff und der Masterchief. Foto: Xbox

Von der Veranstaltung in Berlin gibt es ein Foto, auf dem du ganz romantisch mit dem Master Chief aus Halo Kutsche fährst. Was hat es damit auf sich?

Gräff: Wir haben zwei Walking Acts für die Events engagiert: Lara Croft und den Master Chief. Das Kostüm für den Master Chief wurde auch in der Real Life Serie Halo 4: Forward Unto Dawn genutzt und kostet mehrere tausend Euro. Der Mann, der in dem Kostüm steckte, konnte aber nicht länger als fünf Minuten drinbleiben, weil es superheiß ist. Er war sehr professionell und hat vor den Fans nicht einmal den Helm abgenommen. Wir hatten ein Taxi bestellt, um von A nach B zu gelangen – das Taxi kam allerdings nicht. Am Ende habe ich dann gesagt: Wir verlassen uns jetzt nicht auf das Taxi, wir nehmen die Kutsche!

Warum die Entscheidung für die PR-Branche?

Gräff: PR wollte ich eigentlich schon immer machen. Ich habe Medienmanagement mit der Fachrichtung PR und Kommunikation studiert. Meine Mutter und mein Stiefvater sind beide Journalisten – es war meine kleine Rebellion, in Richtung PR zu gehen.

Maxi und Mario © privat

Maxi und Mario. Foto: privat

Im Anschluss an mein Studium habe ich aber doch erst einmal eine andere Richtung eingeschlagen und war sechs Jahre als Redakteurin sowie Host und Producer bei der IDG Entertainment Media GmbH tätig.

Ich habe zu der Zeit auch schon Videospiele geliebt und wollte in dieser Branche Fuß fassen. Als ich die Stelle bei IDG gesehen habe, dachte ich: Nehme ich sofort. Das ist nicht ungewöhnlich in der Branche, erst einmal journalistisch zu arbeiten und dann in die PR zu wechseln.

Die IDG ist Dienstleister für die ITK-Branche. Was genau hast du dort gemacht?

Gräff: Ich war in unterschiedlichen Positionen tätig – am Anfang habe ich das Sims-Magazin geleitet und gleichzeitig für GameStar und GamePro Artikel geschrieben – hauptsächlich waren das Games-Tests und Previews. 2012 startete IDG den YouTube-Kanal High5, an dem ich mitgewirkt habe. Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Bei der Redaktion musste ich beim Spiele testen neutral bleiben – bei High5 kam es auf meine persönliche Meinung an. Ich konnte zum Beispiel sagen, dass ich Ego-Shooter, vor allem Halo, über alles liebe und dass ich mehr der Xbox-Spieler bin, obwohl ich natürlich alle anderen Konsolen auch zuhause habe.

Das High5-Team: Maxi stellt sich vor

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Bei High5 bedienten wir sehr bunte Formate: Top 5-Sendungen, eine Newslist, sogar eine Kochshow. Aber auch typische Eventberichterstattung. Dass ich authentisch bin und die Produkte, die ich jetzt bewerbe, wirklich vertrete, war sicher ein Grund dafür, dass Microsoft auf mich zugekommen ist. Außerdem kenne ich sowohl YouTube als auch die Games-Branche schon sehr lange.

Seit wann interessierst du dich denn für Videospiele?

Gräff: Ich spiele, seit ich ungefähr zehn bin. Ego-Shooter habe ich für mich entdeckt, als ich etwa 18 war: mit Halo. Ich brauchte eine Story, etwas, das mich emotional packt. Halo war für mich der erste Shooter, bei dem auch eine Geschichte dabei war – gerade in der Beziehung zwischen Halo und Cortana liegt etwas wie eine unausgesprochene Liebe. Und das fand ich so gut, dass mich der Titel in die Shooter reingebracht hat. Danach, als ich die Mechaniken drauf hatte, bin ich in die anderen Spiele reingegangen. Battlefield zum Beispiel spiele ich auch heute noch sehr intensiv. Bei Battlefield 4 habe ich über 350 Stunden im Multiplayer verbracht.

Am Anfang warst du als Mädchen in der Szene sicher ein ziemlich bunter Hund. Hat sich das Geschlechterverhältnis mittlerweile geändert?

Im Shooter-Bereich sind frauen in der Minderheit © privat

Im Shooter-Bereich sind frauen in der Minderheit. Foto: privat

Gräff: Im Shooter-Bereich gibt es nach wie vor nicht so viele Frauen. In der Branche generell sind aber mittlerweile tatsächlich viel mehr Frauen unterwegs, gerade bei YouTube und im LetsPlay-Bereich. Das hängt damit zusammen, dass die Technik der Spiele jetzt einfacher und zugänglicher wird. In Statistiken, die den starken Zuwachs von Frauen in der Games-Szene belegen, werden übrigens auch Spiele wie Candy Crush einbezogen – deshalb die plötzlichen hohen Prozentzahlen. Aber da geht es ja nicht nur um Konsolenspiele. Die wahre Herausforderung ist nämlich der Controller und der Umgang damit. Das Schwierigste ist sicher, gleichzeitig eine Waffe zu steuern und sich im Raum zu bewegen. Das muss man einfach lernen.

Es gibt da einige gute Einsteigerspiele, die ich empfehlen kann. Heavy Rain zum Beispiel. Auch wenn es vom Plattform Konkurrenten ist, muss ich es an dieser Stelle loben. Dieses Spiel bringt sehr schnell und einfach bei, wie man den Controller benutzt. Gleichzeitig ist es, als würde man einen Film ansehen – nur, dass man noch ein bisschen dabei spielt. Für Xbox One erscheint im April Quantum Break, das hat einen starken cineastischen Hintergrund und ist deshalb sehr massenkompatibel.

Was spielst du selbst momentan?

Gräff: Im Moment spiele ich den Multiplayer Rainbow Six Siege, auch ein Shooter, aber eine besondere Art. Man muss taktischer vorgehen und sich mit anderen absprechen. Diese Art zu spielen muss man mögen. Gerade als Frau muss man sich trauen, zu sagen: „Ok, welche Bombe entschärfen wir zuerst, oder: Wie brechen wir in das Haus ein?“ – man muss mit anderen Spielern kommunizieren, um erfolgreich zu sein, aber damit habe ich kein Problem.

Du sagst „gerade auch als Frau“ – wie gehst du mit Vorurteilen gegenüber spielenden Frauen um?

Gräff: Vorurteile gegenüber Frauen gibt es immer wieder. Aber gerade in meiner Zeit bei High5 habe ich gemerkt, wie sehr es dich schützen kann, wenn du eine Community aufgebaut hast, die hinter dir steht. Wenn wirklich mal einer kommt, der so ein typischer Troll ist und was Gemeines schreibt wie: „Seit wann steht die Konsole in der Küche“, dann beschützt dich deine Community. Wenn du Leute hast, die hinter dir stehen, ist das eine tolle Motivation, sich nicht unterkriegen zu lassen.

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