Jana Freund, Projektleitung animago. Foto: ATEC

„Offen für den nächsten Schritt“ – Interview zum animago-Umzug

Der Medienstandort Bayern ist seit diesem Mittwoch reicher. Die Animations- und VFX-Größe animago AWARD & CONFERENCE wird ab 2016 in München stattfinden. Er gilt als wichtigster Preis im deutschsprachigen Raum für 3D-Animation, VFX und Visualisierung. Auch international ist er seit vielen Jahren etabliert. Karin Lang und Jana Freund vom veranstaltenden Fachverlag ATEC Business Information aus München verraten im Interview, was zum Umzug geführt hat und was sie sich vom bayerischen Standort erwarten.

 

Frau Lang, seit 2009 fand der animago in Babelsberg statt. Wie kam es zum Umzug?

 Karin Lang, Geschäftsführerin ATEC Business Information GmbH. Foto: ATEC

Karin Lang, Geschäftsführerin ATEC Business Information GmbH. Foto: ATEC

Karin Lang: Wir haben in den letzten sieben Jahren sehr gut mit dem brandenburgischen Ministerium und auch mit dem Medienboard Berlin-Brandenburg zusammengearbeitet. Aber wir waren nicht abgeneigt uns weiterzuentwickeln und waren durchaus offen für den nächsten Schritt. Und manchmal trifft man dann einfach zum richtigen Zeitpunkt auf die richtigen Menschen. In unserem Fall war das Markus Kaiser, mit dem wir uns auf dem Animation Day in der Hochschule für Fernsehen und Film München anlässlich der diesjährigen MCBW ausgetauscht haben – und so kam das Ganze ins Rollen.

 

Was erwarten Sie sich vom neuen Standort?

Lang: Es war immer ein großer Spagat für uns, von unserem Verlagsstandort München aus, eine Veranstaltung in Babelsberg auszurichten. Und leider war es auch so, dass Babelsberg für manche, gerade internationale, Gäste nicht sonderlich attraktiv war. Die Auswahl an Hotels oder Hostels für Studenten, die den animago besuchen wollten, war darüber hinaus sehr eingeschränkt. In München haben wir ein deutlich besseres Angebot.

Freund: Außerdem ist die Animations- und VFX-Branche mit vielen Firmen in Bayern gut aufgestellt. Mit beispielsweise Scanline, Trixter Film, Liga 01, Mackevision oder Aixsponza, die ihren oder einen Standort in München haben, fand schon in der Vergangenheit eine sehr gute Zusammenarbeit statt.

 

Was bedeutet der Umzug für die bayerische Animations- und VFX-Branche?

Jana Freund, animago-Projektleiterin. Foto: ATEC

Jana Freund, animago-Projektleiterin. Foto: ATEC

Lang: Ich bin davon überzeugt, dass der Medienstandort Bayern dadurch deutlich gestärkt wird. Zudem können wir die unheimlich guten Beziehungen zu den bayerischen Animations-Firmen, aber auch zu den hier lebenden Freiberuflern und Studenten stärken.

Jana Freund: Bereits bei früheren animago-Veranstaltungen haben wir zum Beispiel mit Jürgen Schopper, der bei ARRI arbeitet und an der TH Nürnberg lehrt, mit Michael Coldewey von Trixter, der an der Hochschule für Fernsehen und Film eine VFX-Professur inne hat, und mit Wolfgang Höhl als Medieninformatiker der Ludwig-Maximilians-Universität München kooperiert. Oder beispielsweise Maggy Fischer, Leitung Postproduktion bei Neverest, und Thomas Zauner, Geschäftsführer bei Scanline, sind zwei Münchner Branchen-Experten, die uns in der Jury-Arbeit unterstützt haben. Mit dem Umzug nach München können wir diese Beziehungen intensivieren.

 

Wie waren bislang die Rückmeldungen aus der Branche?

Lang: Nicht nur regional aus Bayern haben wir Zuspruch erhalten, sondern deutschlandweit. Das freut uns natürlich sehr! Selbst Leute, die ich nur flüchtig kenne, haben mir über Xing oder LinkedIn gratuliert.

Freund: Es war unglaublich nach der Bekanntgabe am vergangenen Mittwoch: Mein Kollege Bela Beier aus unserer DIGITAL PRODUCTION-Redaktion und ich selbst sind mit Glückwünschen telefonisch, via E-Mail oder über die sozialen Netzwerke „überflutet“ worden. Wir sind kaum zum Arbeiten gekommen.

 

Im kommenden Jahr wird der animago zeitgleich zu den Medientagen München stattfinden – vom 27. bis 28. Oktober 2016. Sehen Sie das als Vor- oder Nachteil?

Lang: Wir haben diese Entscheidung reiflich überlegt und mit dem bayerischen Wirtschaftsministerium abgewogen. Die Medientage München sind eine wichtige medienpolitische Veranstaltung. Der animago hat einen sehr medientechnischen Schwerpunkt. Ich bin davon überzeugt, dass diese beiden Ausrichtungen von einem Zusammenrücken nur profitieren können. Man kann gegenseitig voneinander lernen, über den eigenen Tellerrand hinauszusehen. Unsere Abendveranstaltung haben wir aber bewusst einen Tag nach der der Medientage gelegt, so dass es hier zu keiner Überschneidung kommt.

 

Was erwarten Sie sich für 2016? Neben dem Umzug steht ja auch der 20. Geburtstag des animago bevor.

Freund: Wir wollen die Besucherzahl und auch die internationale Wahrnehmung steigern. Die Animations-Branche ist sehr international aufgestellt. Nicht selten touren Freiberufler für Aufträge rund um die Welt. Dieser Ausrichtung möchten wir gerecht werden und eine entsprechende Plattform bieten. Der Anteil internationaler Bewerbungen lag 2015 schon bei zirka 50 Prozent; 1.008 Einreichungen kamen aus 58 Ländern.

Lang: Die Feierlichkeiten für nächstes Jahr sind noch in Planung, deswegen wollen wir nichts verraten. Aber mit dem Gasteig haben wir eine tolle Location mit einer phantastischen Lage und dort werden wir angemessen und ausgiebig feiern. Das steht fest.