Generation Handleser – Der Mobile Media Day

Für viele ist das Smartphone das wichtigste und meist genutzte Gerät. Beim Warten auf den Bus, im Meeting oder daheim. Für Publisher und Content-Anbieter ist diese Nutzung ein starker Treiber für Veränderungen. Wie gerade kleine und mittelständische Medienunternehmen das für sich nutzen können, hat der dritte Mobile Media Day in Würzburg gezeigt.

„Generation Handleser“, nennt der Blogger Sascha Pallenberg in seiner Keynote die Mobile-User. Sie blicken ständig gebannt auf ihr Smartphone-Display, egal ob sie in einer Warteschlange stehen oder durch die Stadt laufen. Für Content-Anbieter sieht er darin eine wichtige Botschaft versteckt. Diese Generation „konsumiert digitale Güter und ist auch noch bereit dafür Geld zu zahlen“. Den Smartphone-Markt selbst hält er jedoch für gesättigt. Statistisch gesehen besitzt jeder Deutsche mehr als ein Smartphone. Deswegen geht er davon aus, dass in Zukunft besonders das Auto in den Fokus rückt, wenn es um mobile Mediennutzung geht.

Meist arbeitet der Blogger Sascha Pallenberg von Taiwan aus. Am Mobile Media Day war er in Würzburg. Foto: Benjamin Brückner

Meist arbeitet der Blogger Sascha Pallenberg von Taiwan aus. Am Mobile Media Day war er in Würzburg. Foto: Benjamin Brückner

Und darin sieht er ein deutliches finanzielles Potential für Publisher. Das macht er anhand eines Beispiels deutlich. Für eine App auf dem Smartphone seien User heute schon bereit, einen gewissen Geldbetrag auszugeben. Für einen Service also, der sich auf ein sehr persönliches, viel genutztes Gerät bezieht. Das Auto sei für viele ein noch viel persönlicherer und emotionalerer Besitz, so Pallenberg. Und dieser kostet in der Anschaffung ein Vielfaches. Deswegen geht Pallenberg davon aus, dass die Konsumenten bereit sind, hier noch höhere Beträge für zusätzlichen Service – in Form von Apps – zu zahlen.

„Content muss wie Wasser sein“, sagt Pallenberg im Vogel Convention Center in Würzburg vor über 600 Besuchern. Um erfolgreich zu sein, müsse er sich den neuen Entwicklungen anpassen, um die Zielgruppe zu erreichen. Verlage müssen sich die Frage, ob sie sich mobile weiterentwickeln und aufstellen müssen, also gar nicht mehr stellen. Die Nutzer gehen diesen Weg, also liegt es auf der Hand, dass Publisher dort mitgehen müssen.

Kleine Happen statt lange Berichte

Ob über mobile Endgeräte konsumierte Inhalte möglichst kurz sein sollten oder auch länger sein dürfen, darüber gehen die Meinungen auf dem Mobile Media Day auseinander. Christian Daubner vom Bayerischen Rundfunk und Franz Buchenberger von der Service-Agentur Pylba gehen davon aus, dass eher kurze Nachrichten erfolgreich sind. „Die Länge der Nachrichten nimmt ab, die Zahl der Nachrichten jedoch nimmt zu“, so Buchenberger. Inhalte, die in einer Zeitung möglicherweise als lange Artikel aufbereitet werden, müssten mobile aufbereitet in kleinen, aufgebrochenen Einheiten angeboten werden. Michael Jarjour von Blendle und Sascha Pallenberg sind in diesem Punkt einer anderen Meinung. Sie beobachten, dass auch lange Inhalte mobile gelesen und konsumiert werden.

Somit zeigt der Mobile Media Day 2015, der von der Bayerischen Medien-Servicegesellschaft BayMS in Kooperation mit Vogel Business Media veranstaltet wurde, in Debatten und Vorträgen, wie fragmentiert das Feld ist. Es zeigt aber auch, wie viele unterschiedliche Ansätze erfolgreich gestaltet werden können. Und, dass die Art und Länge der Aufbereitung stark von der Zielgruppe abhängt und nicht eindeutig vom Medium oder der genutzten Plattform bestimmt wird.