Buchcover Highway to Hellas. Foto: Nicole Schwertner

„Highway to Hellas“ – Interview mit den Autoren der Komödie

Mitten in der Griechenland-Krise wird der Banker Jörg Geissnerauf die kleine griechische Insel Paladiki verdonnert, um eine Kreditvergabe zu überprüfen. Der Konflikt mit der griechischen Bevölkerung ist vorprogrammiert. Die Autoren Moses Wolff und Arnd Schimkat haben den Roman und das Drehbuch zu „Highway to Hellas“ geschrieben. Am 26. November 2015 kommt der Film ins Kino. Im Interview erzählen sie, wie die Komödie eigentlich aus einem traurigen Grund entstanden ist und welchen Rekord sie mit dem Buch aufgestellt haben.

Herr Wolff, Herr Schimkat, der Protagonist Ihres Romans, ist ein spießiger Bankangestellter mittleren Alters, heißt Jörg Geissner und wohnt in Augsburg. Ist die schwäbische Stadt für Sie der Inbegriff der Spießigkeit?

(Beide lachen) Moses Wolff: Nein, Augsburg ist nicht spießiger als andere Städte. Aber wir wollten eine nicht so große Stadt nehmen, die auch ein bisschen traditioneller ist von ihrer Art her. Wo aber durchaus eine gewisse Spießbürgerlichkeit funktioniert. Außerdem wollten wir Geissners Chef Laichinger schwäbisch haben. Und da hat Augsburg gut gepasst.

Arnd Schimkat: In einer kleineren Stadt kann man es sich eher vorstellen, dass jemand in einem so kleinen Kosmos lebt wie Geissner es tut. In einer Großstadt wäre das zu konstruiert.

Arnd Schimkat und Moses Wolff bei den Dreharbeiten in Griecheland. Foto: privat

Arnd Schimkat und Moses Wolff bei den Dreharbeiten in Griecheland. Foto: privat

Die Griechenlandkrise hat sich ab 2010 offenkundig gezeigt. Wann ist die Idee zu „Highway to Hellas“ entstanden?

Schimkat: Das war 2012. Wir sind beide große Griechenlandfreunde. Seit unserer Kindheit haben wir viele Sommer dort verbracht. Von der Berichterstattung während der Griechenlandkrise waren wir sehr verletzt und traurig darüber, dass das traditionell gute Verhältnis zwischen Griechen und Deutschen so in den Schmutz gezogen wird. Dem wollten wir etwas entgegenstellen. Etwas, das das Ganze wieder aufs Menschliche herunterbricht, weg von den Banken und Milliarden der Wirtschaft.

 

War dieVerfilmung von Anfang an geplant?

Schimkat: Schon an dem Tag, an dem wir die Grundidee ausformuliert hatten, war für uns klar: Das muss ein Film werden. Und am nächsten Tag war es auch schon an die Produktionsfirma verkauft. Auf der Berlinale habe ich Dan Maag, den Produzenten von Pantaleon Entertainment, an der Bar getroffen und ihm von unserer Geschichte erzählt. Er hat sofort gesagt:“Oh, das will ich machen“.

Wolff: Da haben wir gleich Nägel mit Köpfen gemacht und kurz darauf begonnen, das Drehbuch zu schreiben.

 

Also ist erst das Drehbuch entstanden und dann der Roman?

Schimkat: Ja, wir haben parallel geschrieben und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Von der Drehbuchidee bis zur Verwirklichung des Films waren es nur zwei Jahre. Und den Roman haben wir in der Zeit auch noch verwirklicht. Es ist richtig geflutscht.

Wolff: Das Verrückte war: Der Roman ist einen Monat vor Beginn der Dreharbeiten erschienen.

 

Im Film spielt Christoph Maria Herbst die Hauptrolle. Wie sehr ist die Beschreibung des Protagonisten Jörg Geissner schon mit ihm als Schauspieler im Kopf entstanden? Einige Stellen im Buch scheinen ihm wie auf den Leib geschrieben.

Wolff: Ursprünglich sollte Arnd ja die Rolle von Geissner spielen. Anfangs dachten wir nämlich, es wird nur eine kleine Produktion und wir spielen die Hauptfiguren selbst. Wir sind ja beide unter anderem Schauspieler.

HIGHWAY TO HELLAS – Trailer F1 Deutsch HD German

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Trotzdem gibt es eine Stelle im Roman, an der Geissner über Stromberg und Christoph Maria Herbst nachdenkt. Wie kommt das?

Wolff: Das war Zufall. Wir hatten das Buch schon weit über ein halbes Jahr vorher abgegeben, und da stand noch nicht fest, dass Christoph Maria Herbst die Rolle spielen wird.

Schimkat: Die kleine Hommage steht drin, weil wir Christoph Maria Herbst einfach gut finden.

 

War es schwierig, die Rollen anderen zu überlassen?

Schimkat: Unser Ego als Schauspieler haben wir sofort zurückgestellt, als wir gehört haben, dass Christoph Maria Herbst und Adam Bousdoukos mitspielen würden. Das fanden wir ja großartig. Wir waren froh, dass wir diese riesen Produktionsfirma und mit Warner Bros. einen großen Verleih bekommen haben. Damit werden wir jetzt als Autoren entsprechend gepushed.

Wolff: Außerdem arbeiten wir gerade an einer Bühnenversion für uns beide. Da können wir das dann nachholen.

Das Filmteam ist um einen Tisch versammelt. Dreharbeiten zu Highway to Hellas.

Der Film zeigt Sommerszenen, auch wenn das Wetter bei den Dreharbeiten nicht so ganz mitspielen wollte. Foto: privat

Was ist Ihr persönlicher Bezug zu Griechenland?

Schimkat: So lange ich denken kann, bin ich mit meinen Eltern nach Griechenland in den Urlaub gefahren. Und heute fahre ich mit meiner eigenen Familie. Es gibt keinen anderen Ort als Griechenland, an dem man sich so frei fühlt. Dort herrscht eine solche Herzlichkeit, ein Sinn für Geistigkeit und Philosophie, dass man sich frei entfalten kann.

Wolff: Ich fahre seit über 25 Jahren jedes Jahr mit lieben Freunden auf eine kleine Hippie-Kykladen-Insel. Dort kenn´ ich mittlerweile die halbe Bevölkerung.

 

Ist „Highway to Hellas“ eine amüsante Geschichte, die mit Vorurteilen spielt oder steckt auch tiefere Kritik dahinter?

Wolff: Es ist eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und Freiheit. Und zeigt, wie man gegenseitig voneinander lernen kann.

Schimkat: Die Kritik ist eher leise gehalten, schwingt aber trotzdem mit. Es ist eine Hommage an das griechische Volk und die Freiheit. Auch wenn sie sich letztlich nicht ganz gegen die Bank durchsetzen können haben die Figuren im Roman menschlich gewonnen, weil sie gelernt haben, aufeinander acht zu geben und mitzufühlen. Das ist die Botschaft. Und das ist ja letztlich auch politisch.