Carola Mayr klettert. Foto: ARD/ZDF Förderpreis

„Frauen und Technik, ja bitte!“ – Porträt Carola Mayr

Surfurlaub in Marokko oder Bouldern in der Kletterhalle: Bei solch einem Programm würde man eher an eine Abenteurerin als an eine Wissenschaftlerin denken. Doch das sind Hobbys von Carola Mayr, einer jungen Frau die sich vom verstaubten Klischee, dass sich hinter „Frauen und Technik“ verbirgt, befreit hat. Frauen in technischen Studiengängen und Berufen wurden in unserer Gesellschaft lange Zeit belächelt und sind immer noch eine Minderheit.

Die Preisträgerin Carola Mayr steht vor einer weißen Tafel.

Carola Mayr war von Medientechnik schon immer fasziniert. Foto: privat

„Das zieht sich auch durch die Medienbranche“ betont Carola Mayr, die 2015 den ARD/ZDF-Förderpreis „Frauen + Medientechnologie“ erhalten hat. Die Auszeichnung wird an Wissenschaftlerinnen mit herausragenden Abschlussarbeiten im medientechnischen Bereich verliehen. Die Forscherin wusste bereits früh, dass sie beruflich in den Medienbereich gehen würde. „Schon in der Schulzeit habe ich sehr gerne fotografiert und gefilmt – meistens Tiere. Das wurde dann schnell zu einer echten Leidenschaft“, erzählt die 27-Jährige. „Film und Fernsehen haben mich schon immer interessiert. Da war es naheliegend, dass ich einen Studiengang in diese Richtung nehme. Auch dass es was mit Technik wird, war gleich klar“, erinnert sie sich. So entschied sie sich für Medienproduktion und -technik an der Hochschule Amberg-Weiden. Nach ihrem Bachelor ging sie an die Hochschule der Medien in Stuttgart und begann dort den Master Elektronische Medien. In der Familie der gebürtigen Stuttgarterin ergreifen viele Frauen einen technischen Beruf. Als Kinder von Elektrotechnikern haben auch ihre drei Schwestern diese Richtung eingeschlagen. „Für mich ist das normal,“ betont Mayr.

Der Förderpreis soll Vorbilder schaffen

Frauen aus Familien in denen Naturwissenschaften eine größere Rolle spielen, entschieden sich eher für einen technischen Beruf, resümiert Martin Paul vom ARD/ZDF Förderpreis (mehr zum Thema: Frauen und die Zukunft der Medientechnologie). „Genau dort setzen wir und andere Förderprogramme wie zum Beispiel der „Girls Day“ an. Wir versuchen Hürden abzubauen“, erklärt er. Der Förderpreis soll zum einen den Übergang zwischen Studium und Berufsleben erleichtern und helfen Frauen aus dem Technikbereich aufzuspüren. Zum anderen soll er Mut machen einen technischen Beruf anzustreben, indem er Vorbilder schafft.

Genau so ein Vorbild soll auch Carola Mayr sein. Den Förderpreis gewann sie mit ihrer Masterarbeit „Entwicklung einer optimalen Verzeichnungskorrektur für digitale Bewegtbildaufnahmen“. Ihre dazugehörige Forschung machte sie bei Arri Cine Technik in München. Jede Linse eines Objektives hat, physikalisch und optisch bedingt, eine Verzerrung. Diese hat Mayr analysiert und im Anschluss versucht zu korrigieren. „Man kennt das von kleinen Actioncams. Die haben ein tonnenförmig verzeichnetes Bild. Möchte man so eine verzerrte Aufnahme mit einem computergenerierten unverzerrten Bild zusammenbringen, sieht man den Unterschied sofort“, erklärt die junge Wissenschaftlerin. Auf Grundlage ihrer Analysen suchte und entwickelte die 27-Jährige die passenden Algorithmen für eine entsprechende Ent- beziehungsweise Verzerrung des Bildes.

„Eine fähige und kreative Entwicklerin“

Als Image Science Engineer bei Arri knüpft Carola Mayr an die Ergebnisse ihrer Masterarbeit an und forscht weiter. Außerdem schreibt sie Software, die dazu dient Videobildern einen bestimmen Look zu geben. „Wir waren froh, dass wir Frau Mayr übernehmen konnten, als nach ihrer Masterarbeit eine Stelle frei wurde. Sie ist eine sehr fähige und kreative Entwicklerin“, lobt Teamchef Harald Brendel seine Mitarbeiterin. Die Arbeit macht ihr großen Spaß. Wichtig ist ihr, eine Aufgabe zu haben, „die auch sinnvoll ist“, lacht die Forscherin. Schließlich sei ihre Entwicklung, die Verbesserung des Bildes, ein konkreter Anwendungsfall und werde gebraucht.

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Beim Förderpreis gehe es in erster Linie um die wissenschaftliche Qualität der Arbeit, sagt Martin Paul. „Aber ein bisschen schauen wir auch auf die Frauen, die dahinter stecken“, fügt er hinzu. Er habe Carola Mayr als eine selbstbewusste Frau mit einer sehr lebendigen, guten Ausstrahlung erlebt. „Sie steht dafür, dass Frauen nicht in ein neues Klischee fallen, also nicht die weiblichen Nerds sind, oder die grauen Mäuse, die im Labor verschwinden.“ Mayr sei zwar Wissenschaftlerin, aber man würde es ihr nicht ansehen. „Ich denke die plumpe und direkte Diskriminierung hat abgenommen. Aber es gibt auch subtilere Formen von Vorurteilen, die herumschwirren“, so Paul.

Positiver Trend

Carola Mayr hat selbst noch keine negativen Erfahrungen als Frau im technischen Beruf gemacht und sich immer ernst genommen gefühlt. Außerdem sieht die 27-Jährige eine steigende Zahl an jungen Frauen, die diesen Weg einschlagen. „Ich glaube das liegt an solchen Förderprogrammen“, überlegt sie. „Dadurch wird man motiviert. Die Leistungen werden anerkannt. Es wird gezeigt, dass es in der Branche erwünscht ist, wenn Frauen in die technische Richtung gehen.“ Auch Harald Brendel erkennt eine positive Tendenz: „Als ich 2010 in die Entwicklungsabteilung gewechselt bin, saßen bei meiner ersten Weihnachtsfeier 36 Männer herum und keine einzige Frau. Mittlerweile haben wir etwa zehn Prozent. Ich finde das einfach wichtig für das Arbeitsklima. Mein Team besteht zum Beispiel zur Hälfte aus Frauen und ich bin froh darüber.“

In ihrem Alltag sitzt Carola Mayr meistens am Computer. Ihre Karriere bedeutet ihr viel. Am wichtigsten ist ihr jedoch eines: Gesund und glücklich zu bleiben. Deshalb hat Sport einen hohen Stellenwert in ihrem Leben. Ihrem größten Hobby, der Fotografie ist sie bis heute treu geblieben.

 

Susanne Mors