Gelder für Gamesentwickler

Die Entwicklung von Unterhaltungssoftware ist ein millionenschweres Unterfangen. Die Umsetzung einer Spielidee in ein funktionierendes Game scheitert häufig an finanziellen Hürden. Der Freistaat Bayern unterstützt die Umsetzung von Ideen und Technologien mit Förderprogrammen.

Michaela Haberlander ist einer dieser Menschen, die nicht unbedingt im Mittelpunkt des Interesses stehen müssen. Aber sie bewegt sich gerne da, wo die Dinge zusammenlaufen. Knüpft Kontakte in alle Richtungen und weiß, wo was wann passiert in Sachen Games. Die aktive Bergsteigerin spielt auch gerne: „Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging“ und „Monument Valley“ zum Beispiel. Produktionen also, die vorausschauende Denkweise, kluges Handeln und schnelle Reaktion schulen. Ebendiese Attribute bringt Michaela Haberlander im Rahmen ihres beruflichen Tuns zum Einsatz. Als Förderreferentin beim FilmFernsehFonds Bayern, kurz FFF, verteilt sie Gelder und eröffnet Chancen: Der FFF unterstützt Gameskreative bei der Umsetzung ihrer Ideen.

„Über den FFF bietet die Regierung des Freistaats Bayern eine breite Palette an Förderprogrammen für bayerische Gamesentwickler. Mit dem Geld, das über den FFF in Bayern ausgereicht wird, können die Studios Konzepte entwickeln, Prototypen realisieren oder Spiele produzieren. Kurzum, der FFF Bayern unterstützt da, wo ’s die Entwickler am dringendsten benötigen: bei der Finanzierung ihrer eigenen Spieleideen“, beschreibt Dr. Michaela Haberlander das Anliegen des FFF.

Michaela Haberlander weiter: „Meine Aufgabe als Gamesförderreferentin besteht darin, den Entwicklern die tollen Möglichkeiten dieses Programms aufzuzeigen und über die Anforderungen und Verpflichtungen zu informieren. Wurden Gelder zugesprochen, begleiten wir den Entstehungsprozess bis zum Abschluss. Außerdem berichten wir kontinuierlich über die so in Bayern entstehenden Spiele. Auf den Punkt gebracht lautet folglich mein Tun: beraten, betreuen und kommunizieren.“

Gameswanderung 2015. Foto: FFF

Das geht halt nur in Bayern: Gemeinsam mit FFF-Förderreferentin Dr. Michaela Haberlander (rechts vorne, auf der Bank sitzend) bei der Gameswanderung 2015 die höchsten Gipfel erklimmen. Foto: FFF

Förderung stärkt Gameskreative

Zweimal im Jahr tritt das FFF-Gremium zusammen und entscheidet über Fördermittel. Jeweils im April und November werden die Ergebnisse bekannt gegeben. Spannende Tage insbesondere für die Bewerber. Aber das zittern lohnt sich. Nehmen wir als Beispiel den Münchner Gamedeveloper Klonk Games. Er konnte mit 114.000 Euro an Fördergeldern das taktische Jump´n´Run „Shift Happens“ in die Tat umsetzen und jüngst veröffentlichen. „Ganz klar: Ohne Unterstützung durch den FFF Bayern gäbe es uns nicht“, sagt Robin Kocaurek heute – und weist auf eine weitere Facette der Förderung hin: „Für uns war die Unterstützung durch den FFF auch insofern nützlich, weil sie unserem Ruf gestärkt hat. Wenn eine staatliche Stelle Geld in dein Projekt investiert, dann hast du gegenüber weiteren Verhandlungspartnern gleich eine ganz andere Seriösität“.

Weitere Chancen tun sich durch das bayerische Förderprogramm für Forschung und Entwicklung „Informations- und Kommunikationstechnik“ – kurz: IuK – auf. Die Federführung obliegt dem Innovations- und Beratungs-Dienstleister VDI/VDE mit Sitz in München. Im Auftrag des bayerischen Wirtschaftsministeriums unterstützt VDI/VDE als sogenannter Projektträger technologieaffine Unternehmen und Forschungseinrichtungen bei der Realisierung visionärer Ideen. Das Ziel: Forschungs− und Entwicklungsarbeiten im Bereich elektronischer Systeme sowie die Umsetzungsfähigkeit in Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsabläufe. Was das mit Games zu tun hat? Kommt gleich.

Geldmittel bis zu zwei Millionen Euro

Unterhaltungs-Software übt seit Existenz eine treibende Kraft auf Forschung und Entwicklung aus. In den 90er-Jahren erzwangen Games die Entwicklung von Hardware-Plattformen mit integrierter Grafikbeschleunigung, die wir heute in jedem Smartphone bei uns tragen. Mit Oculus Rift, PlayStation VR und vergleichbaren Virtual-Reality-Technologien steht der nächste Umbruch bevor. „Die Chancen auf Förderung sind für Gamesunternehmen deutlich besser als noch vor fünf oder zehn Jahren“, sagt Dr. Jürgen Dam vom VDI/VDE-Ressort Industrielle Forschung und Innovation, gleichzeitig Projektleiter des Förderprogramms. „Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn wir ein Gamesthema auf den Weg bringen und so dieses hochdynamische Geschäftsfeld in Bayern unterstützen“, sagt Jürgen Dam und präzisiert: „Wir suchen aber keine Spielideen, das wäre zu sehr inhaltsbezogen. Sondern Projekte in Richtung Algorithmus, Augmented Reality oder Mensch-Maschine-Kommunikation. Bei erfolgreicher Förderung übernehmen wir bis zu 50 Prozent der Projektkosten und maximal zwei Millionen Euro“.

Solche Zahlen widersprechen der in Industriekreisen weitverbreiteten These, die deutsche Politik gehe die Förderung der Gamesindustrie zu zögerlich an. Vielleicht haben sich die Fürsprecher solcher Argumentation nur noch nicht umfassend umgehört. In Bayern jedenfalls, da geht was.