Menschenrechtsfilmfestival auch on demand

Licht aus – Spot an. Einmal mehr sind die Scheinwerfer auf Franken gerichtet. Am 30. September 2015 startet das 9. Internationale Nürnberger Filmfestival der Menschenrechte. Es ist nach Angaben der Festival-Macher das älteste und größte seiner Art in Deutschland. 58 Dokumentar- und Spielfilme aus 39 Ländern werden bis zum 7. Oktober gezeigt. Der  Schwerpunkt könnte aktueller nicht sein. Im Fokus steht das Flüchtlingsthema: „Flucht und Migration – Festung Europa“. Erstmals werden in diesem Jahr die Filme nicht nur in Nürnberg zu sehen sein, sondern zum Teil auch im Internet.

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Das grüne Festivalplakat ist derzeit überall in der Nürnberger Innenstadt zu finden. Foto: Baur

Zwei Jahre ist es her, dass sich vor Lampedusa die Tragödie ereignete, bei der fast 400 Menschen auf der Flucht ums Leben kamen – kurz vor der Preisverleihung des letzten Filmfestivals. „Es reicht“, war der Gedanke, den das Team um Festival-Leiterin Andrea Kuhn hatte und beschloss, darauf zu reagieren. Zahlreiche Filme entstanden seit jenem unglückseligen Herbst 2013 rund um die sich immer wieder aufs Neue abspielenden Tragödien im Mittelmeer. Ein Teil davon ist in diesem Jahr in Nürnberg zu sehen.

„Mediterranea“ ist einer von ihnen. Zwei Männer aus Burkina Faso machen sich darin auf dem Weg, in Europa ein besseres Leben zu finden. Sie schaffen es zwar an Land, bekommen in der vermeintlich besseren Welt aber dennoch keinen Fuß auf den Boden.

Welche Wunden es in der Seele von Menschen hinterlässt, das alte Leben zurücklassen zu müssen, zeigt – mit poetischem Abstand und doch nah dran – der Film „Those Who Feel The Fire Burning“, mit dem das Festival seinen Abschluss findet. Zu den Highlights wird „The Look of Silence“ gehören. Der Film widmet sich den Gräueltaten in Indonesien in den 60er Jahren, als mindestens eine halbe Million Menschen umgebracht wurden. Ihr Verbrechen: Anhänger des Kommunismus gewesen zu sein. Regisseur Joshua Oppenheimer wird dafür den Ehrenpreis des Festivals erhalten, das sich wegen der hohen Internationalität eigentlich „Nuremberg International Human Rights Film Festival“ nennt, kurz: nihrff.

Rund 700 Filme sichten die Macher des Kino-Ereignisses, mit dem Nürnberg einmal mehr seine Positionierung als „Stadt der Menschenrechte“ herausstellt – als Antwort auf die Geschichte der Stadt vor allem während der Zeit des Nationalsozialismus.

Auch wenn das Festival nur alle zwei Jahre stattfindet – es ist viel Arbeit, die die Macher  investieren, Monate an Arbeit, die bislang nur an den acht Tagen der Veranstaltungsdauer gewürdigt werden konnte. Und das auch nur von einem Teil der Cineasten. Denn nicht alle, die das Thema interessiert, haben Zeit und Gelegenheit, die sorgsam ausgewählten Filme zu sehen.

Festivalfilme on demand

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On demand kann man die Filme des Festivals von überall und zu jeder Zeit ansehen. Bild: Screenshot

Das wird sich mit diesem Jahr ändern. Erstmals wird es die Möglichkeit geben, einen Teil der Filme auch im Internet abzurufen. „Video on demand“ heißt das Zauberwort. Auf der Online-Plattform realeyz.tv werden Arthousefilme im Netzt abrufbar gemacht. Mit ihrer Auswahl stehen die Nürnberger hier in guter Umgebung. Das Berliner Unternehmen EYZ Media GmbH kann mit Filmen rund um Menschenrechte auf eine gewisse Tradition blicken. „One World Prague“ war das erste Filmfestival zum Thema, dass sich auf diese Weise auch im Internet präsentierte, „One World Berlin“ das nächste. „Durch diese Zusammenarbeit kamen wir natürlich auch mit Nürnberg und Festival-Leiterin Andrea Kuhn in Kontakt“, berichtet EYZ-Geschäftsführer Andreas Wildfang. Das Interesse war beidseitig – denn nicht jeder darf sich auf der Plattform realeyz.tv präsentieren.

Die Franken haben es geschafft. Sie sind in diesem Jahr mit einem eigenen Kanal vertreten und damit das erste Filmfestival in Bayern, das diese Plattform nutzt, um sein Angebot über die Veranstaltung hinaus zu zeigen. Rund 20 Filme der letzten Jahre sind derzeit auf dem eigenen Plattformkanal auf realeyz.tv abrufbar. Nach dem 7. Oktober dürften noch einige aus der aktuellen „Kollektion“ hinzukommen. „Das ist immer eine Frage der Rechte und Lizenzen“, weiß Wildfang.

Damit ergänzen die Nürnberger das Angebot der Berliner Video-on-demand-Plattform, die aktuell rund 3000 Filme umfasst. Während sich Plattformen wie Netflix oder Maxdom dem Mainstream verschrieben haben, fokussiert sich EYZ, ehemals selbst Betreiber von Programmkinos, voll und ganz auf den „Arthouse- und Independent-Bereich“.

Die Möglichkeit, die Filme via Internet noch abrufen zu können, sei keine Konkurrenz zu den Veranstaltungen, ist Wildfangs langjährige Erfahrung. „Im Gegenteil. Die Leute kommen ja, um die Festivalatmosphäre zu erleben, um mit Machern und anderen Festival-Besuchern in Kontakt zu kommen, sich auszutauschen, zu diskutieren.“ Der Online-Auftritt sei dazu eine schöne Ergänzung, um sich auch darüber hinaus mit den Themen beschäftigen zu können. Für die Veranstalter bedeute es, nicht nur an den acht Spieltagen bei den Interessierten präsent zu sein und ihre Arbeit einem größeren Kreis zugänglich zu machen. Einen Film für 48 Stunden zu leihen kostet 2,95 Euro, ein monatliches Abo 5,50 Euro.

Beim nächsten Filmfestival der Menschenrechte – das 2017 sein zehnjähriges Jubiläum feiert – könnten die Nürnberger noch viel mehr Menschen erreichen als bisher. „Wie etwa bei der Dok Leipzig ist vorstellbar, die Eröffnungsfilme oder Premieren life über unsere Plattform auch im Internet zu zeigen“, so Wildfang.