Interview: App-Entwicklung ist kein Hexenwerk

Apps gibt es fast für jede Lebenslage und täglich kommen neue hinzu. Gerade junge Startups wagen oft in diesem Bereich ihr Glück. Der Informatiker der Universität Augsburg, Dr. Sebastian von Mammen, weiß worauf man dabei achten muss. Er hat bereits 30 Apps entwickelt. Das MedienNetzwerk Bayern hat ihn im Interview gefragt, wie gut man eigentlich für die App-Entwicklung programmieren können muss und wann aus einer Idee eine App werden kann?

Herr von Mammen, was müssen junge App-Entwickler mitbringen, um erfolgreich zu sein?

Sebastian von Mammen: Erfindergeist ist immer gut. Auch eine gewisse Empathie für die Nutzer der anvisierten App ist hilfreich. Denn genau darauf kommt es an, dass Unterhaltung und Pragmatisches für die Nutzer erfüllt werden. Die konkreten Ausführungen der App müssen nicht von vornherein feststehen, aber je konkreter sie sind, desto besser. Auch eine konkrete Vorstellung hinsichtlich Ziel, Zweck und Design sollten Entwickler mitbringen.

 

Dr. Sebastian von MammenWann sollte man eine App entwickeln?

von Mammen: Apps gibt es wie Sand am Meer. Ein hoher Prozentsatz davon sind Ideen, die es schon gibt, nur neu aufgelegt. Wenn jemand eine außergewöhnliche Idee für eine App hat, die es so noch nicht gibt und man Zeit investieren will, sollte man auf jeden Fall eine App entwickeln. Um den richtigen Einstieg in die App-Entwicklung zu finden, empfehle ich den populären Buchtitel „Fake It Make It: How to make an App Prototype in 3 Hours“ von Amir Khella.

 

Kann man Apps auch ohne Programmierkenntnisse entwickeln?

von Mammem: Das ist durchaus möglich, wenn man weiß, was man will. Das Spektrum von App-Development ist sehr weitläufig. Es gibt viele Kategorien, Zielplattformen etcetera. Bei Spielen für Mobile Devices wie etwa Smartphones oder Tablets, gibt es Spiele-Engines, die es Nutzern sehr einfach machen ihre Ideen umzusetzen ohne Programmieren zu müssen. Spiele-Engines sind allgemein sehr hip. Mit Unity3D (auf dem MedienCampus-Areal auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN gibt es dazu am 21. Oktober 2015 einen Workshop) hat man zum Beispiel verschiedene Möglichkeiten 2D oder 3D Spiele zu erstellen. Beim Verfeinern oder Verbessern muss man sich allerdings auskennen und Programmierkenntnisse sind von Vorteil.

 

Auf dem MedeinCampus-Areal auf den MEDIENATEN MÜNCHEN 2015 werden Sie einen Workshop mit dem Titel „App-Entwicklung ist kein Hexenwerk“ halten. Was erwartet die Teilnehmer?

von Mammen: Das Thema App-Entwicklung wird vielseitig beleuchtet werden. Unter anderem werde ich aufzeigen, welche Fragen man sich stellen muss, wenn man eine App realisieren möchteund wie konkrete Inhalte entwickelt werden können. Das Highlight wird ein Hands-on Demo, mit dem ich zeigen will, wie schnell man ein einfaches Spiel von der Idee bis zur Nutzung auf den Smartphone entwickeln kann.

 

Warum sind Apps wie Snapchat oder Instagram so beliebt?

von Mammen: Bei der Beliebtheit von Apps gibt es drei verschiedene Aspekte, die den Spaß für die User definieren. Zwischen dem Benutzer und den Inhalten der App müssen Bezüge hergestellt werden. Je stärker diese sind, desto gewillter ist man, die App zu verwenden. Weiter soll der User die Möglichkeit zur freien Mitgestaltung haben. Zuletzt ist die Kompetenz der App gefragt. Die Inhalte müssen vielfältig sein, einen klaren Nutzen oder Freude bereiten und Möglichkeiten zur Interaktion und Weiterentwicklung liefern.

 

App-Entwicklung, Sebastian von Mammen

Die App „Zygote 3D Anatomy Atlas &Dissection Lab“ entwickelte Dr. Sebastian von Mammen zusammen mit einem Team für Medizinstudenten.

Wie unterscheiden sich Apps von Websites?

von Mammen: Bei einer App stehen Interaktion und Individualisierung im Mittelpunkt. Der User muss den Inhalt der App mitbestimmen können. Mit der Navigations-App komoot können zum Beispiel Radfahrer ihre Routen für die nächste Tour mit Hilfe einer Software am Desktop erstellen. Das Ganze wird dann mit dem Smartphone synchronisiert und beim Radfahren bekommt der User in Echtzeit die Wegbeschreibungen mitgeteilt. Somit können User individualisierte Routen planen, ihre Daten personalisiert bearbeiten und nutzen. Bei Websites hingegen steht traditionell eher der Inhalt im Mittelpunkt. Zwar geht der Trend auch hier zu interaktiven, personalisierbaren Anwendungen, doch mobile Lösungen geben den Ton an.

 

Werden Apps die Homepage ablösen?

von Mammen: Die Homepage, so wie wir sie jetzt kennen, wird überholt. Bei der App steht die Personalisierung der Daten im Vordergrund, sie ist wesentlich universeller, spricht verschiedene Sinne an und kann eine Vielzahl von Informationen in ihre Dienste einbinden, beispielsweise GPS-Daten. Jedoch wachsen die beiden Technologien App und Homepage zusammen, der Webstandard erweitert sich ständig. Trotzdem braucht nicht jede App eine passende Homepage und anders herum.

 

Welche Apps haben Sie entwickelt?

von Mammen: Bei Lindsay Virtual Human Project war ich drei Jahre als Projektmanager tätig. Dort habe ich zusammen mit einem Team eine Vielzahl an Apps entwickelt. Erfolgreich auf dem Markt ist der 3D Anatomy Browser für Medizinstudenten. Insgesamt habe ich etwa 20 bis 30 Apps entwickelt. Die Apps, die ich mit Studenten in meinen Vorlesungen entwickelt habe, stehen auf meiner Homepage zum Download bereit.

 

Mehr Infos zum Workshop von Dr. Sebastian von Mammen und zum Workshop über Unity3D finden Sie hier, im Programm des MedienCampus-Areals auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN.