PBI 2015. Foto: Franziska Baur

Die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen – Kongress in München

Welche Chancen und Herausforderungen bringt die Digitalisierung gerade für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten mit sich? Welche konkreten Medienformen der digitale Umwälzungsprozess hervorbringen wird, kann derzeit keiner abschätzen. Auf der Public Broadcasters International (PBI), der internationalen Konferenz der Öffentlich-Rechtlichen, in München zeigte sich jedoch: Weltweit bewegt sich die Branche in die gleiche Richtung.

„Wir müssen uns fragen, wie wir uns als Plattformen verstehen können“, sagt Ralph Rivera, Direktor der BBC Digital. Als vorbildlich funktionierende Plattformen nannte Rivera Uber ebenso wie AirBnB, Google oder Amazon. International starke Anbieter also, die ihr Kerngeschäft über das Plattform-Prinzip definieren und damit überaus erfolgreich sind. Sie bieten den Usern zu einem speziellen Thema, von der Autofahrt bis hin zu Shopping-Angeboten, eine Plattform, auf der relevante Informationen zusammengestellt werden. Der Servicegedanke spielt dabei eine große Rolle. Und an diesen sollten auch Rundfunkanstalten mit ihren Angeboten anknüpfen.

Von links: Eric Scherer (Director of Future Media FT, Frankreich), Guillaume Klossa (Director of Public Affairs and Communications, EBU), Moderatorin Alina Fichter (Programmdirektion, BR), Sanjeevan Bala (Head of Data Planning and Analytics Channel 4, Gro§britannien), Ralph Rivera (Direktor BBC Digital, Gro§britannien) und Mustafa Isik (Head of Software Development and Platforms at Bayerischer Rundfunk).Honorarfrei lediglich fŸr AnkŸndigungen und Veršffentlichungen im Zusammenhang mit obiger Veranstaltung bei Nennung: Bild: BR/Philipp Kimmelzwinger. Andere Verwendungen nur nach entsprechender vorheriger schriftlicher Vereinbarung mit der Pressestelle-Foto, Tel.: 089 / 5900 10580, Mail: Pressestelle.Foto@br.de.

Von links: Eric Scherer (Director of Future Media FT), Guillaume Klossa (Director of Public Affairs and Communications, EBU), Alina Fichter (Programmdirektion, BR), Sanjeevan Bala (Head of Data Planning and Analytics Channel 4), Ralph Rivera (Direktor BBC Digital) und Mustafa Isik (Head of Software Development and Platforms, BR). Foto: BR/Philipp Kimmelzwinger.

Wie sich das auf Medieninhalte übertragen lässt, machte Rivera an einem hauseignen BBC-Beispiel deutlich. Der iPlayer der BBC ist eine ausschließlich im Vereinigten Königreich verfügbare Medien-Plattform, die nicht nur die eigenen Inhalte on demand zur Verfügung stellt. Seit 2011 sind auch Angebote anderer Sender dort verfügbar und für die User abrufbar. Auf eine senderspezifische Begrenzung von journalistischen Inhalten verzichtet die BBC damit. Vielmehr ist das Angebot bestrebt, die User in den Mittelpunkt zu stellen und ihnen einen guten Service zu bieten. Medienangebote für User übersichtlich aufzubereiten und anzubieten, spielt demnach also eine ebenso wichtige Rolle wie das Produzieren der journalistischen Inhalte. Mit diesem Ansatz verbunden sieht Rivera einen fundamentalen Kulturwandel, der sich innerhalb der Medienwelt noch vollziehen müsse. Denn für die meisten Medienhäuser bedeute dies, eine Neudefinition des eigenen Selbstverständnisses.

Interview Ralph Rivera, BBC, at PBI 2015 – Bayerischer Rundfunk

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Engere Zusammenarbeit

Als weiteres, zentrales Thema der Konferenz kristallisierte sich die engere Zusammenarbeit heraus: zum einen zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern zum anderen mit anderen Marktteilnehmern wie etwa Verlagen. Kooperationen würden zukünftig noch wichtiger, sagte Ulrik Haagerup, Executive Director of News DR, aus Dänemark. Thomas Hinrichs Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunk bekräftigt dieses Bestreben während einer Podiumsdiskussion zum Thema „News Journalism in a Digital World“ mit den klaren Worten: „Wir sollten wirklich zusammenarbeiten“.

Interview Cory Haik, Washington Post @ PBI 2015

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Technik mehr in den Vordergrund rücken

Impulse auf der Konferenz gab es auch von privaten Medienunternehmen, wie etwa Vodafone, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung oder der amerikanischen Tageszeitung Washington Post. Für Cory Haik, Executive Director of Emerging News Products der Washington Post, spielen speziell neue Technologien eine immer größere Rolle. Sie sieht die größte Herausforderung der Digitalisierung darin, sich als eine „Tech-Company“ zu verstehen, die Medieninhalte produziert.

Seit 1990 treffen sich die öffentlich-rechtlichen Sender der Welt, um sich über gemeinsame Herausforderungen, Ideen und Erfahrungen auszutauschen. In diesem Jahr fand die Konferenz erstmals in Deutschland statt und wurde vom Bayerischen Rundfunk ausgerichtet. Vom 9. bis 11. September diskutierten Teilnehmer aus der ganzen Welt im Münchner Literaturhaus. 2016 wird CBC Radio-Canada Gastgeber der PBI Konferenz sein.