Frauen und die Zukunft der Medientechnologie

Ein Blick in IT- oder medientechnologische Abteilungen bietet in vielen Unternehmen ein ähnliches Bild: Ein sehr männliches Kollegium. Frauen sind eher spärlich oder gar nicht vertreten. Der ARD/ZDF Förderpreis „Frauen + Medientechnologie“ will das ändern. Er zeichnet herausragende Forschungsbeiträge von Wissenschaftlerinnen aus, die sich mit Video- , Audio- oder Multimedia-Themen beschäftigen. Damit soll der Einstieg ins Berufsleben erleichtert werden.  

Die 27-jährige Theresa Liebl ist eine der drei diesjährigen Preisträgerinnen. Für den Förderpreis hatte sie sich nach einem Praktikum beworben, das sie beim Institut für Rundfunktechnik (IRT) in München absolviert hatte. „Man kommt gar nicht drum rum, im IRT auf den Förderpreis aufmerksam zu werden“,  sagt Liebl lachend. „Da liegen überall Prospekte herum und Plakate sind aufgehängt. Und meine Kollegen haben auch gesagt, ich soll mich bewerben.“ In ihrer Bachelorarbeit hat sie die „Voice-Over-Voice-Situation“ im Rundfunk untersucht. Diese tritt ein, wenn sich zwei Sprecher-Stimmen im Radio oder Fernsehen überlagern – also gleichzeitig zu hören sind. Bei Übersetzungs-Passagen ist dies etwa der Fall. Damit für den Hörer dabei kein unverständliches Stimmengewirr entsteht, muss die Aufnahme gut ausgesteuert werden. Liebl hat Vorschläge erarbeitet, wie dies optimiert werden kann. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind auch in eine Empfehlung des IRT zur Sprachverständlichkeit im Fernsehen eingeflossen. „Das hat mich natürlich unglaublich gefreut, dass genau zu diesem Zeitpunkt die Empfehlung erstellt wurde „, sagt Liebl.

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Lupe und Leuchtturm

Mit den Sinnbildern der Lupe und des Leuchtturms beschreibt Martin Paul vom ARD/ZDF Förderpreis die Ausrichtung und Intention der Auszeichnung. Eine Lupe, um herausragende Abschlussarbeiten von Studentinnen aus medientechnologischen Studiengängen hervorzuheben und ihnen eine größere Sichtbarkeit zu verleihen. Als Leuchtturm soll der Förderpreis dienen, „um exzellente Studentinnen für ihre Arbeiten zu ehren und auszuzeichnen“. Gleichzeitig sollen jüngere Studentinnen oder auch Schülerinnen für einen medientechnologischen Studiengang oder die Bewerbung zum Förderpreis motiviert werden. Zur Bewerbung zugelassen sind Wissenschaftlerinnen, aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz, deren Abschlussarbeit sich mit technischen Fragen der audio-visuellen Medienproduktion und -distribution beschäftigt. 2015 haben 34 Bewerberinnen von 26 Hochschulen und Universitäten ihre Arbeiten eingereicht. „Das zeigt, wie viele Hochschulen wir in der Breite schon erreichen“, sagt Paul. Im bayernweiten Vergleich kommen besonders viele Einreichungen von der Technischen Hochschule Deggendorf, an der auch Theresa Liebl studiert hat.

Mit der Auszeichnung von akademischen Abschlussarbeiten konzentriert sich der Preis, der seit 2009 vergeben wird, bewusst auf den Übergang zwischen Studium und beruflicher Laufbahn. „Als der Förderpreis ins Leben gerufen wurde, hat es bereits einige Frauenförderprogramme gegeben, die sich, wie der Girls´Day etwa, auf die Schulzeit oder das Studium bezogen haben“, sagt Martin Paul. „Aber es gab eben noch keine Unterstützung, die den Berufseinstieg unterstützt hat.“

Bewegtbilder optimieren

Die beiden anderen Preisträgerinnen haben sich mit dem Thema Bewegtbild beschäftigt. Carola Mayr, hat ihre Masterarbeit in Zusammenarbeit mit ARRI Cine Technik geschrieben. Sie untersuchte, wie sich real gedrehte Bewegtbildszenen mit computergenerierten oder animierten Sequenzen idealerweise kombinieren lassen, ohne die Bildgeometrie zu verzerren. Britta Meixner hat sich in ihrer Doktorarbeit, die sie an der Universität Passau geschrieben hat, mit sogenannten Hypervideos beschäftigt. Diese setzen sich aus Audio- oder Videosequenzen, Texten oder Bildern zusammensetzen – wie etwa 24h Jerusalem, einer Gemeinschaftsproduktion von ARTE und dem Bayerischen Rundfunk. Die oftmals langen Ladezeiten zu reduzieren, die bei solchen Videos aufgrund eines großen Datenvolumens entstehen können, war ein zentrales Thema ihrer Arbeit. Sie hatte sich gezielt nach Förderpreisen umgesehen. „Der ARD/ZDF Förderpreis war eigentlich einer der ersten, bei dem ich mich beworben habe“, sagt die 35-Jährige.

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Bei der Preisverleihung am 4. September in Berlin betonte der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor die Bedeutung des Förderpreises und die Forschungsergebnisse der Preisträgerinnen. „Alle drei Arbeiten zeichnet aus, dass sie sehr praxisnahe Impulse für die Medientechnologie geben. Das zeigt: Frauen und Technik – das war noch nie ein Widerspruch, ganz sicher jedenfalls kein größerer als Männer und Technik.“ Bewerbungen für 2016 können wieder ab dem 1. November 2015 eingereicht werden.

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