Hundertprozentig bayerisch: Interview mit Martin Kunze

Bei der ersten Sendung von Antenne Bayern war er schon mit dabei: Martin Kunze. Am 5. September ist das genau 27 Jahre her. Dazwischen führte der berufliche Weg für 17 Jahre zu Radio NRW. Seit einem Jahr ist der gebürtige Oberpfälzer wieder zurück, nun in der  Position des Programmdirektors. Im Interview verrät er, was es bedeutet, mit oberpfälzischem Dialekt in Nordrhein-Westfalen zu arbeiten, was er an der bayerischen Radiolandschaft schätzt und wie er den Sender in die digitalen Zukunft leitet.

Herr Kunze, in Ihrem Lebenslauf sind einige bayerische Stationen herauszulesen: Bei Radio Donauspatzin Regensburg haben Sie volontiert, bei Antenne Bayern haben sie anschließend fast zehn Jahre gearbeitet. Wie bayerisch muss man sein, um bei Antenne Bayern Programmdirektor zu werden?

Kunze: Zu hundert Prozent Bayer zu sein, schadet nicht (lacht). Die intime Kenntnis über Bayern, seine sieben Regierungsbezirke und über die Menschen – wie etwa die Franken, die Altbayern, die Schwaben – das ist schon von großem Vorteil. Letztendlich wollen wir ihnen ja im Programm gerecht werden. Wenn man sie kennt, kann man ihre Bedürfnisse als Hörer schneller einordnen und befriedigen. Gerade weil wir ein landesweites Programm produzieren und sich hier jeder Regierungsbezirk wiederfinden muss.

Programmdirektor von Antenne Bayern, Martin Kunze. Foto: Antenne Bayern

Seit über einem Jahr bekleidet Martin Kunze die Position des Programmdirektors bei Antenne Bayern. Foto: Antenne Bayern

1997 haben Sie Bayern verlassen und sind zu Radio NRW gewechselt, erst in der Position des stellvertretenden Programmdirektors, dann selbst als Programmdirektor. Welche Erfahrungen konnten Sie dort sammeln, die Ihnen heute helfen?

Kunze: Zunächst einmal habe ich bei Radio NRW gelernt, wie man ein großes Radionetzwerk managt. Darin eingewoben war auch viel politische Arbeit. Dabei lernt man auch ein gebührendes Maß an Weitsicht. Das heißt, eine Entscheidung oder Veränderung kann singulär betrachtet vernünftig sein. Aber man kann sie besser umsetzen, wenn man vorher durchdacht hat: Wen muss ich mitnehmen? Wen hole ich, um die Idee einmal spiegeln zu lassen? Eine langfristige Vorbereitung ist manchmal viel mehr wert, als etwas von jetzt auf gleich umsetzen zu wollen.

 

War Ihr oberpfälzischer Dialekt in Nordrhein-Westfalen hinderlich?

Kunze: Bevor ich nach Nordrhein-Westfalen kam, dachte ich eigentlich, ich spreche hochdeutsch. Bei Antenne Bayern hatte ich damals drei Sprachlehrer, die mich soweit gebracht haben, wie ich heute bin. Aber ich wurde eines besseren belehrt. Es gab zwar immer wieder Leute, die mich nur schwer verstanden haben. Letztendlich war mein Dialekt aber ein Riesenvorteil. Wenn man im nordrheinwestfälischem im Lokalfunk mit bayerischem Dialekt daherkommt, horchen die Menschen auf. Außerdem haben sie gemerkt, dass ich mich für sie interessiere.

 

War das Zurückkommen nach Bayern eigentlich geplant?

Kunze: Das war die ganze Zeit in meinem Kopf. Ich wollte eigentlich immer zurück nach Bayern kehren. Dass sich dann spontan diese Gelegenheit sogar bei Antenne Bayern bot, war einfach nur schön. Es muss sich ja immer die Gelegenheit dazu bieten. Ich habe Familie, da muss man das ja auch unter einen Hut bekommen. Und da sind es dann diese raren Gelegenheiten, die so etwas möglich machen.

 

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Über 4,1 Millionen Zuhörer erreicht Antenne Bayern täglich. Foto: Antenne Bayern

Was ist für Sie das Besondere der bayerischen Radiolandschaft?

Kunze: Mich begeistert, dass in Bayern jede Region ihre eigene Identität hat. Und das wirkt sich auch aufs Radiomachen aus -weil wir Bayern selbstbewusst zu dieser Identität stehen. Außerdem finde ich es toll, dass es neben Antenne Bayern als landesweitem Sender in Bayern an die 60 lokale Sender gibt. In dieser Kombination haben das nicht viele Bundesländer.

 

Und welchen besonderen Reiz hatte beziehungsweise hat speziell Antenne Bayern für Sie?

Kunze: Die Lust am Ausprobieren. Als wir ´88 anfingen, gab´s ja keine Konventionen, wie wir etwas zu machen haben. Wir haben neues Terrain betreten. Und heute ist es wieder die Lust am Ausprobieren und wir betreten wieder neues Terrain – diesmal das der Digitalisierung. Die Unternehmensgruppe ANTENNE BAYERN hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass sie mutig voran gegangen ist und gesagt hat „ok, das machen wir jetzt mal“ – egal, ob inhaltlich oder technisch.

 

Sicherlich haben Sie sich einige Ziele gesetzt, die Sie als Programmdirektor umsetzen wollen. Welche davon konnten Sie bereits verwirklichen?

Kunze: Was ich schon umgesetzt habe, ist ein Zusammenführen von Online und On Air. Der physische Umzug hat drei Monate gedauert und ist jetzt im August frisch finalisiert worden. Das Team der Online-Abteilung, die für antenne.de verantwortlich sind, arbeitet jetzt in der gleichen Redaktion wie das Antenne-Bayern-Programm-Team. Es gibt keine Trennung mehr zwischen diesen beiden Welten. Beides gehört unter das Markendach Antenne Bayern. Aber die Zusammenführung geht nicht hauruck-artig. Die Welten müssen und werden langsam zusammenwachsen.

 

Was sehen Sie als größte Herausforderung fürs Radiomachen und Antenne Bayern im Zuge der Digitalisierung?

Kunze: Die Etablierung der Marke Antenne Bayern auch in den jungen Zielgruppen. Die müssen wir genauso gewinnen, wie die Hörer, die uns schon seit 25 Jahren die Treue halten. Dieser Spagat ist schon seine sehr große Herausforderung für uns alle hier.