Der Verlagsstandort Bayern: Innovativ seit dem 15. Jahrhundert

Seit 150 Jahren druckt der Münchner Oldenburg-Verlag Schulbücher für ganz Deutschland. Das Haus Hubert Burda Media verlegt alleine an seinem Standort München 25 Zeitschriftentitel. Der Verlagsriese Random House verantwortet von seinem Hauptsitz in der bayerischen Landeshauptstadt 43 Verlage der Gruppe mit 200 Buchneuerscheinungen im Monat. 8.238 Erstauflagen konnten die 134 Münchner Buchverlage 2013 für sich verbuchen – seit 400 Jahren floriert die Verlagsbranche in Bayern. Branchenkenner nennen die bayerische Landeshauptstadt München als wichtiges Verlagszentrum sogar in einem Atemzug mit New York.

München ist bedeutender Verlagsstandort weltweit

„Schaut man sich allein die Zahl der Zeitschriftentitel an, die Münchner Verlage herausbringen sowie deren großen Erfolge, dann kann kaum ein Verlagsstandort weltweit mithalten“, sagt Waltraut von Mengden, erste Vorsitzende des Verbandes der Zeitschriftenverlage in Bayern. Sie betont aber auch, dass das Verlegen von Zeitschriften in ganz Bayern verwurzelt ist, darunter in Würzburg, Nürnberg, Augsburg oder auch Bad Wörishofen. Laut aktuellen Zahlen der IHK München und Oberbayern existieren im Bezirk 34.975 Unternehmen aus der IuK- und Medienbranche. Die Bundesagentur für Arbeit meldet 29.524 Beschäftigte im Verlagswesen in ganz Bayern im Jahr 2014. Damit arbeiten hier nahezu dreimal so viele Menschen wie in der TV- und Hörfunkbranche zusammen.

Randomhouse ©Verlagsgruppe Random House

Der Hauptsitz von Random House in München ©Verlagsgruppe Random House

Allein in München und Oberbayern waren 2013 laut IHK rund 15.900 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte tätig. „In München ist alles vertreten, was wirtschaftliche Relevanz hat: Random House, Bonnier, Holtzbrinck und viele mehr. Jedes fünfte Buch in Deutschland stammt aus München, darunter viele Bestseller. Das macht München zu einem der kreativsten und wichtigsten Verlagsstandorte in Deutschland und weltweit“, sagt auch Dr. Klaus Beckschulte, Geschäftsführer beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern e.V.. Neben dem kreativen Potenzial sei der Ausbildungsstandard hoch, die Rahmenbedingungen verlässlich und die Verbindung zu politischen Entscheidungsträgern stark.

Innovativ seit mehr als 500 Jahren

Piper Verlag @Peter von Felbert

Der Sitz des Piper Verlags @Peter von Felbert

Seit Jahrhunderten ist München als Hauptstadt des Freistaats Bayern Zentrum und Vorreiter im Printgeschäft. „Ein Grund ist sicher die frühe Verbreitung des Buchdrucks im heutigen Bayern“, erklärt Dr. Markus Rick, Hauptgeschäftsführer des (VBZV). Der süddeutsche Raum mit seiner ausgeprägten Städtestruktur habe ideale Bedingungen für die neue Technik geboten. In den Bistümern Bamberg, Augsburg, Nürnberg und München hat sich sehr früh im 15. Jahrhundert der Buchdruck durchgesetzt. „Die Bischöfe hatten anfänglich großes Interesse daran, mit der neuen Technik sorgfältig redigierte, einheitliche Texte für ihre Geistlichkeit produzieren zu lassen“, sagt Rick. Im 16. Jahrhundert gab die Augsburger Handelsfamilie der Fugger ihre Handelsbriefe heraus, die man als Vorläufer von Zeitschriften bezeichnen kann.

„Heute lebt der Zeitschriftenstandort Bayern unter anderem davon, dass wir im Wettbewerb mit anderen Verlagsstädten wie Hamburg, Köln oder Berlin häufig die besten Talente für uns gewinnen können und mit der Akademie der Bayerischen Presse eine viel beachtete Ausbildungseinrichtung geschaffen haben“, betont Anina Veigel, Geschäftsführerin des Verbandes der Zeitschriftenverlage in Bayern (VZB) und Vorstandsvorsitzende der Akademie der Bayerischen Presse. Die Verbände sehen die Hauptstärke des Verlagsstandortes vor allem in seiner Vielfalt. Und die liege unter anderem in der Fähigkeit, Angebote für die unterschiedlichsten Zielgruppen zu entwickeln.

Die digitale Transformation als Chance verstehen

Während die Zeitschriftenbranche stark die Möglichkeiten der neuen Medien nutzt, konzentrieren sich Buchverleger auf das Kerngeschäft mit dem verlängerten Arm ins Digitale. „Wir setzen auf Leseförderung und haben zum Beispiel die Aktion Ich schenk‘ dir eine Geschichte in Bayern ins Leben gerufen und deutschlandweit ausgeweitet. Wir möchten Spaß am Lesen vermitteln – digital oder nicht digital ist für die Verlage erst einmal nebensächlich“, informiert Beckschulte.

Ein Überblick über die Verlage in München

Ein Überblick über die Verlage in München

Qualität ist für Beckschulte der Erfolgsfaktor der Zukunft, auch im digitalen Bereich. Hochwertige journalistische Leistung könne hier aber auf Dauer nicht zum Null-Tarif geliefert werden. Erst im März 2015 hat die Süddeutsche Zeitung eine Paywall für viele digitale Produkte eingeführt. „Wir haben es hier mit einem nicht ganz leichten Prozess des Umdenkens zu tun, vor allem bei den Usern. Der Abschied von der Gratis-Mentalität ist nur schrittweise möglich“, weiß Rick.

Die Münchner Verlage hätten immer neue Techniken genutzt und neue Medien jedes Mal als Chance wahrgenommen, um sich selber neu zu erfinden. So sei es auch jetzt wieder, sagt Waltraut von Mengden: „Die digitale Transformation verstehen wir Verleger weniger als Bedrohung. Wir haben nun ganz neue Optionen der Kommunikation und Interaktion mit unseren Nutzern und Möglichkeiten, Arbeitsabläufe in den Verlagen noch effizienter und schneller zu gestalten.“

 

Von Kristina Machalke